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Wuppertal: Kommen Stickoxide von der A46?

Wuppertal : Kommen Stickoxide von der A46?

Verkehrsdezernent Frank Meyer nennt Autobahn als Grund gegen Fahrverbote für Diesel. Experte hält sie dagegen für sinnvoll.

Wuppertal. 100 000 Autos fahren jeden Tag über die A 46 — mitten durch die Wuppertaler Umweltzonen. Denn die Autobahn geht auf einer Länge von 3,1 Kilometern durch die Umweltzone im Westen der Stadt und führt über vier Abfahrten in diese und die zweite Umweltzone in Vohwinkel. Sorgt das für eine Mehrbelastung der Wuppertaler Luft mit Feinstaub und Stickoxiden?

Könnte man annehmen. Allein die Anzahl der Fahrzeuge und die Vorstellung von deren Abgasen lässt einen fast husten — zumal nach Schätzungen ein Drittel aller deutschen Pkw Diesel sind — mal abgesehen von den Lkw, die die Strecke befahren. Denn seit die Rheinbrücke bei Leverkusen gesperrt ist, fahren viele der bis zu 14 000 Lkw, die sonst darüber fahren, über die A 46.

Es gibt also Grund zu der Annahme, die A 46 würde die Luft in Wuppertal beeinflussen. Dabei ist Wuppertal auf einem guten Weg. Die Luftqualität wird besser. Die Bezirksregierung bescheinigt dem ganzen Land sinkende Feinstaubwerte. Die Einführung der Umweltzonen 2009 hat sich gelohnt. Die Verschärfung der Einfahrtsregelungen 2014 auch. Denn seitdem dürfen nur noch Autos mit grüner Plakette in den zwei Zonen fahren — ein Gebiet von 35,34 Quadratkilometern, in dem laut Stadt etwa 194 000 Menschen leben.

Die Belastung mit Stickoxiden wie Stickstoffdioxid ist davon aber ausgenommen. Denn die Messwerte für diese liegen immer noch regelmäßig über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel. Laut Verkehrsdezernent Frank Meyer wurden die Jahresmittelwerte an 17 der 26 Messstellen im Stadtgebiet im Jahr 2016 überschritten.

Meyer macht dafür den Verkehr auf der A 46 mitverantwortlich. In der Diskussion um Fahrverbote für Dieselautos, gründete er seine Ablehnung unter anderem darauf, dass „die Stickoxide nicht an der Leitplanke Halt machen“.

Peter Wiesen, Professor für Physikalische Chemie an der Bergischen Universität, findet die Begründung dagegen zu verkürzt. Er sagt, dass die Immissionen von der Autobahn zwar in den Hintergrund der städtischen Messungen rücke, aber in welchem Maß, sei unklar. Dazu gebe es gerade eine Untersuchung des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW in Leverkusen. Nach Wiesens bisherigem Kenntnisstand verflögen die Immissionen der Autobahn nach ein paar Hundert Metern in den „Hintergrund“.

Dieser bestehe etwa aus Industrieausstößen oder komme durch Brände zustande oder eben durch anderen Verkehr. In Wuppertal macht der Hintergrund laut dem Luftreinhalteplan der Stadt zwischen 28 und 37 Prozent aus. Wie hoch der Stickoxid-Anteil durch die A 46 ist, bleibt Spekulation.

Auch Meyer sagt auf Nachfrage, dass die Immissionsbelastung nicht nur von der Nähe zur A 46 abhängig ist, „sondern von verschiedenen Faktoren wie der zunehmenden Höhe der Autobahn über dem Talgrund und der dadurch bedingten besseren Durchlüftung, der vorherrschenden Windrichtung und auch vom Vorhandensein von Lärmschutzwänden.“ Die Stadt prüft den Einfluss der A 46 auf die Stickoxid—Werte und will im Juni Ergebnisse vorstellen.

Die Belüftungssituation sei generell ein Faktor für die Messung von Stickoxiden, sagt Wiesen. Mit Blick auf die Straßen, an denen die Werte besonders hoch sind — Briller Straße, Steinweg, Westkotter Weg — , sagt Wiesen, das seien alles Nord-Süd-Straßen mit schlechtem Luftaustausch. Das habe natürlich Einfluss auf die Werte.

Der größte Anteil an Stickoxiden in der Luft kommt aber laut dem Luftreinhalteplan von dem an den Stationen liegenden Verkehr. Der Anteil liegt zwischen 22 und 32 Prozent. Wiesen sagt, man könne davon ausgehen, dass diese Immissionen fast alle von Dieselmotoren verursacht würden. Das ließe sich am Ende nur über Gesetze und strenge Regeln für Autobauer regeln, sagt er, übereinstimmend mit Meyer. Dass deswegen aber nicht auch Schwerpunktstraßen für Diesel gesperrt werden könnten — wie in Stuttgart —, findet Wiesen aber nicht. Das sei durchaus eine Möglichkeit. Wiesen warnt aber vor unspezifischen Maßnahmen. Ein Dieselverbot hätte große ökonomische Folgen für Industrie, Firmen und auch die Bürger.

Wiesen sagt, in Fachkreisen gehe man davon aus, dass die Reduktion der Stickoxide noch zehn Jahre dauere. Unterdessen diskutiere man in Europa darüber, die Grenzwerte zu halbieren. Das würde die Belastung der Wuppertaler Luft deutlich erhöhen.