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Amsterdam feiert Wuppertal: Sinfoniker trumpfen in Holland auf

Amsterdam feiert Wuppertal: Sinfoniker trumpfen in Holland auf

Große Besetzung und großer Jubel: Das städtische Orchester überzeugt im Concertgebouw fast 1900 Zuhörer.

Wuppertal/Amsterdam. „Wow!“ Drei Buchstaben sagen mehr als tausend Worte: Ein schöneres Kompliment als den spontanen Ausruf eines Zuschauers gibt es nicht. Da spielt es auch keine Rolle, dass man sich als Zuhörer im klassischen Konzertsaal ja eigentlich erst zu Wort meldet, wenn alles vorüber ist.

Doch in Amsterdam kennt das Publikum keine falsche Zurückhaltung: Das „Wow“ durchbricht die Stille im ausverkauften Concertgebouw zu einem Zeitpunkt, an dem der Schlussapplaus kaum weiter entfernt sein könnte. Schon nach dem ersten Satz von Beethovens 5. Sinfonie ist also klar: Auch der zweite Teil des Gastspiels reißt das holländische Publikum mit.

Für das Wuppertaler Sinfonieorchester soll es noch besser kommen: Drei weitere Beethoven-Sätze später erheben sich fast 1900 Zuhörer aus ihren samtroten Stühlen, fotografieren, applaudieren und bejubeln die Gäste aus dem fernen Bergischen Land. Natürlich ist eine Zugabe fällig: Die Wuppertaler bedanken sich mit Johannes Brahms. Dessen Ungarischer Tanz Nr. 5 ist der perfekte „Rausschmeißer“ am Ende eines schwül-warmen Abends, der den Wuppertalern die Schweißperlen auf die Stirn getrieben und die Niederländer sichtlich beeindruckt hat.

Rund 250 Kilometer trennen die Elberfelder Stadthalle und das Amsterdamer Concertgebouw — doch die Liebe zur klassischen Musik eint Deutsche und Niederländer an diesem Abend. Am Ende gibt es auf beiden Seiten zufriedene Gesichter. Denn die Reise hat sich gelohnt — für die städtischen Musiker, die in großer Besetzung buchstäblich grenzenlos gefeiert werden, genauso wie für ihre Gäste, denen ein exzellentes Konzert geboten wird.

Dazu gehört vor allem Johannes Brahms: Beim 1. Klavierkonzert d-Moll op. 15 vertrauen die 82 Sinfoniker auf die Fingerfertigkeit eines US-Amerikaners — und werden nicht enttäuscht.

Denn Star-Solist Tzimon Barto zieht nicht allein wegen seines Körperbaus alle Blicke auf sich. Nicht nur im Fitnesscenter, auch am Klavier ist der durchtrainierte Pianist zu Hause. So ist das Zusammenspiel aus Muskeln und Taktgefühl das Gesprächsthema Nummer eins im Pausen-Foyer. Keine Frage: Die deutsch-amerikanische Kooperation kommt in Holland bestens an.

Das Klavierstück, das gleich mehrere Zuhörer als „eigentlich herb“ bezeichnen, das aber „unglaublich fein“ präsentiert worden sei, überraschte schon deshalb, weil Barto, der Mann mit den breiten Oberarmen, auch eine sanfte Seite zeigt und vor allem dann verblüfft, wenn er seine Finger sehr geschmeidig und ruhig über die Tasten gleiten lässt.

Der nächste Paukenschlag folgt nach der Pause: Beethovens „Fünfte“, die zum festen Repertoire der Sinfoniker gehört, ist ohnehin ein Genuss und — auf Wuppertaler Art — immer wieder ein klangvolles Vergnügen. Auch optisch hat das Gastspiel seine Reize, wie sich schon im ersten Teil zeigt: Wenn Barto und Chef-Dirigent Toshiyuki Kamioka dicht hintereinander eine Treppe herunterschreiten, um Kurs auf die Bühne zu nehmen, könnten die Gegensätze nicht größer sein.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Der US-Solist, der das Spitzen-Duo anführt, verdeckt den schlanken Publikumsliebling aus Wuppertal. Ein Bild, das sich festzuhalten lohnte — wenn die begeisterten Zuhörer ihre Kameras schon jetzt und nicht etwa erst nach Konzertende zücken dürften. Dafür preschen einige Fans nach der Zugabe nach vorne — mit mäßigem Erfolg.

Denn Kamioka lässt sich schwer „festhalten“: Der 50-Jährige ist auch beim finalen Applaus so schwungvoll bei der Sache, dass er von der Kamera nicht zu bändigen ist. „Wow!“, könnte man da erneut sagen.