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Krisenstab bereitet Wuppertal auf das Corona-Virus vor

75 Betten stehen bereit : Krisenstab bereitet Wuppertal auf das Corona-Virus vor

In verschiedenen Krankenhäusern stehen im Notfall 75 Betten sofort zur Verfügung.

Was passiert, wenn in Wuppertal ein Patient am Corona-Virus erkrankt? Mit dieser Frage hat sich die Stadt Wuppertal schon vor dem chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar beschäftigt und ihren Krisenstab aktiviert, der zuletzt vor allem bei Stürmen wie Sabine und Kyrill zum Einsatz kam. In Gesprächen mit den Krankenhäusern, der Feuerwehr und den privaten Rettungsdiensten wurde von der Stadt die Einsatzkette für den Fall festgelegt, dass die Lungenkrankheit auch in Wuppertal bei einem Patienten festgestellt wird oder ein konkreter Verdacht besteht. 75 Quarantäne-Plätze und geschultes Personal für die spezielle intensive medizinische Betreuung würden nach Angaben des Gesundheitsamtes sofort zur Verfügung stehen. Weitere Kapazitäten in Quarantänestationen könnten bei Bedarf geschaffen werden.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums ordnete am Montag die Gefahr für die Bevölkerung trotz des Ausbruchs der Epidemie in Norditalien als „hierzulande aktuell gering“ ein. Diese Einschätzung könne sich aber kurzfristig ändern, heißt es weiter. Und genau darauf will die Stadt vorbereitet sein. „Daher hat es die erste vorbereitende Besprechung mit den Geschäftsführern und Chefärzten der Krankenhäuser, mit der Feuerwehr und den privaten Rettungsdiensten bereits vor dem ersten bestätigten Fall in Deutschland gegeben. Ich denke, wir sind gut aufgestellt“, sagt Stadtdirektor Johannes Slawig, der den Krisenstab sofort einberufen würde, sollte sich ein erster Verdachtsfall bestätigen. Für den Krisenstab ist im Rathaus Barmen ein spezielles Sitzungszimmer eingerichtet.

Quarantäne-Stationen können schnell eingerichtet werden

Dass der Krisenstab in Wuppertal zum Einsatz kommen wird, ist aufgrund des bisherigen Verlaufs der Pandemie alles andere als unwahrscheinlich. Das Covid-19-Virus kann auch von Menschen übertragen werden, die keinerlei Symptome aufweisen. „Was wir gerade in Italien erfahren haben, hätte genauso in Deutschland passieren können“, sagt Matthias Buntrock-Schweer, Abteilungsleiter Infektions- und Umwelthygiene beim Gesundheitsamt Wuppertal. Es sei eine Frage der Zeit, bis das Virus seine Eigenschaften verändere, um auch in Wuppertal anzukommen. Das Corona-Virus sei nicht so variabel wie das Influenza-Virus, könne sich im Verlauf der Epidemie in seiner Gefährlichkeit aber abschwächen oder noch bedrohlicher werden.

Über die 75 Betten hinaus seien die Wuppertaler Krankenhäuser in der Lage, eine weitaus höhere Zahl von infizierten Patienten aufzunehmen. „Es gibt noch weitere Mechanismen, die uns zur Verfügung stehen. So können relativ schnell zusätzliche Quarantäne-Stationen eingerichtet werden mit einer Erhöhung der Betten-Kapazität. Das hätte aber zur Folge, dass andere Eingriffe verschoben werden müssten, die nicht dringend erforderlich sind, wie zum Beispiel Hüft-Operationen“, sagt Buntrock-Schweer.

Ziel der Gesundheits-Experten ist es, Zeit zu gewinnen. „Wenn die Menschen im Frühjahr wieder mehr an der frischen Luft sind, ist die Ansteckungsgefahr nicht mehr ganz so groß. Ansonsten gelten die üblichen Verhaltenstipps, die auch bei der Eindämmung des Influenza-Virus hilfreich sind: Hände waschen, Hände schütteln vermeiden, in die Armbeuge husten und die Schleimhäute im Mund-, Nase- und Rachenraum befeuchten.

Was den Vergleich der Gefährlichkeit des Corona-Virus mit dem Influenza-Virus angeht, hält sich der Experte zurück. Es wird statistisch nicht erfasst, welche Todesfälle direkte Folge des Influenza-Virus’ sind, oder wo bereits gravierende Grunderkrankungen vorliegen. Daher sei die sogenannte Übersterblichkeit in Influenza-Phasen ein wichtiger Hinweis.

Im Winter 2016/2017 lag die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit der Virus-Grippe über dem „normalen“ statistischen Wert bundesweit bei rund 25 000. Dass immer noch viele Menschen auf die Grippe-Schutzimpfung verzichten, beruhe auf einem gewissen Gewöhnungseffekt. „Was man zu kennen glaubt, fürchtet man offensichtlich nicht so sehr wie das Unbekannte“, sagt Buntrock-Schweer.