1. NRW
  2. Wuppertal

Kriegsende: Vom Feind zum Wuppertaler

Kriegsende: Vom Feind zum Wuppertaler

Vor 65 Jahren endete in Wuppertal der Zweite Weltkrieg. Zeitzeuge Wolf Harasch kämpfte damals gegen die Deutschen.

Wuppertal. Pro Patria. Die lateinische Formel klingt allemal unverfänglicher als ihre deutsche Übersetzung. Denn der Ruf "für das Vaterland" hat nun mal im Laufe mehrerer Kriege Unheil über die Welt gebracht. Vor genau 65 Jahren, am 15./16. April 1945, setzten Truppen der US-Army dem Nazi-Schrecken in Wuppertal ein Ende. Dieser Befreiung der Stadt galt am Donnerstag eine Gedenkfeier im Rathaus, zu der sich auch Veteranen der Roten Armee einfanden.

Die imposante Galerie von Ehrenzeichen am Jackett ließ äußerlich darauf schließen, dass die ehemaligen Rotarmisten ein anderes Kriegsverständnis pflegen. So bestätigt Wolf Harasch, der in Moskau lebte, bis er 1998 seiner Tochter nach Wuppertal folgte, dass sein Bild der Deutschen über Jahrzehnte von den Kriegseindrücken geprägt war. Vom ersten bis zum letzten Tag des Krieges habe er gegen Deutschland gekämpft und die Dinge damals völlig unkritisch betrachtet - so, wie Diktator Stalin sie darstellte.

Erst in Wuppertal habe er hautnah nachvollziehen können, dass er nicht gegen das deutsche Volk, sondern gegen die Faschisten gekämpft hatte. Die erste Zeit in Wuppertal sei extrem schwer gewesen. Von Moskau kam Harasch in eine ungleich kleinere Stadt, in der er die Sprache nicht verstand, in der er sich "mental und moralisch neu orientieren" musste, um ein stimmigeres Kriegsverständnis zu entwickeln.

Inzwischen sei er mit vielen Deutschen befreundet, habe die schönen Seiten Wuppertals schätzen gelernt und verstanden, dass die Menschen selbst Opfer der Regierungsmacht waren. Für einen Club in Wuppertal lebender Veteranen innerhalb der jüdischen Kultusgemeinde ist Harasch Sprecher und Vorstand und bemüht sich als solcher um die Völkerverständigung.