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Arcadi Volodos: Der Klavier-Titan gibt sich zart und poetisch

Arcadi Volodos: Der Klavier-Titan gibt sich zart und poetisch

Arcadi Volodos glänzt in der Stadthalle.

Wuppertal. Wer ihn als vor Kraft strotzenden Tastenlöwen bei Liszt oder Rachmaninow kennt, staunt bei seinem Konzert im großen Stadthallen-Saal im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr nicht schlecht: Der Klavier-Titan Arcadi Volodos zeigte sich am Mittwochabend empfindsam, poetisch und zart.

Volodos bevorzugt einen schlichten Stuhl statt des Klavierhockers, und so kann er sich schon mal mit geschlossenen Augen zurücklehnen — blind spielend und seiner Musik nachlauschend. Franz Schuberts frühe, unvollendete Sonate in C-Dur (D 279) lebt von zarten Figurenläufen ebenso wie vom herben Auftrumpfen. Volodos stellt dies plakativ heraus — mit größtmöglichen Kontrasten zwischen Piano und plötzlichem Forte.

Genüsslich perlt die innige Weise des Andante, frisch und hüpfend das getupfte Thema des Allegro vivace. Volodos bleibt seiner Schubert-Interpretation auch in der a-Moll-Sonate op. 143 (D 784) treu: pianistische Brillanz kontra empfindungsreich gestaltete Farbigkeit. Resignation und Leere atmet der erste, fast schmucklose Satz. Doch sein Thema bricht sich mit Wucht und Energie Bahn. Wie versunken und nur kurz aufbegehrend nimmt Volodos den langsamen Mittelsatz. Perlend und ungestüm, mit eiligen Triolenläufen, durchmisst der Pianist das Finale und setzt geradezu zackige Zäsuren, bevor wuchtige Schläge das Ende kennzeichnen.

Ebenso bestechend präsentiert Volodos die späten drei Intermezzi von Johannes Brahms (op. 117): die „Wiegenlieder meiner Schmerzen“. Er gestaltet sie wie frei schwebende Fantasien, vermittelt berührend die innewohnende Traumwelt voller Melancholie und versteckter Unruhe. Von Frederico Mompou (1893-1987) spielt Volodos zehn Beispiele aus seiner Musica Callada, die gut ins Bild des atmosphärisch dichten Programms passt.

Durchweg ruhig und langsam sind die Satzbezeichnungen, sie erinnern an Kirchenlieder oder schlichte Weisen im begrenzten Tonraum. Diese Musik zwingt zur Meditation und entfaltet in der bestechenden Interpretation große Suggestivität. Das Publikum ist begeistert und erhält drei Zugaben, in denen Volodos erneut glänzt.