Antje Weithaas lässt die Geige seelenvoll singen

Antje Weithaas lässt die Geige seelenvoll singen

Solistin und Sinfoniker begeistern.

Wuppertal. Bescheiden tritt sie auf, in changierenden Farben schwingt die lange Plissee-Robe mit schlichtem, schwarzem Top — aber welche Intensität entfaltet sie in ihrem Spiel: Antje Weithaas ist die umjubelte Solistin in Beethovens D-Dur-Violinkonzert op. 61, das gestern das dritte Sinfoniekonzert im sehr gut besuchten großen Stadthallen-Saal eröffnete.

Die Geigerin ist dem Wuppertaler Publikum nicht unbekannt. Sie spielte im vergangenen Jahr im Benefizkonzert der Sinfoniker das Brahms‘sche Violinkonzert. Strahlend — in der Höhe von kristallinem Glanz — klingt ihre Violine von Peter Greiner aus dem Jahr 2001, die sie mit großer Virtuosität und Innigkeit spielt.

Dabei ist das Werk mit den sinfonischen Zügen ein eng auf das Orchester bezogenes Solo-Konzert. Dirigent Toshiyuki Kamioka trägt dem Rechnung und legt die Dialoge der Instrumentengruppen mit dem Soloinstrument nicht als Kontraste, sondern verzahnend an. So entwickeln sich die drei Sätze zu dem grandiosen Klanggemälde. Weithaas lässt ihre Geige seelenvoll singen und glänzt in den selten zu hörenden Kadenzen, die Beethoven für die Klavierfassung komponierte, mit perfekt perlendem Spiel. Sie bekennt nach ihrem Vortrag: „Ich habe mich mit dem Wuppertaler Sinfonieorchester sehr wohlgefühlt.“

Auch Konzertbesucherin Monika Heimann ist begeistert: „Ich finde, es gab noch zu wenig Applaus für diese tolle Darbietung. Der langsame Satz hat mich fast zu Tränen gerührt, so schön war er gespielt.“ Kein Wunder, dass Bravo-Rufe und langer Applaus Orchester und Solistin nur ungern in die Pause entlassen.

Auch Brahms’ dritte Sinfonie ist bei den Wuppertalern in guten Händen. Romantisches Wogen wechselt ab mit dramatischer Spannung. Exponierte Bläserrollen entwickeln musikalische Gedanken, Tonartenwechsel schaffen ungeheure Innenspannung. Der Wechsel von verhaltenem Klang und explosiven Ausbrüchen vermittelt den Eindruck von gewaltig drängender Musik im Finalsatz. Und doch klingt die Sinfonie nach den heftigen Emotionen ruhig atmend — im leisen Spiel — friedvoll aus.

“ Das Konzert dauert 110 Minuten inklusive Pause. Es wird heute um 20 Uhr in der Stadthalle wiederholt.