Krankenhäuser: Wuppertal gegen Kürzung

Gesundheit : Krankenhäuser: Stadt gegen Kürzung

Kliniken sehen eine Reduzierung kritisch — und widersprechen der Bertelsmann-Studie

„Es gibt zu viele Kliniken in Deutschland.“ Diese Aussage einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat zu vielen Diskussionen geführt. Gilt das auch für Wuppertal? „Nein“, sagt Stadtdirektor und Kämmerer Johannes Slawig (CDU), der auch für die Stadt im Aufsichtsrat der Helios-Klinik sitzt. Auch Ute Wenzel, Leiterin des Gesundheitsamts, hält Kürzungen nicht für sinnvoll.

Die Studie empfiehlt mehr große spezialisierte Kliniken als viele kleine. Mit weniger Kliniken sei eine bessere Versorgung möglich, ohne dass Patienten im Schnitt weiter fahren müssen. Es gibt aber auch Kritik. So weist die Krankenhausgesellschaft NRW darauf hin, dass für einen solchen Umbau der Krankenhauslandschaft das Geld, Bauland und rechtliche Voraussetzungen fehlen.

Wuppertal hat aktuell drei große Krankenhäuser oder -verbünde: das Helios-Klinikum in Barmen mit dem Herzzentrum am Arrenberg, den Klinikverbund St. Antonius und St. Josef (Petrus-Krankenhaus, Krankenhaus St. Josef, St. Anna-Klinik) und das Agaplesion Bethesda-Krankenhaus in Elberfeld. Alle drei investieren kräftig.

Geschlossen wurden in den letzten Jahren das Krankenhaus Staubenthaler Straße (1978), das Krankenhaus Marienheim auf der Hardt (2003) und die Landesfrauenklinik an der Vogelsangstraße (2015 von Helios übernommen, 2016 nach Barmen verlegt).

Auf diesen Abbau von Kapazitäten verweist Johannes Slawig: „Nicht jedes Krankenhaus hat alles.“ Zwar gebe es zwei Herzzentren, aber sie seien unterschiedlich ausgerichtet. Andererseits gehöre auch der Wettbewerb der Häuser dazu.

Und er betont: „Wir sind ein Oberzentrum. Das Einzugsgebiet der Krankenhäuser reicht über die Stadtgrenzen hinaus.“ Krankenhäuser seien für Wuppertal eher ein „Wachstumsthema“. Aber schon jetzt seien die Häuser in Wuppertal groß genug, um Investitionen zu tätigen und hochqualifizierte Fachkräfte anzuziehen.

Auch Dr. Ute Wenzel, Leiterin des Gesundheitsamts, sagt: „Ich könnte mir keine weitere Reduzierung vorstellen.“ Sie hält die derzeitige Aufteilung der Krankenhäuser in der langgezogenen Stadt für optimal: „Wir haben zwei Krankenhäuser in Elberfeld und zwei in Barmen.“ Es gebe zum Beispiel zwei Geburtsstationen, ebenfalls verteilt auf Elberfeld und Barmen: „Wir sind gut aufgestellt.“

Unterschiedliche Meinungen
bei den Wuppertaler Kliniken

Die Wuppertaler Kliniken reagieren unterschiedlich auf die Studie. Das Bethesda-Krankenhaus betont seine breite Kooperationen: „Es ist ein Vorteil, dass durch die vermehrte Vernetzung zwischen Krankenhausträgern sowie in dem stationären und ambulanten Bereich eine herausragende Behandlungsqualität auch dann gewährleistet werden kann, wenn das entsprechende Spezialgebiet im eigenen Haus selbst nicht vorgehalten wird.“ Man sehe sich als regionaler Gesundheitsversorger mit überregionalen Schwerpunkten, kooperiere mit den Uni-Kliniken Aachen und Essen, der Wuppertaler Helios Klinik sowie dem Klinikverbund St. Antonius und St. Josef.

Im Klinikverbund St. Antonius und St. Josef sieht man die Studie als „Denkanstoß“, verweist aber auch auf die Kritik der Krankenhausgesellschaft NRW. Man betont, dass die Häuser des Verbunds miteinander kooperieren und die Fachbereiche interdisziplinär in Zentren zusammenarbeiten. Dadurch „können wir Kompetenzen bündeln, unsere Versorgungsqualität steigern sowie Abläufe verbessern“.

Das Unternehmen Helios, das 86 Kliniken in Deutschland betreibt, unterstützt die Aussage der Studie. Der Medizinische Geschäftsführer von Helios, Prof. Andreas Meier-Hellmann, erklärt: „Schon seit einigen Jahren konzentrieren wir uns darauf, komplexe operative Eingriffe an einzelnen Kliniken zu bündeln, anstatt sie flächendeckend anzubieten.“

Der Medizinische Geschäftsführer der Helios Region West, Prof. Rudolf Leuwer, ergänzt, in NRW verfolge Helios seit 2017 „den Weg der konsequenten Zentralisierung und Spezialisierung“. So könne die Therapie am Standort mit der bestmöglichen medizinischen Qualität erfolgen, der Patient kehre nach der Spezialbehandlung ins heimatnahe Umfeld zurück.

Die Krankenkasse Barmer Ersatzkasse will sich nicht konkret zu Wuppertal äußern. Sprecher Andreas Reinwand betont nur: „Oberste Maxime ist die Patientensicherheit.“ Man müsse eine bestmögliche Versorgung in zumutbarer Entfernung sicherstellen.

Auch Susanne Kloeppel-Wirth von der Barmenia Krankenversicherung spricht allgemein: „Die bestmögliche Versorgung und Betreuung für die Versicherten“ stehe für die Barmenia an oberster Stelle.

„Nur wenn in einem Krankenhaus eine bestimmte Mindestzahl an Behandlungen und Operationen erbracht wird, kann eine gleichbleibend gute Qualität bei den Ergebnissen erzielt werden. Das sollte die Grundlage für die bundesweite Krankenhausplanung sein und gilt natürlich genauso auch für Wuppertal.“