Wuppertaler Kultur: Konzert in der Stadthalle: Quicklebendige Klänge aus Lateinamerika

Wuppertaler Kultur: Konzert in der Stadthalle: Quicklebendige Klänge aus Lateinamerika

Das begeisterte Publikum feierte die Musiker beim 8. Sinfoniekonzert in der Stadthalle.

Wuppertal. Vor ein paar Tagen lagen auf den Pulten des Sinfonieorchesters Wuppertal Filmmusiken aus Hollywood (die WZ berichtete). Für sein achtes Sinfoniekonzert im Großen Saal der Stadthalle ließ man sich erneut Noten vom Doppelkontinent über den Großen Teich schippern. Dieses Mal waren es welche des letzten Jahrhunderts aus Mexiko, Brasilien, Argentinien und Venezuela. Es ging um die Seele und Lebensart Mittel- und Südamerikas.

Und wieder scheute man keine Mühe, dafür einen großen Orchesterapparat auf die Bühne zu bringen. So waren etwa neben dem Pauker sieben weitere Schlagzeuger zu erleben. Das kommt nicht von ungefähr, ist doch Musik aus dieser Region ohne eine ordentliche Rhythmusgruppe kaum vorstellbar.

Dementsprechend ging es auf der Matinee bei herrlichem Frühlingswetter quicklebendig zur Sache. Es waren aber nicht nur die Perkussionisten, die sichtlich Spaß an der Musik hatten. Die bestens disponierten Holz- und Blechbläser sorgten ebenso für gediegene, strahlende Töne wie die Streicher mit ihrem differenzierten, feinen Spiel.

Fein aufeinander abgestimmt waren die Orchestergruppen inklusive Klavier, Celesta und Harfe. Dafür zeichnete die französische Dirigentin Ariane Matiakh verantwortlich. Neben genauen Anweisungen drückte ihr ganzer, tänzelnder Körper auch die musikalischen Emotionen aus, die sich voll auf die Sinfoniker übertrugen.

So geriet das Konzert — abgesehen von der am Anfang des Programms ein wenig zu akademisch wirkenden „Fuga con pajarillo“ von Aldemaro Romero — zu einem ausgelassenen Event. Während der vierteiligen vierten „Bachianas brasileiras“ von Heitor Villa-Lobos konnte man in ein Wechselbad von schönen lyrischen und spritzig rhythmischen Abschnitten eintauchen.

Derb und verwegen ging es bei Alberto Ginasteras „Dances from Estancia“ (Tänze von einer südamerikanischen Rinderfarm) op. 8a zur Sache. Astor Piazollas „Milonga del Ángel“ kam zwar in einer Fas-sung ohne Bandoneon daher. Trotzdem wurde der Tango in seiner ursprünglichen gewandten Art erstklassig zum Ausdruck gebracht. Die Reminiszenzen der alten Maya-Kultur in „La Noche de los Mayas“ von Silvestre Revueltas lebten gekonnt von wuchtigem Schlagwerk und gefühlvollen Passagen. Bei José Pablo Moncayos „Tierra de temporal“ war es ein differenziertes Auf und Ab von Spannung und Entspannung, das faszinierte.

Und last but not least eine erst etwa neun Jahre alte Nummer: „Conga del Fuego Nuevo“ des Zeitgenossen Arturo Márquez. Hier tobten sich die städtischen Musiker noch einmal höchst kultiviert aus. Feurig, schmissig kam der kubanische Volkstanz von der voll besetzten Bühne.

Das Publikum war denn auch ganz aus dem Häuschen und spendete ausgiebig stehende Ovationen. Die Musiker ließen sich nicht zweimal bitten: Eine Chaconne aus der Feder des Mexikaners Carlos Cháves (1899-1978) rundete als Zugabe den gelungenen Vormittag ab.

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