Kritik an Falschparkern am Wuppertaler Wall wächst

Umfrage : Kritik an Falschparkern wächst

Polizei kontrolliert am Wall, ob neue Radspur freigehalten wird.

Seit Ende vergangener Woche gibt es auf dem Wall in Elberfeld eine mit Pfeilen und Fahrrad-Piktogrammen gekennzeichnete Radspur, die von Nord nach Süd, nämlich aus Richtung Nordbahntrasse bis zum Ende des Walls, Kreuzung Schlossbleiche führt und demnächst bis zur Südstraße verlängert werden soll. Für die Radfahrer eine sicherlich feine Sache, doch in der Praxis sieht „Freie Fahrt“ anders aus. Denn die Spur, die den Stahlrössern vorbehalten sein soll, wird nach wie vor als Parkstreifen missbraucht und nötigt die Radfahrerinnen und Radfahrer dazu, die Parksünder elegant zu umfahren und zu diesem Zweck auf die Fahrbahn mit den entgegen kommenden Bussen und PKW auszuweichen oder zum Ärger der Fußgänger über den Bürgersteig zu fahren.

Wie sind die Reaktionen der Betroffenen? Schimpfen, Proteste, Resignation? Wird regelmäßig kontrolliert? Welche Begründungen haben die Parksünder? Am WZ-Mobil auf dem Wall, Höhe Fußgängerstraße Mäuerchen, sind wir diesen Fragen bei eher fahrradunfreundlichem Wetter nachgegangen.

Schnell wird klar, dass sich die meisten der Fahrer verbotswidrig parkender Autos ihrer Übertretung bewusst sind. „Ja, wo soll ich denn parken? In die Fußgängerzone darf ich ja auch nicht rein“ klagte ein Pizzabote; der „mal eben“ seine heiße Fracht abgeliefert hatte.

Ein anderes Auto, dessen Fahrer nur lässig abgewinkt hatte, als er auf die Fahrradspur aufmerksam gemacht wurde, schoss blitzartig davon, als ein Einsatzfahrzeug der Polizei ihn mahnend anhupte. Ein wartender Geldtransporter aus Freiburg blieb zunächst auf dem Fahrradstreifen stehen, zog es aber angesichts einer herannahenden Polizeistreife vor, als „kleineres Übel“ lieber einem Taxi den Parkplatz auf der gegenüberliegenden Seite zu blockieren.

Ein Arzneimittel-Bote kam nicht so billig davon. Sein Auto wurde fotografiert, und er dürfte demnächst Post bekommen.

„Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass jetzt noch auf dem Fahrradweg geparkt wird. Es ist seit langem bekannt, und die Beschilderung ist doch eindeutig“, schimpfte Dieter Bünz, der gerade einem parkenden Fahrzeug ausgewichen war. „Die Pfeile und das Fahrradsymbol sind doch deutlich zu erkennen.“

„Ich hatte mich so gefreut, als ich hörte, dass es jetzt auf dem Wall eine eigene Radspur geben würde, aber leider ist die zu oft zugeparkt. Vor allem am Samstag ist es schlimm“, stellte Julian Rautenberg verärgert fest.

Und das bestätigte auch eine Mitarbeiterin der Stadtreinigung: „Ich komme jeden Tag hierher, und Sie müssten mal zwischen 11 und 13 Uhr hier sein. Dann stehen hier die Autos hintereinander“, berichtete die Dame in Orange.

Das Phänomen des hintereinander Parkens erklärte ein Streifenbeamter der Polizei so: „Da stellt sich einer auf das Piktogramm oder den Pfeil, verdeckt die Symbole, und die anderen sehen das nicht, folgen dem schlechten Beispiel und stellen sich dahinter.“

„Wenn die Falschparker das in ihrer Geldbörse spüren, dann werden die sich ganz schnell an den neuen Fahrradstreifen gewöhnen“, prognostiziert Elberfelds Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Vitenius und setzt auf aufmerksame Kontrollen.