Kritik: Einige Wuppertaler Erstis können sich nicht benehmen

Ärger im Luisenviertel : Einige Wuppertaler Erstis können sich nicht benehmen

In Wuppertal sorgt das Verhalten einiger Studierenden während der sogenannten „Welcome Week“ für Ärger. Die IG Luisenstraße kritisiert die Sportler-Fachschaft.

Ruhestörungen, auch mit einem Megafon, sowie Trinkspiele auf offener Straße: Vor zwei Jahren habe die Lautstärke der „Erstis“ genannten Erstsemester während der „Welcome-Week“ ihren Höhepunkt erreicht, sagte Frank Stausberg vor der diesjährigen Einführungswoche für Studierende. Der Inhaber des „Beatzundkekse“ hoffte nach einem vergleichsweise ruhigen 2018, dass es nun noch etwas leiser wird. In und um sein Lokal herum habe es jetzt auch keine Probleme gegeben, zog er Bilanz. Auch eine Anwohnerin befand die ersten beiden Tage als ruhiger als in früheren Jahren.

Beschwerden gab es allerdings in der Mitte der Luisenstraße. So erklärte Jörg Eckhardt Kuznik, dass sich dort die Sport-Fachschaft mal wieder „nicht sozial kompatibel“ verhalten habe. Andere Fachschaften hätten dies durchaus geschafft, betonte der Vorsitzende der IG Luisenstraße.

Asta spricht von Einzelpersonen, die sich nicht benehmen können

Laut Angaben der Anwohner habe man bis 0.30 Uhr die Sportler gehört, die Trinkspiele veranstaltet und Fußballgesänge gegrölt hätten. Zum Beispiel sei auch immer wieder ein lautes „Huh“ im Kollektiv erklungen. „Das ist natürlich für sozial engagierte Menschen, von denen viele im Luisenviertel leben, eine Belastung“, sagt Kuznik. „Denn die haben eben oft keine geregelten Arbeitszeiten und müssen oft in aller Frühe aufstehen“, sagt er. Die Sportler-Fachschaft sei auch an den Vorfällen vor zwei Jahren beteiligt gewesen.

Diesmal sorgte diese auch für Ärger im Cafe du Congo. So seien Tische von der Fachschaft reserviert worden, aber dann sei ohne Abmeldung gar keiner gekommen, berichtet Kellner Adrian Lange. „Das ist natürlich in unseren kleinen Räumlichkeiten schlecht für das Geschäft, wenn wir die Plätze nicht besetzen können“, beklagt er. Anja Stratmann, Kellnerin im Cafe Luise, haderte außerdem mit dem zahlreichen Glasmüll, den die „Erstis“ im Viertel hinterlassen hätten, auch vor Kneipen und den Schaufenstern der Geschäfte.

Anton Monse, der jetzt mit dem Sport-Studium an der bergischen Universität beginnt, erklärt indes, er habe von solchen Lärmbelästigungen seiner Fachschaft nichts mitbekommen. Er spricht zwar von Beschwerden einiger Anwohner, allerdings habe man sich dann sofort entschuldigt. „Wir haben versucht, so gut es geht, Rücksicht zu nehmen, aber es ist natürlich schwer, die Lautstärke auf null zu halten“, sagt er und erklärt zudem, dass sie sich gar nicht so lange im Viertel aufgehalten hätten – weil es organisierte Partys etwa im U-Club gegeben habe.

Monse ist die Welcome-Week wichtig, um die anderen Studenten kennenzulernen, sich auszutauschen. Asta-Vorstand Soufian Goudi erklärt zudem, dass viele ja das erste Mal in Wuppertal sind und etwa bei Stadtrallyes die Stadt, aber auch die Kneipenszene kennenlernen wollen.

Das sieht auch Ruben Zarpentin so: „Die Fachschaften wollen den Erstsemestern ja auch einen schönen Einblick in das Wuppertaler Nachtleben geben“, meint der Vorsitzende der Fachschaftsrätekonferenz und fügt hinzu: „Sie geben den Erstis auch immer Anweisungen, wie sie sich zu verhalten haben. Das Problem liegt meiner Ansicht nach eher bei Einzelpersonen, die sich nicht benehmen können.“

IG Luisenstraße hält runden Tisch nicht für eine Lösung

Goudi schlägt aufgrund der Beschwerden einen runden Tisch vor. Ein Zusammensetzen mit allen Beteiligten, also Anwohnern, Wirten, Asta, Fachschaften, Kommunalpolitikern und der IG Luisenstraße. Frank Stausberg sieht das kritisch. Er ist der Ansicht, dass Einzelgespräche mit zu lauten Studenten sinnvoller sind und dass ein Gespräch nicht die „Störenfriede“ verstummen lasse. „Vor allem bei etwa 1,5 Promille lässt sich eh niemand mehr ruhig halten“, sagt er. Jörg-Eckhardt Kuznik hält Goudis Idee ebenfalls für nicht erfolgversprechend, da es aus seiner Sicht eben immer diese eine Gruppe sei, die stört.

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