40 Jahre: Ein Fest fürs Tanztheater

40 Jahre: Ein Fest fürs Tanztheater

Mit einem gewaltigen Programm wird das Ensemble von Pina Bausch gefeiert.

Wuppertal. Wenn Musik den Weg zu einer Pressekonferenz weist, darf selbst der versierteste Opernhaus-Besucher ins Staunen geraten. Leise Klänge im Kronleuchter-Foyer? Um eine Oper geht es doch gar nicht — Tanz ist das Thema. Pina Bausch (1940-2009) überrascht eben immer noch. Das war nicht nur damals so — in den Anfangszeiten, als das Publikum mit knallenden Türen auf die neue Mischung aus Humor und Dramatik reagierte, mit der das Tanztheater seine Gäste überraschte.

Robert Sturm, Festival-Leiter

Auch heute noch ist vieles anders, wenn Pina Bausch — oder in diesem Fall „Pina 40“ — ruft. Das fängt bei der Besetzung des Podiums an und hört bei der Finanzierung noch lange nicht auf. Denn nicht nur auf die 32 Tänzer, die im Hintergrund auf einem Plakat zu sehen sind, wird es in der kommenden Spielzeit ankommen. Auch das Geld spielt eine entscheidende Rolle: Mit 700.000 Euro unterstützt allein das Land NRW das Festival „Pina 40“, das sich zwischen September 2013 und Mai 2014 hauptsächlich in Wuppertal, aber auch in Düsseldorf und Essen abspielen wird.

100.000 Euro steuert die Jackstädt-Stiftung zu, 50.000 Euro überweist die Stadt — das macht zusammen 150.000 Euro aus Wuppertal. Düsseldorf und Essen wollen die Fest-Saison, mit der das Tanztheater Wuppertal seinen 40. Geburtstag feiert, mit jeweils 100.000 Euro würdigen.

All dies sind Zahlen, die die eigentlich wichtigen Fakten überhaupt erst möglich machen: 14 verschiedene Stücke werden an 18 Orten präsentiert, 15 davon befinden sich auf Wuppertaler Boden. Insgesamt 330 Veranstaltungen, darunter 43 Aufführungen, aber auch Workshops, Filmvorstellungen und Gespräche, verspricht das Team um die Festival-Leiter Ulli Stepan und Robert Sturm. „Natürlich wird es ein Rückblick“, erklärt Sturm. „Aber wir wollen mehr. Wir möchten den Rückblick mit einem Ausblick verbinden.“

So wird „Nelken“ neu einstudiert — junge Tänzer sollen in die Fußstapfen langjähriger Ensemblemitglieder treten. Lutz Förster und Dominique Mercy werden deshalb nicht mehr dabei sein, wenn „Nelken“ vom 31. Oktober bis zum 3. November im Wuppertaler Opernhaus zu sehen ist. Den Anfang macht allerdings „Palermo, Palermo“: Die Kooperation mit Italien eröffnet das Festival im Barmer Opernhaus (5. bis 8. September).

Ute Schäfer, NRW-Kulturministerin

Nach „Wiesenland“ (7. bis 10. November) ist der Saison-Höhepunkt zu erwarten: Vom 22. bis 24. November geht ein dreiteiliger Strawinsky-Abend über die Bühne, der „Wind von West“ beinhaltet, das zuletzt 1979 zu sehen war. „Das Gerüst bilden die Stücke von Pina Bausch“, betont der Festival-Leiter. Während Sturm mit gewohnt leiser Stimme die Vielfalt des Programms vor Augen führt, wird deutlich, dass nicht nur kein Pina-Bausch-Stück wie das andere ist, sondern auch jeder Redner eigene Akzente setzt. NRW-Kulturministerin Ute Schäfer liest eine vorbereitete Rede ab, Wuppertals Bürgermeisterin Ursula Schulz spricht frei und aus ganzem Herzen. Sie vertritt den Oberbürgermeister: Peter Jung sei in Paris — wo das Tanztheater derzeit auftrete.

„Sie glauben gar nicht, was für ein beglückendes und befreiendes Gefühl es ist, an diesem Tisch zu sitzen“, erklärt Kulturdezernent Matthias Nocke. „Als Pina Bausch vor vier Jahren starb, war nicht absehbar, wie bewegend die folgenden Jahre werden würden.“ Bewegend soll vor allem auch die Fest-Spielzeit sein. Am Ende der Pressekonferenz gibt es zwar keine Musik (vom Band) mehr, dafür sollen bald Live-Konzerte stattfinden, die beweisen, dass zum Tanz eben auch Musik gehört (siehe Kasten).

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