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Amoklauf und Mäuse-Musical im Kinder- und Jugendtheater

Amoklauf und Mäuse-Musical im Kinder- und Jugendtheater

Was das Publikum in diesem Jahr im Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater erwartet, weiß Leiterin Barbara Sydow.

Frau Sydow, ab Februar heißt es im Kinder- und Jugendtheater wieder: „Plötzlich war er aus der Welt gefallen“. Das Jugendstück über einen verhinderten Amoklauf an einer Schule hatte im September 2012 Premiere. Wie war die bisherige Resonanz — speziell von Schülern — auf das alles andere als leicht verdauliche Stück?

Barbara Sydow: Die Intensität des Stücks transportiert sich direkt auf das Publikum. Die Schüler, die ich beobachten konnte, sind von den Darstellern oft sehr beeindruckt. Immerhin sind die Schauspieler so alt wie sie selbst. Das, was auf der Bühne gesagt wird, trifft gleich einen Nerv. Denn es geht um Freundschaft und Ausgrenzung, um peinliche Situationen, Liebe und Erwartungen von Erwachsenen. Die Sprache ist direkt und offensiv — ein junges Publikum ist sofort dabei. Und auch wenn die Thematik „schwer verdaulich“ erscheint, so wie Sie sagen: Es geht um das, was junge Leute beschäftigt, auf allen Schulhöfen bundesweit. Der Amoklauf, der im Stück geplant wird, steht für das, was schiefgelaufen ist im Leben.

Gibt es eine Szene, die Sie am meisten beeindruckt, bewegt, berührt?

Sydow: Was mich am meisten an den drei Darstellern beeindruckt: dass sie das Lebensgefühl der Figuren sehr intensiv, authentisch wiedergeben und die Spannung eine knackige Stunde halten. Michael Müller, der Autor, lässt den — fehlgeschlagenen — Amoklauf durch ein Paar, das nach Jahren in die Schule zurückkehrt, im Rückblick erzählen. Dadurch wird das, was passiert ist, in den Zusammenhang gestellt: Warum war das so? Es gibt Szenen, in denen das schlechte Gewissen von einem, der glaubt, seinen Freund im Stich gelassen zu haben, dem Zuschauer in den Magen bohrt. Es gibt Szenen, die lustig sind, weil sich hier Jungs aufspielen, die eine Waffe in der Hand haben, aber das Lachen bleibt einem gleich wieder im Hals stecken. Und es gibt sehr schöne, emotionale Momente, in denen mancher Zuschauer schon zum Taschentuch greifen musste.

Welche weiteren Pläne gibt es für 2013?

Sydow: Wir freuen uns sehr auf unsere Neuproduktionen: Im März laden wir kleine Theatergänger ab fünf Jahren zu uns ein. Mit dem „Löwen, der nicht schreiben konnte“ nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Martin Baltscheit erzählen wir die hinreißende Geschichte des Löwens, der einer Löwin einen Liebesbrief schreiben möchte. Leider kann er gut brüllen, aber nicht schreiben, und so bittet er nach und nach die Dschungeltiere darum. Die Briefe fallen so unterschiedlich aus wie die Tiere selbst. Denn ein Geier versprüht einen anderen Charme als ein Nilpferd.

Wer stellt sich dieser Herausforderung?

Sydow: Lars Emrich führt Regie und Stefan Leibold, der auch schon für die Musik in „Plötzlich war er aus der Welt gefallen“ verantwortlich war, hat tolle Songs entwickelt.

Was erwartet das Publikum außerdem?

Sydow: Im Herbst geht es um den Jugendbuchklassiker „Krabat“ von Otfried Preußler, für ältere Kinder ab zehn. Und das Winterstück verraten wir auch schon mal: Es ist das Mäuse-Musical „Anton“. Die Geschichte hat uns schon beim ersten Lesen zum Lachen gebracht. Denn es geht um eine umtriebige Mäuse-Familie, die glücklich und unerkannt bei einer Familie wohnt und plötzlich einem großen Problem gegenübersteht. Ein Stück, das mit Tempo und viel Musik erzählt wird und in denen Kinder, Eltern und Großeltern viel Spaß haben werden. 2013 hält darüber hinaus noch ein Jubiläum bereit: Die Theaterschule wird im Sommer zehn Jahre alt. Auch das werden werden wir entsprechend feiern.