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Konzept steht: Neue Zukunft für die Villa Media in Wuppertal gefunden

Stadtentwicklung : Villa Media wird zum Kindergarten

Jörg Heynkes hat Grundstück und Gebäude nach 22 Jahren verkauft, bleibt mit seiner Firma Entrance Robotics aber am Standort und will die weitere Entwicklung begleiten.

Die Villa Media ist verkauft. Der ehemalige Schlachthof, der in den 1970er Jahren als Kommunikationszentrum „Die Börse“ Karriere machte, wird künftig einen Kindergarten beherbergen. Jörg Heynkes, seit mehr als 22 Jahren Eigentümer des ehemaligen Schlachthofes an der Viehhofstraße und Gründer des Technologie-Parks Villa Media, hat Grundstück und Gebäude verkauft.

Neuer Eigentümer ist das Wuppertaler Unternehmen Kita Concept. Es plant Großes am neuen Firmenstandort. Denn entschieden ist bereits, dass die Firma ihren Sitz von der Hofaue an die Viehhofstraße verlegen wird. „Wir haben drei Jahre nach einem passenden Standort gesucht“, sagte Geschäftsführer David Brabender am Freitag. Das sei in Wuppertal grundsätzlich schwierig. Umso zufriedener sind Brabender und seine Geschäftsführerkollegen, dass es mit der Villa Media funktioniert hat. Dort soll im Laufe des nächsten Jahres nicht nur der neue Firmensitz entstehen, sondern auch ein Kindergarten mit etwa 50 Plätzen. Außerdem will Kita Concept dort die unternehmenseigene Akademie für Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern einrichten. „Das Gebäude ist ideal“, sagte Geschäftsführer Brabender. Es seien ja bereits Seminarräume in Betrieb. Über den Kaufpreis machte das Unternehmen keine Angaben.

Der eigentliche Kindergarten entsteht dort, wo die Wuppertaler früher jeden Donnerstag den Wackeltreff bevölkert haben und wo in den vergangenen Jahren etwa 5000 Hochzeiten gefeiert worden sind. „Wir bauen den großen Saal um und das Untergeschoss“, erklärte Brabender. Das Haus sei in einem guten Zustand, was den Umbau erleichtere.

Kita Concept ist ein Wuppertaler Unternehmen. Brabender und seine Mitgeschäftsführer Tim Seidel, Franz Reinartz sowie Oliver Schweer haben es vor 15 Jahren aus der Universität am Grifflenberg heraus gegründet. Im privaten Umfeld war ihnen aufgefallen, dass es an Plätzen in hochwertigen Kindertagesstätten fehlt. So reifte die Idee, diese Lücke selbst zu schließen. Inzwischen betreiben die Wuppertaler 30 Kindergärten in ganz Deutschland. Zu ihren Kunden zählen Konzerne wie die Deutsche Bahn und Volkswagen. In Wuppertal betreiben sie die Betriebskindergärten unter anderem von Knipex, EDE, Schmersal und der Stadtwerke. Das Unternehmen ist von Beginn an auf Erfolgskurs und verzeichnet Jahr für Jahr ein Wachstum von drei bis fünf Einrichtungen. Insgesamt beschäftigt Kita Conzept 350 Frauen und Männer, 50 davon am Firmensitz an der Hofaue.

Für Jörg Heynkes ist der Verkauf seines unternehmerischen Lebenswerkes die logische Folge der jüngeren Entwicklung. Kern der Villa Media war die Event Location. Ihr hat der Lockdown im Frühjahr dermaßen zugesetzt, dass Heynkes mehr und mehr die Felle schwimmen sah.

Zwei Interessenten haben belastbare Konzepte vorgelegt

„Hätten wir weitergemacht, dann wären wir im Dezember insolvent gewesen“, sagte Heynkes. Deshalb habe er im Juni beschlossen, die Event Location aufzugeben, um sich um eine Nachfolgenutzung zu bemühen. Letztlich habe es zwei Interessenten mit belastbaren Konzepten gegeben.

Dass er sich für Kita Concept entschieden hat, ist für Heynkes auch eine Verbeugung vor dem Standort und vor der Geschichte der Villa Media. Die neue Nutzung empfinde er als einen weiteren Meilenstein der Transformation an diesem Standort. Vom Schlachthof über einen Veranstaltungsbetrieb zum Kindergarten. „Was könnte zukunftsträchtiger sein als die Betreuung von Kindern“, sagte David Brabender. Das Haus werde eine Kita für junge Forscher werden.

Um das zu unterstützen, will Heynkes selbst der Villa Media verbunden bleiben. Einerseits geschehe das in Form von Beratung. Der Gebäudekomplex ist mit hochmoderner, umweltfreundlicher Energietechnik ausgestattet, die erklärt werden will. Zum anderen kündigte er für den Verein Aufbruch am Arrenberg ein neues Projekt im sogenannten Urban Gardening an. Auf dem Gelände der Villa Media soll kurzfristig ein Schiffscontainer aufgestellt werden. „Der wird eine Farm“, erklärte Heynkes. Deren Sinn soll sein, so viel Gemüse zu produzieren, wie sonst auf einem Hektar Ackerland entsteht. „Aber ohne Chemie, alles Bio und mit 95 Prozent weniger Wasserverbrauch.“ Ein Teil der Ernte soll in der Küche des Kindergartens für die jungen Forscher zubereitet werden, mit dem Rest will der Verein ausloten, welchen Preis Wuppertaler für landwirtschaftliche Produkte aus dem Schiffscontainer zu bezahlen bereit sind. Obendrein bleibt Heynkes mit seiner Robotik-Firma Entrance am Standort. „Vielleicht können wir unseren Pepper ja in die Erziehungsarbeit integrieren“, sagte Heynkes.