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Kolumne: Kultur in Wuppertal: Jetzt, gemeinsam und wo, wenn nicht hier?

Kolumne : Kultur in Wuppertal: Jetzt, gemeinsam und wo, wenn nicht hier?

„Wann, wenn nicht jetzt?“ hat Uta Atzpodien das Klima-Frühstück beim Festival „under construction“ im Mai 2022 von Bettina Wagner-Bergelt und Stefan Dreher im Schauspielhaus und zukünftigen Pina Bausch Zentrum übertitelt.

„Wo, wenn nicht hier?“ war das Resümee von Sebastian Brünger, Gastredner und verantwortlich für die neue Klimastrategie in der Förderung der Kulturstiftung des Bundes. Gemeint sind die Stadt Wuppertal und Nordrhein-Westfalen, das Netzwerk aus engagierten Akteuren von Fridays for Future bis zum Wuppertal Institut, von Utopiastadt bis Börse, Insel / Kultur im Ada bis Talbuddeln, Oper, Bob Campus, Swane Café, Junior Uni, Loch, Dach der Stadt, Alte Feuerwache, Mobile Oase, Kulturkindergarten, Kunststation Bahnhof Vohwinkel, Färberei und vielen mehr. Aus den Bergischen Klimagesprächen des Wuppertal Instituts hat sich 2020 das „Zukunftslabor Kunst & Stadt“ zur Erforschung der Transformationspotentiale entwickelt. Denn die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030, die Sustainable Development Goals (SDGs), richten sich an alle: Regierungen weltweit, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. Ökologische, ökonomische und soziale Fragen einer globalen Gerechtigkeit sind untrennbar verbunden.

Zeit für eine Entscheidung, denn 2022 rückt 2030 sehr nah. Kunst und Kultur erkennen die Chance ihres Reflexionsraums, gehen das Thema endlich an – mit Lust zu Handeln. Denn sie sind Spezialisten für das Neue, die Gestaltung. Dabei geht es darum, dass alle zusammenarbeiten, Institutionen, freie Initiativen, internationale Kulturverbände, mit Schwarmintelligenz. Und so stellte sich die Frage, warum nicht gerade hier und mit allen?

Es lohnt sich, die Stadt gemeinsam neu zu denken. Wuppertal begeistert derzeit viele Menschen, ein Möglichkeitsraum mit seinem einzigartigen Patchwork aus Industriebauten, Gründerzeitarchitektur, Schwebebahn, Nordbahntrasse, ist zugleich Zeugnis einer zu kurz gedachten Vision der autogerechten Stadt und voll grüner Oasen. Ein Grund, warum der Nachrichtensender CNN 2020 Wuppertal unter 20 Orten weltweit empfiehlt, die einen Besuch wert sind, gemeinsam mit Vancouver, Washington, Jamaika oder dem Toten Meer. Schon vergessen? Wuppertal – an architectural adventure playground – habe das „coolste“ Fortbewegungsmittel. Meine Begeisterung hat schon Wim Wenders 1974 mit dem Film „Alice in den Städten“ entfacht.

Das Pina Bausch Zentrum wird ein weiterer Motor der Transformation im „Zukunftslabor Kunst & Stadt“. Das kulturelle Welterbe, das Werk von Pina Bausch, gehört der Welt. Ihre leidenschaftliche Neugier für die Menschen aller Kontinente, ihren tiefen Humanismus, die Begeisterung für den Tanz und das Fremde gilt es für viele Menschen erfahrbar zu machen. Das Wuppertal Institut als internationaler Spezialist für die Ökologie ist Nachbar des Zentrums. Das „Zukunftslabor Kunst & Stadt“ bietet besten Humus für neue Allianzen. Denn wir sind Teil der Natur. Erfüllt Sie der Blick auf den blühenden Kastanienbaum mit Glück?

Also, dann doch für die Kastanie entscheiden. Damit die Kinder von gestern, heute und morgen sie auch zukünftig im Herbst sammeln, aus der stacheligen grünen Schale herausschälen, ihre Maserung bewundern und sie in die Tasche stecken können. „Sobald die sozialen und ökologischen Werte höher im Kurs stehen, sinkt die Wichtigkeit der materiellen Werte. Und das Förderband kann langsamer werden“, sagt die Ökonomin Maja Göpel in „Die Welt neu denken“. Daher: „Jetzt, zusammen und wo, wenn nicht hier?“