Konditorei Café Best schließt nach 122 Jahren in Wuppertal

Café : Konditorei Café Best schließt - nach 122 Jahren in Wuppertal

Bald ist für eine der ältesten Konditoreien in Wuppertal Schluss. Zahlreiche prominente Gäste haben das Ladenlokal besucht. Nach einem Umbau soll ein neues Café entstehen.

Die Konditorei Café Best existiert bereits seit 1897 im Mühlenweg in Barmen und ist eine der ältesten Konditoreien in Wuppertal. Nach 122 Jahren Handwerkstradition schließt die Konditorei am 17. Juni. Bereits seit 31 Jahren liegt das Café in der Hand der vierten Generation. Rainer und Anke Reinhardt, geborene Best, haben das Café 1988 von Hans Walter und Inge Best übernommen. „Familienrezepte sind unsere Geheimwaffe“, sagt Anke Reinhardt, die im Familienunternehmen gelernt hat. Ihr Vater sei viel unterwegs gewesen und habe so diverse Rezepte gesammelt.

Willy Millowitsch und Johannes
Rau waren bereits zu Gast

Pro Tag würden etwa 20 verschiedene Torten für die zahlreichen Stammgäste und Kunden hergestellt werden, die sich ausgefallene Torten zu besonderen Anlässen wünschten. Dann gibt es Obst-, Buttercreme- und Sahnetorten. „Weihnachten ist die härteste Zeit. Dann stellen wir ein Vierfaches dessen her, was wir an normalen Tagen produzieren“, sagt Rainer Reinhardt, der als Konditormeister wahre Wunder vollbringt, wie seine Frau sagt. Neben Torten gibt es dann vor allem Zimtsterne, Spekulatius, Printen und Stollen. Von morgens halb sieben bis abends halb sieben steht Rainer Reinhardt in der Backstube und im Geschäft, sieben Tage die Woche. „Unsere selbst gemachten Mandelsplittereier kriegt man in ganz Wuppertal sonst nicht“, erklärt er stolz.

Zahlreiche prominente Gäste haben die Konditorei besucht, darunter Willy Millowitsch, Claus Wilcke und Johannes Rau, diverse Prinzenpaare und Politiker, wie Wuppertals Oberbürgermeister. Das Ehepaar richtete von 1970 bis 1985 jedes Jahr den Geburtstag von Johannes Rau im Engelshaus aus. Dann wurden Geschirr, Weinkisten und Gläser angeschafft und Salate, Kanapees und Suppen vorbereitet. „Die ganze Familie war am Start, das war ein tolles Event“, sagt Anke Reinhardt. Zu jedem Anlass wurde das Gästebuch mitgenommen, sodass sie an jedes Event und jeden Gast eine Erinnerung behalten haben. Ein Fotoalbum dokumentiert ihre besonderen Torten.

In der Konditorei selbst wird auch ein warmer Mittagstisch angeboten. „In Kombination mit süß ist das gar nicht so abwegig“, sagt Anke Reinhardt. Nur sonntags bliebe dafür keine Zeit, da würde der Kuchen im Vordergrund stehen.

Das Café wird nun aus Altersgründen aufgegeben. „Durch die Alleinlage lohnt sich das Geschäft wie nie zuvor“, sagt Rainer Reinhardt. Doch nach fast 50 Jahren Konditorarbeit ohne Wochenenden wollen sich die Inhaber jetzt zur Ruhe setzen. „An den letzten Tag darf ich gar nicht denken. Mir werden die vielen persönlichen Kontakte fehlen“, sagt Anke Reinhardt. Das Café sei sehr familiär. „Das Schöne an dem Beruf ist, dass alles von Hand gemacht wird“, sagt der Konditormeister. So würden vor allem die Kundenwünsche nach Foto-, Buch- oder Herztorten zunehmen. Dass der Beruf ein Handwerk ist, würde oft verloren gehen.

Christel Staubitz trifft sich einmal im Monat im Café Best mit ihren ehemaligen Arbeitskolleginnen. „Hier ist es sehr heimelig und der Kuchen ist wirklich super“, sagt sie. Sie findet es toll, dass sie in so gemütlicher Atmosphäre mit ihren Kolleginnen über alte Zeiten reden kann.

Das Ladenlokal wird aber nicht leerstehen. Nach einer Umbauphase soll ein Café ab August unter neuem Namen eröffnen. „Es ist schön, dass es weitergeht“, sagt Anke Reinhardt. Bis einschließlich 16. Juni ist das Café noch geöffnet.

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