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Akkordeon und Literatur von Camilo José Cela

Kultur : Akkordeon und Literatur von Camilo José Cela

Veranstaltung des Internationalen Begegnungszentrums.

Sozialkritische Werke, Geschichten, Fabeln, Dramen, Reiseberichte, auch das Diccionario Secreto, ein Nachschlagewerk über Tabuwörter von Geschlechtsteilen, sind in seinem literarischen Schaffen enthalten. „Er geht auf die griechische Mythologie, europäische Geschichte und spanische Kultur ein, weit bis ins 18./17. Jahrhundert hinein bis ins Mittelalter“, beschreibt Heidemarie Koch das schriftstellerische Spektrum von Camilo José Cela. In einer literarischen Lesung hat sie drei seiner Werke vorgestellt: Sie las aus „Geschichten ohne Liebe“, einem Reisebericht und das erste Kapitel von „La Colmena, der Bienenkorb vor.

Ergänzt wurde die Lesung mit spanischen Sonetten, gespielt von Helmut C. Jacobs, Professor für Romanische Philologie/Literaturwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen an dem Akkordeon. Sonette von Félix Máximo López oder Mateo Albéniz sind unter anderem zu hören. Die Sonaten sind aus dem 18. Jahrhundert. „Ich dachte mir, das kann passen, auch wenn der Autor aus dem 20. Jahrhundert ist. Denn Cela geht in seinen Werken auch gerne in die Vergangenheit“, sagte Heidemarie Koch im Hinblick auf Celas Einbezug griechischer Mythologie in seine Werke.

Vor mehr als 30 Jahren las sie seine Romane zum ersten Mal. „Als ich mich mit der Biografie beschäftigte, habe ich dann doch einen Schrecken bekommen“, so die deutsche Iranistin. Der Mensch, der Autor und sein Werk – das müsste getrennt betrachtet werden. Cela habe etwa nicht direkt verächtlich, aber dennoch herablassend über Frauen geschrieben. Der Reichtum und die Intensität seiner Prosa sowie die Vielfalt seiner erzählerischen Arbeit hebt sie aber hervor. „Das Werk ist hervorragend.“

Spanien – die Literatur, seine Kultur und Landschaft,  damit befasst sich Heidemarie Koch seit mindestens 50 Jahren. Vor mehr als 30 Jahren hat sie erstmals Werke dieses Autors gelesen, die Bücher bekomme man kaum noch. „La Colmena“ ist das bekannteste von Celas Werken. Für dieses war er mit dem Vorwurf der „Unmoral und Pornografie“ und der Zensur ausgesetzt – da er Tabus brach. „Man durfte nicht über das Elend der Menschen schreiben“, vermittelt Heidemarie Koch einen Einblick in die Zeit des Franco-Regimes. Cela habe Verbrechen beschrieben, er baut Vulgärsprache ein, und auch erotische Geschichten sind in seinem Werk zu finden.

Nicht in Spanien, nur in Buenos Aires konnte sein Roman deshalb herausgegeben werden. Denn die Misere einzelner Menschen im Madrid der Nachkriegszeit nach dem Bürgerkrieg wird darin beschrieben. „La Colmena ist ein Café in Madrid, wo sich Menschen aufhalten. Alleinstehende, oft Arme“, so Koch, die über den Film von Mario Camus mit dem Werk in Berührung kam. „Viele Autoren, die in Spanien hochdotiert sind, die kennt man hier gar nicht“, sagte sie. Mit der literarischen Lesung machte Heidemarie Koch ein Stückweit Spanien und seine Vielfalt zugänglich.