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Architekt mit Lust am Experiment

Architekt mit Lust am Experiment

Eine Ausstellung im Kundenforum der Sparkasse würdigt den Baukünstler Paul Schneider von Esleben. Er schuf das Hochhaus der Bank.

Wuppertal. Drei Wände aus schräg gestellten Kuben im Foyer der Stadtsparkasse bilden auf jedem ihrer Würfel eine Facette aus dem Leben von Paul Schneider von Esleben ab. Mal sind es Zeichnungen oder private Fotos des in Düsseldorf geborenen Architekten, mal Bilder von Gebäuden oder Entwürfe von Bauten, mit denen er zu einem der wichtigsten Vertreter seiner Zunft in Nachkriegsdeutschland avancierte. In Wuppertal hat der im Mai 2005 verstorbene Architekt, der in der Szene unter dem Kürzel „PSE“ bekannt wurde, eine markante Spur hinterlassen: Er baute Ende der 1960er Jahre das Sparkassen-Hochhaus am Islandufer und gab der Talachse damit eine markante „Landmarke“.

Ursula Kleefisch-Jobst, Generalkuratorin des MAI

Mit einer Wanderausstellung würdigen die Stadtsparkasse und das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (MAI) derzeit in der Kundenhalle des Kreditinstitutes den 1915 geborenen Baukünstler. Die Schau war bereits im vergangenen Jahr zum hundertsten Geburtstag von Schneider von Esleben im Foyer des damaligen Mannesmann-Hochhauses in Düsseldorf zu sehen — jenem Gebäude, in dem mittlerweile das NRW-Wirtschaftsministerium seinen Sitz hat. Paul Schneider von Esleben hatte das Hochhaus Ende der 1950er Jahre gebaut.

Die Ausstellung trägt den Titel „Das Erbe der Nachkriegsmoderne“. Neben der Arbeit als Architekt widmet sie sich auch den übrigen Talenten von „PSE“ und zeigt unter anderem von ihm entworfene Möbelstücke. Auch seine alte Aktentasche ist als Exponat vertreten.

Die Schau wolle das „vielschichtige Oeuvre“ von Schneider von Esleben deutlich machen — deshalb habe man sich für die Wände aus Kuben entschieden, die die unterschiedlichen Aspekte von Leben und Werk wie „in einem Kaleidoskop“ aufgriffen, sagte die Generalkuratorin des MAI, Ursula Kleefisch-Jobst, am Mittwochabend bei der Eröffnung der Ausstellung.

Die Wände tragen etwas sperrig anmutende Titel wie „Betonelement“ oder „Plastische Gestalt“. Wer einige Schritte zurücktritt und auf die einzelnen Wände schaut, kann im Ensemble der Würfel zudem verschiedene Motive erkennen: Eines zeigt ein Porträt von Paul Schneider von Esleben. MAI-Kuratorin Kleefisch-Jobst verwies darauf, dass es die „eine Handschrift des Architekten“ nicht gegeben habe. Vielmehr habe Schneider von Esleben seiner „Experimentierfreude“ immer wieder freien Lauf gelassen.

Durchaus ungewöhnlich für die damalige Zeit war seine Idee, das Sparkassen-Hochhaus am Islandufer von oben nach unten bauen zu lassen. Durch die Hängekonstruktion konnten die Räume im Inneren ohne Stützwände auskommen und lassen sich dadurch besser nutzen.

Das Foyer mit der Schalterhalle setzte zur Eröffnung im Jahr 1973 auf kräftige Farben und dank der großen Fenster auf einen transparenten Durchblick. Selbst in einem Kinofilm von Tom Tykwer („Der Krieger und die Kaiserin“) spielte der 75 Meter hohe Hochhausturm mit seinen beiden Flachbauten eine Rolle.

Der Sparkassen-Bau sei mittlerweile „ein unverzichtbarer Bestandteil der Stadtsilhouette“ und ein „Identifikationsobjekt für Elberfeld“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Wuppertal, Gunther Wölfges. Ein weiterer Beweis für seine besondere Qualität sei die Tatsache, dass das Gebäude seit Mitte Dezember 2015 auch auf der Denkmalliste der Stadt steht.

Eine Qualität, die allerdings zu Beginn nicht jeder sehen wollte. Denn der Neubau der Sparkasse war durchaus umstritten, weil dafür das Thalia-Theater weichen musste. Das Hochhaus sei gleichwohl ein wichtiger „Haltepunkt der Stadt“, der für die Entwicklung der Kommune von großer Bedeutung sei, sagte der Stadthistoriker Michael Okroy. Vor dem Hintergrund der nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten Talstraße zwischen Elberfeld und Barmen sei ein solches Bauwerk wichtig gewesen.