Krankenhausseelsorge soll Patienten stark machen

Kirche in Wuppertal : Seelsorge soll Patienten trösten und stärken

Pfarrer Reiner Nieswandt und sein Team sind Ansprechpartner für Kranke und Pfleger.

Wer im Krankenhaus liegt, vielleicht sogar mit einer schweren Krankheit, kann Trost gebrauchen. Eine Möglichkeit dafür ist die christliche Seelsorge. Der katholische Pfarrer Reiner Nieswandt leitet seit Mitte März die Katholische Krankenhausseelsorge in Wuppertal. „Das ist ein wertvoller Dienst, weil wir das wertvollste schenken, das wir können: Zeit“, sagt Reiner Nieswandt. Geduldig und ruhig hört er den Patienten eine halbe oder ganze Stunde zu, lässt sich Sorgen und Nöte schildern. Sieben weitere Pfarrer, Pastoralreferenten und Ordensschwestern gehören zu seinem Team, das alle Krankenhäuser besucht. „Die indischen Ordensschwestern sind auch ausgebildete Krankenschwestern – sie wissen, was diese Arbeit für die Mitarbeiter bedeutet“, nennt der Pfarrer die Vorteile seines diversen Teams.

Die Seelsorger kümmern sich um Kranke und Sterbende ebenso wie um deren Angehörige und die Menschen, die im Krankenhaus arbeiten.

Krankensalbung kann jedem Patienten neue Kraft schenken

Eine wichtige Rolle spielt das Sakrament der Krankensalbung: „Es geht darum, ein Zeichen der Stärkung zu geben, des Heil-Seins und der Tröstung“, erklärt Reiner Nieswandt. „Damit habe ich als Priester sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Selbst Menschen, die nicht kirchlich gebunden sind, erhalten durch diese Ölung neue Kraft. „Sie eignet sich für jeden, der an einer schweren Krankheit leidet oder eine psychische Schwäche hat, auch vor schweren Operationen“, sagt der Pfarrer. Immer wieder erlebt er tiefe und helfende Gespräche mit Menschen unterschiedlicher Konfession.

Groß ist das Bedürfnis für solche Kontakte, wenn die Patienten die Diagnose einer schlimmen oder unheilbaren Krankheit erhalten. Dann können solche Gespräche helfen, die Diagnose zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln. „Es geht auch darum, dass sich die Menschen nicht ausgeliefert fühlen“, erklärt Reiner Nieswandt. Er versucht, den Leuten mögliches Veränderungspotenzial zu zeigen, etwa, wie sie liebevoll mit sich umgehen können trotz der Krankheit. Wenn das Ende absehbar ist, wollen viele seiner Dialogpartner auch über Dinge sprechen, die in ihrem Leben schief gelaufen sind: „Da geht es dann um die Frage: Wo habe ich mich behindern lassen an einem guten Leben?“

Bei den Angehörigen steht außer der Sorge um die Gesundheit der Lieben oft die Frage im Raum, wie es zu Hause weitergehen soll – mit einem pflegebedürftigen Ehepartner, nach dem Tod eines Verwandten oder mit einem chronisch kranken Kind. Und die Mitarbeiter der Krankenhäuser kommen mit all ihren täglichen Problemen zum Seelsorge-Team. Wer den Kontakt zu einem Seelsorger wünscht, kann sich an das Pflegepersonal wenden.

Dabei haben die Pfarrer und Ordensleute große Nachwuchs-Sorgen. Denn immer weniger junge Menschen wollen Theologie studieren. Deshalb sieht Reiner Nieswandt auf lange Sicht Schwierigkeiten, die Krankenhausseelsorge in ihrem jetzigen Maß aufrecht zu erhalten.

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