Kommen bald die Wölfe nach Wuppertal?

Natur : „Im Bergischen Städtedreieck würden Wölfe nicht glücklich“

Frank Sonnenburg von der Biologischen Station über die Rückkehr der Tiere.

Herr Sonnenburg, im Oberbergischen Kreis hat ein Wolf Schafe gerissen. Wann kommt der Wolf ins Bergische Städtedreieck?

Frank Sonnenburg: Mit umherstreifenden Einzeltieren kann man heute in allen Teilen des Landes rechnen. Die Tiere sollen mehr als 70 Kilometer pro Tag laufen und sehr große Strecken überwinden können. Oft ist es eher ziellos und dem Zufall überlassen, wo sie dann aufkreuzen. Auf diese Weise geraten Wölfe auch in Areale, in denen man sie noch nicht vermutet hat. Das können auch besiedelte Gebiete sein. Meist geschieht es unbemerkt, wenn ein Wolf möglicherweise auch das Bergische durchstreift. Man merkt es oft erst, wenn ein Tier gerissen wird. Der Wolf ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und sehr scheu.

Gibt es Zahlen darüber, wie viele Wölfe es in NRW gibt?

Sonnenburg: In NRW haben sich einzelne Tiere angesiedelt, die offenbar sesshaft geworden sind. In diesem Fall werden sogenannte „Wolfsgebiete“ offiziell ausgewiesen, so etwa bei Schermbeck und im Bereich Eifel/Hohes Venn. Die Tierhalter vor Ort bekommen dort deshalb mehr finanzielle Unterstützung, etwa um wolfsichere Zäune zu bauen. Bei den Wölfen, bei denen man an Genmaterial kommt, zeigt sich, dass fasst alle Wölfe genetisch bekannt und registriert sind. Wenn ein Beutetier gerissen wird, kann man an der Bisswunde manchmal Speichelreste finden, die die genetischen Informationen tragen.

Hat der Wolf im Bergischen ausreichend Lebensraum?

Sonnenburg: Wenn Wölfe sich in einer Gegend etablieren, bleiben sie in einem bestimmten Areal, machen also nicht mehr diese langen Streckenwanderungen. Ich wünsche den Wölfen, dass sie nicht versuchen, im Bergischen Städtedreieck Fuß zu fassen, denn hier würden sie nicht „glücklich“. Sie wären ständigem Stress ausgesetzt, weil das Gebiet zu dicht besiedelt ist. Konflikte vielfältiger Art wären programmiert. Unsere Region ist nicht weitläufig genug. Im tieferen Bergischen Land gibt es da schon eher Möglichkeiten.

Ist der Wolf gefährlich?

Sonnenburg: Angst vor Wölfen hätte ich persönlich nicht. Es sind extrem scheue Tiere. Der Mensch gehört auch nicht zu ihrem Beuteschema. Ein Fehler ist es aber, zu versuchen, Wölfe anzufüttern oder zutraulich zu machen. Hieraus können sich Wolfsindividuen mit unnatürlich geringer individueller Fluchtdistanz entwickeln. Das sind diejenigen Tiere, die problematisch werden können. Wenn ein Wolf dem Menschen zu nahe kommt, entstehen verständlicherweise Bedrohungsgefühle. Daher empfiehlt es sich eher, einen Wolf im Falle einer Begegnung mit Lärm und Ähnlichem zu verscheuchen, damit dieser seine Scheu vor dem Menschen nicht verliert.

Ist es ein gutes Zeichen für unsere Natur, dass der Wolf zurückkommt?

Sonnenburg: Es ist eher ein Zufall, dass der Wolf wieder zu uns zurückkommt. Dass auch andere wilde Tiere ausgerottet sind oder waren, lag meist an der Verfolgung durch den Menschen. Der Wolf ist eigentlich nicht so anspruchsvoll, was die Lebensräume angeht. Aus der Rückkehr des Wolfes kann man daher nicht den Schluss ziehen, dass die Natur intakt ist. Das gilt übrigens auch für den Biber. Aus den Reliktgebieten heraus, die es noch für die Tiere gab, breiten sie sich nach Einstellung der Verfolgung nun wieder ins Umland aus.

Wann gab es zuletzt Wölfe im Bergischen Land?

Sonnenburg: Die Ausrottung der ursprünglichen Wolfspopulation in Nordrhein-Westfalen erfolgte bereits vor etwa 150 Jahren.

Darf der Wolf geschossen werden?

Sonnenburg: Der Wolf ist als streng geschützte Art eigentlich vom Abschuss ausgeschlossen. Es gibt aber Ausnahmen. So darf ein Wolf geschossen werden, wenn Handlungsbedarf besteht, weil er etwa den Menschen zu nahe gekommen ist.

Sollten Spaziergänger einen Wolf melden?

Sonnenburg: Begegnungen mit dem Wolf kann man auf der Internetseite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz melden. Dort gibt es eine spezielle Melderubrik. Wenn man uns in der Biologischen Station anruft, wird das auch entsprechend weitergegeben. Die Angaben müssten aber schon sehr konkret sein. Foto: dpa

Mehr von Westdeutsche Zeitung