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Amici del canto holen Anfang November drei Chöre zum Konzert in die Friedhofskirche.

Gesang : Diese Chorgala schafft „ConTakte“

Amici del canto holen Anfang November drei Chöre zum Konzert in die Friedhofskirche.

Musik verbindet über Grenzen hinweg. Die sind zwar zwischen West- und Ostdeutschland abgebaut und auch in Europa durchlässig, gleichwohl ist daraus noch kein intensives, gar alltägliches Miteinander entstanden. Umso schöner ist die Idee, die der Kammerchor amici del canto aufgegriffen hat und Anfang November – kurz vor dem 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls – in Wuppertal realisiert: die Chorgala „ConTakte“, die vier Chöre zum gemeinsamen Singen und zum kulturellen Austausch in der Stadt zusammenführt.

Das Vorbild lebt im brandenburgischen Neuruppin, einer knapp über 30 000 Einwohner kleinen Stadt, die als Geburtsstadt Theodor Fontanes bekannt ist. Der Neuruppiner A-capella-Chor ist an die 50 Mitglieder stark und lädt regelmäßig zur Chorgala. Vor ein paar Jahren erlebte eine Sängerin des amici del canto dort per Zufall eine solche Veranstaltung und war begeistert. In Wuppertal gewann sie ihre Mitsänger und -sängerinnen fürs Format, die 2016 nach Neuruppin reisten. „Wir präsentierten uns als Chor, eine programmatische Vorgabe gab es nicht“, erinnert sich Chormitglied Lutz-Gerald Göbel. Ein Jugendchor aus Neuruppin und ein italienischer Männerchor komplettierten den Vierergipfel. Göbel: „Er sang traditionelle Alpenlieder, so auch ‚La Montanara’. Das war alles ganz wunderbar.“ So wunderbar, dass der Wuppertaler Chor beschloss, einen Gegenbesuch zu organisieren.

Der findet nun am ersten Novemberwochenende statt und trägt den Titel „Chorgala ConTakte“, was durchaus symbolisch für das Miteinander auf musikalischer Ebene gemeint ist, erklärt Lutz-Gerald Göbel. Neben den Neuruppinern machen die Elberfelder Mädchenkurrende, deren Leiterin bei den amici del canto mitsingt, und der Jugendchor Clari Cantus Jeugd Koor aus dem belgischen Leuwen mit. Ein Chormitglied hatte den erfolgreichen Jugendchor im Netz ausfindig gemacht.

Wie in Neuruppin gehen in Wuppertal junge und erwachsene Sänger an  den Start, singen nacheinander ein etwa halbstündiges Repertoire, das sie selbst zusammengestellt haben – die Neuruppiner bringen im Jubiläumsjahr Fontanes Lieder mit Bezug zu ihm mit, die amici del canto singen spätromantische und zeitgenössische Lieder. Zum Abschluss der Gala finden sich alle gemeinsam zu einem Lied zusammen. „Das wird ein Abendlied von Rheinberger sein“, weiß Chormitglied Birgit Pardun. Die A-capella-Chöre verzichten auf ein Orchester, lediglich ein Pianist unterstützt die Mädchenkurrende. Außerdem gestalten die beiden Jugendchöre ein weiteres Konzert in Ennepetal, während die Erwachsenen proben.

Spezialgast aus Heckinghausen präsentiert Wuppertals Kultur

Untergebracht sind die Gäste weitgehend privat. Das fördert das Kennenlernen ebenso wie ein kulturelles Begleitprogramm, das eine Besichtigung des Gaskessels Heckinghausen, eine Schwebebahnfahrt und eine Führung umfasst. Birgit Pardun: „Ein Spezialgast aus Heckinghausen, der noch nicht verraten wird, macht mit der Wuppertaler Kultur bekannt.“

Im Mai gab amici del canto zuletzt ein Konzert. Der kleine a-capella-Chor wurde 2008 gegründet, er hat 30 Mitglieder im Alter von 19 bis Mitte 60 Jahren. Sorgen um seinen Bestand hat er nicht: Es gibt ebenso viele Frauen wie Männer, alle Stimmgruppen sind gut vertreten. Für seinen Auftritt probt der Kammerchor seit dem Ende der Sommerferien.

Einer von dreien, die ihm im Herbst bevorstehen. Am 30. November wirkt der Chor bei „Zur Nacht“ in der oberen Ausstellungshalle des Skulpturenparks Waldfrieden mit. Zusammen mit zwei Sprechern und zwei Musikerinnen geht es bei der musikalischen Lesung um das Geheimnisvolle der Nacht. Und am 15. Dezember verstärkt er den Opernchor, wenn in der Stadthalle Lutz Werner Hesses sinfonische Dichtung „Ich habe Dich gewählt...“, die auf sechs Gedichten von Else Lasker-Schüler fußt, uraufgeführt wird. Die Sänger freuen sich über die Anerkennung.