Kleinstformat als Herausforderung

Kleinstformat als Herausforderung

Andrea Voß-Acker gestaltet Briefmarken für die Deutsche Post. In diesem Jahr wird ihr 50. siegreicher Entwurf erscheinen.

Mit einem Aushang in der Uni Wuppertal fing es 2001 an. Ein Wettbewerb für die Gestaltung einer Sonderbriefmarke wurde darauf angekündigt. Und Andrea Voß-Acker, damals kurz vor ihrem Abschluss in Kommunikationsdesign, dachte sich: „Da mach ich mit.“ Das Thema damals: Kinder- und Jugendtelefon. „Das Arbeiten auf Kleinformat war eine Herausforderung“, erinnert sich die 49-Jährige. Und das ist auch das, was die gebürtige Elberfelderin, die seit 2011 in Ronsdorf wohnt und arbeitet, heute noch an der Aufgabe reizt.

Mittlerweile dürfte sie eine der produktivsten Briefmarken-Designerinnen in Deutschland sein. 2018 erscheinen gleich fünf Motive, die sie gestaltet hat — und mit ihrer Marke zur Serie Mikrowelten, die für den 13. September geplant ist, feiert sie ein kleines Jubiläum: Es ist ihr 50. Entwurf, der sich im Wettbewerb der Post durchgesetzt hat.

Acht, neun Konkurrenten gebe es pro Ausschreibung, erzählt Voß-Acker. Wer überhaupt am Wettbewerb teilnehmen darf, entscheidet das Bundesfinanzministerium, der offizielle Herausgeber der Briefmarken in Deutschland.

Die Themen sind breit gestreut. Haustiere, Fußball, Bäume — nur drei von vielen, mit denen sich Voß-Acker auseinandergesetzt hat. Im Juli wird zum Beispiel eine Marke zum 150. Geburtstag Magnus Hirschfelds an den Postschaltern liegen. Über den Sexualwissenschaftler musste Voß-Acker, wie sie einräumt, auch erstmal recherchieren. „Aber das ist das Spannende. Und man lernt etwas.“ Sie mag es, wenn die Themen abstrakt sind, macht sich Gedanken, wie diese dann auf wenigen Quadratzentimetern umgesetzt werden können. Was stellt man sich zum Beispiel bei „Ferien in Deutschland“ vor? „Ich wollte, dass es emotional rüberkommt“, erklärt Voss-Acker. Ihr Siegerentwurf 2012 zeigte dann Strandkörbe am Meer — und löst Urlaubsgefühle aus.

Sogar in Brasilien haben die Menschen ihre Briefe schon mit Voß-Ackers Marken beklebt. 2002 erhielt sie den Zuschlag für die Serie „Fußball-Weltmeister“, die außer in Deutschland und Brasilien auch in Frankreich, Argentinien und Uruguay erschien.

Für ihren letzten realisierten Entwurf zum Thema Astrophysik — herausgegeben im Dezember 2017 — verwendete Voß-Acker übrigens für einen Teil der Markenfläche Silberlack. „Eine Idee der Druckerei“, erzählt die 49-Jährige. Eine, die sie gerne aufnahm. Das sei schließlich mal etwas anderes. Einschränkungen gebe es schließlich schon genug. Und es werden mehr, wie Voß-Acker erzählt. Vor ein paar Jahren etwa wurde festgelegt, dass die Marken einen weißen Rand haben müssen. Das schränke schon ein in der Arbeit. Und seit kurzem tragen die Zehnerblöcke auch noch einen Strichcode — wieder Fläche, die für das Design rausfällt. „Das ist schade.“

Insgesamt, so Voß-Acker, sei die Deutsche Post schon eher konservativ, was ihre Vorgaben angeht. Andere Länder seien da experimentierfreudiger, sagt sie, und verweist zum Beispiel auf Frankreich, wo Marken in Herzform erschienen sind. Und Österreich hat schon Postwertzeichen aus Holz herausgegeben. Zu weit müssten die Spielereien ja nicht gehen, aber ein bisschen mehr Flexibilität würde sich Voß-Acker vom gelben Riesen schon wünschen. Mal was Exotisches, „das wäre wieder eine neue Herausforderung“, blickt die Wahl-Ronsdorferin voraus.

Ein Wunschthema für die Zukunft? „Ein Wuppertaler Motiv wäre mal schön“, sagt die Designerin. Bei der Marke zum 75. Geburtstag Pina Bauschs habe sie mit ihrem Entwurf 2015 leider nicht gewonnen. Aber vielleicht gibt es 2020 eine neue Chance. Dann steht der 200. Geburtstag Friedrich Engels’ an, der wahrscheinlich mit einer Marke bedacht werden wird. „Ich würde mich freuen, wenn ich am Wettbewerb teilnehmen darf“, sag Voß-Acker. Eine Marke zu Ehren eines berühmten Wuppertalers — designt von einer Wuppertalerin: Das passt doch.

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