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Künstliche Intelligenz soll Kommunikation von Fahrzeugen ermöglichen

Straßenverkehr : 4,2 Millionen Euro gegen dicke Luft

Schlaue Ampeln, grüne Welle: Der Bundesverkehrsminister fördert neun Projekte zur Lenkung des Verkehrs auf den Wuppertaler Straßen.

Rolf-Peter Kalmbach, Abteilungsleiter der Straßenverkehrstechnik der Stadt Wuppertal, wird demnächst Gäste aus Hamburg begrüßen. Die wollen sich Wuppertals hochmoderne Systeme für Verkehrssteuerung und Verkehrsmanagement anschauen. Eventuell werden die Hamburger in zwei Jahren wiederkommen, denn bis dahin will die Stadt Wuppertal neun Pilotprojekte umgesetzt haben, die Verkehrsmanagement in Echtzeit bieten. Künstliche Intelligenz an fast jeder Straßenecke, Kommunikation zwischen Fahrzeugen, intelligenten Ampeln und dem zentralen Verkehrsrechner der Stadt – das ist die Vision der Verkehrssteuerung der Zukunft.

Der Stadtrat stimmte am Montag dem Tagesordnungspunkt „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme im Rahmen des Green City Plans“ zu. Der Beschluss dürfte den Ratsmitgliedern nicht schwer gefallen sein, denn das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert neun Einzelprojekte mit insgesamt 4,2 Millionen Euro.

Verkehrsprognosen zu stellen, ist nach Einschätzung von Rolf-Peter Kalmbach kein Hexenwerk. „Zu 80 Prozent können wir vorhersagen, wie der Verkehr an jedem dritten Mittwoch im Mai in Wuppertal laufen wird – sieht man einmal von Tagen mit extremer Witterung ab. Es geht um die restlichen 20 Prozent, für die wir die richtigen Schlüsse ziehen müssen“, sagt Kalmbach. Dass die B 7 im Alltagsverkehr bis auf kürzere Stopps für die Autofahrer praktisch staufrei ist, sei nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis der guten Infrastruktur und der damit verbundenen Steuerung von Ampelanlagen.

„Wir machen in Wuppertal etwas Innovatives, weil wir die technischen Möglichkeiten dafür haben“, sagte Prof. Anton Kummert von der Bergischen Universität am Sonntag im Rahmen der 4. WZ-Autoschau auf dem Campus Grifflenberg. Lob gab es während einer Podiumsdiskussion zum Thema digitale Mobilität von den Experten für den technischen Standard der Verkehrslenkung in Wuppertal. Die Infrastrutur gilt als vorbildlich für viele andere Großstädte in Deutschland.

Umweltbelastung wird in Echtzeit dem Verkehrsrechner gemeldet

Die neun Projekte im Green City Plan sollen auf die bestehende Technik aufbauen. Geplant sind zum Beispiel zehn Messstationen im Stadtgebiet, die Belastungen durch Abgase messen und die Ergebnisse in Echtzeit an den Zentralrechner weitergeben. Der Verkehr würde umgelenkt, was die bessere Alternative zu dauerhaften Fahrverboten für bestimmte Straßen ist. Dieselfahrverbote, wie sie in einigen Städten bereits verhängt worden sind, verlagern zumeist nur das Problem auf Schleichwege und Umgehungsstraßen.

Lernfähige Ampelanlagen, die Überwachung des Parkraums durch Sensoren, die dann freie Parkplätze dem Zentralrechner melden, der sieüber eine App dem Autofahrer anbietet – das sind wie auch die Optimierung der Grünen Welle ganz konkrete Projekte, die in Angriff genommen werden.

Bis 2030 – so die Experten – wird das autonome Fahren enorm an Akzeptanz gewonnen haben. Die Voraussetzungen werden in Wuppertal durch das Projekt „car2x“ geschaffen. Der Sicherheitsaspekt spielt dabei die entscheidende Rolle. Andreas Braasch, Geschäftsführer des Instituts für Qualitäts- und Zuverlässigkeitsmanagement, wies in der Expertenrunde am Sonntag darauf hin, dass im Stadtbetrieb in hochkomplexen Situationen wie an einer mit Ampeln gesteuerten Kreuzung Kameras an den Fahrzeugen allein nicht ausreichen. „Denken Sie daran, wie sie sich schon heute an so mancher Kreuzung den Kopf verrenken müssen, um die Ampel zu sehen. Es wird erforderlich sein, dass autonome Fahrzeuge zusätzlich Signale austauschen und die Ampel sicher erkennbare Signale zum Auto in Echtzeit sendet. Gesamtgesellschaftlich wird das autonome Fahren die Sicherheit erhöhen“, sagt Andreas Braasch.