Kreuzkirche Wuppertal: „Eine Mischung aus Spielwiese und Problemlösungswerkstatt“

Wuppertal : Eine Kirche wird zur Spielwiese

Der Vorsitzende der Initiative Kreuzkirche spricht über mögliche Nutzungskonzepte.

. 2017 hatte die Diakonie angekündigt, sich aus Kostengründen von der Kreuzkirche an der Friedrichstraße zu trennen – und damit Proteste ausgelöst. Im Quartier regte sich erst Widerstand, dann gründete sich eine Initiative. Mittlerweile hat sich daraus ein Verein entwickelt. Wir sprachen mit Holger Kreft, dem Vorsitzenden, über die Zukunft der Kreuzkirche.

Sie sind in Wuppertal als Mit-Initiator des „Lernorts“, einer Mischung aus Denkfabrik, freiem Kolleg, Künstleratelier und Projektwerkstatt an der Stadtgrenze zu Neviges aktiv. Bei der Kreuzkirche sind Sie noch gar nicht so lange mit an Bord. Wie kam der Kontakt zustande?

Holger Kreft: Die Initiative hatte mich angesprochen, weil sie ähnliche Ideen für die Kreuzkirche hatte.

Und schwupps ist man Vereinsvorsitzender?

Kreft: (lacht) Ja, das kam dann für mich auch überraschend. Aber für dieses Projekt setze ich mich gerne ein.

Was ist denn in der Kreuzkirche geplant?

Kreft: Es gibt viele Ideen, wir arbeiten dazu mit der Diakonie, dem Eigentümer der Kirche, und der Stadt zusammen. Vieles ist aber noch nicht spruchreif. Wir wollen Quartiersarbeit leisten, die Menschen dazu bringen, ihre Potenziale abzurufen. Die Kirche soll dabei ein Ort der Begegnung sein.

Das klingt sehr theoretisch. Wie soll es in der Praxis aussehen?

Kreft: Es gibt ja schon verschiedene Nutzungen, etwa für Veranstaltungen rund um das Schüler-Rock-Festival oder durch den Verein Hand in Hand – Kontaktpersonen für Geflüchtete. Die Stadtmission bietet außerdem dreimal in der Woche einen Mittagstisch für Bedürftige und eine allgemeine Sozialberatung an, zum Mittagsgebet wird eingeladen. Aktuell läuft zum Beispiel ein Kinder-Theater-Projekt. Bis zu 25  Kinder sind bei „Künste öffnen Welten“ dabei. Das läuft in Kooperation mit der Alten Feuerwache und der Projektfabrik Witten. Dazu gibt es auch Fördermittel.

Ein gutes Stichwort: Denn auch wenn der Verkauf der Kirche vom Tisch ist, im Raum stehen alleine gut 30000 Euro Unterhalt für das Gebäude pro Jahr. Der Grund, weshalb sich die Diakonie eigentlich von der Immobilie trennen wollte. Wie sollen die Kosten in Zukunft gestemmt werden?

Kreft: Wir müssen die Finanzierung auf mehrere Füße stellen. Und bestimmte Nutzungen müssen auch kosten, das ist keine Frage. Dazu suchen wir gemeinsam mit der Diakonie auch noch andere Fördertöpfe. Das wird eine Herausforderung. Wir wollen uns aber nicht total festlegen. Ziel soll keine „Kulturkirche“ mit einem komplett festen Programm sein. Wir wollen schon noch freie Zeitfenster behalten, zum Beispiel für Vereine aus dem Quartier. Auch Politik-Veranstaltungen sollen möglich sein. Wir wollen das offen gestalten.

Das klingt, als ob Sie für so ein Konzept aber noch Zeit benötigen?

Kreft: Ja, und ich weiß, dass das ein Denken ist, das viele noch nicht verinnerlicht haben. Uns ist die Prozesshaftigkeit wichtig und nicht so sehr die Zeit. Aber es gibt einen gewissen Erwartungsdruck von außen.

Für Sie nachvollziehbar?

Kreft: Dass einige Leute skeptisch sind, können wir verstehen. Aber wir als Verein sind bereit, mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen. Wir denken groß: Unsere Gesellschaft braucht Veränderungen und Raum für solche Experimente. Das versuchen wir auch unseren Gesprächspartnern zu vermitteln. Wir wollen das Quartier voran- und zusammenbringen. Um ein Bild dafür zu finden: Die Kirche soll eine Mischung aus Spielwiese und Problemlösungswerkstatt werden.

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