Meinung: Kommentar: Professionell und konsequent

Meinung : Kommentar: Professionell und konsequent

Unter normalen Umständen wäre die Wahl von Matthias Nocke zum Vorsitzendenden des Kreisverbandes der CDU überraschend gewesen, mehr aber auch nicht. Doch die Begleitmusik zu seinem Erfolg gegen Rainer Spiecker macht den Sieg dramatisch.

Der Rücktritt Michael Müllers vom Vorsitz der Ratsfraktion ist ein Paukenschlag. Dabei hatte ausgerechnet der scheidende Fraktionschef die Wahl des Mannes mit seiner harschen Generalkritik begünstigt, den er unter allen Umständen als Parteichef verhindern wollte. Denn auch in der Kooperation mit den Grünen hat Müller sich mit all seiner politischen Erfahrung eingerichtet wie früher in der Zusammenarbeit mit der SPD. An seinem Wort ging in der Fraktion nichts vorbei. Im sogenannten Kernbündnis schluckte Müller hingegen so manche grüne Kröte. Unions-Profil ist in Wuppertals Kommunalpolitik nur sporadisch erkennbar.

Dass es damit nun ein Ende haben soll, hat Nocke in seiner Rede unmissverständlich klargemacht. Die Grünen brauchten niemanden, der ihnen die Bionade-Flaschen öffne, sagte er in seiner Bewerbungsrede. Das war ein Angriff hart an der Grenze zur Gürtellinie und der Tropfen, der bei Müller das Fass zum Überlaufen brachte.

Dennoch ist es bemerkenswert, dass sich ein alter Fahrensmann und gewiefter Kommunalpolitiker wie Müller zu einer solchen Wutrede hinreißen ließ wie am Freitag auf dem Parteitag.

Nun ist das Tischtuch zwischen ihm und Nocke irreparabel zerschnitten. Das wiegt umso schwerer, als Nocke nach seiner eindeutigen Wahl jetzt der starke Mann in der CDU ist. Wenn er die Partei reformieren und auf Kurs Richtung erfolgreiche Kommunalwahl bringen will, dann braucht er dazu aber auch die Fraktion im Stadtrat und einen Fraktionschef, der nicht gegen ihn arbeitet.

Diese Rolle kann Müller nach seinem Auftritt in der Barmer Gesamtschule nicht mehr einnehmen. Er will es auch nicht. Deshalb ist auch sein Rücktritt nicht nur hochprofessionell, sondern auch bemerkenswert konsequent.

Mehr von Westdeutsche Zeitung