Kleine Höhe: Kleine Höhe: „Mein kleines Österreich“

Kleine Höhe: Kleine Höhe: „Mein kleines Österreich“

Das Areal ist nicht nur politischer Zankapfel, sondern auch schön. Ein Spaziergang.

Klimawandel hin oder her – wer im Oktober noch bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen über die Kleine Höhe spazieren kann, freut sich des Wetters und der Landschaft. Dabei sind Klimawandel und Umweltschutz wichtige Aspekte der Argumentation für den Erhalt der Grünfläche zwischen Wuppertal und Velbert-Neviges. Den Gegnern einer Bebauung geht es aber nicht nur um Umweltschutz, die dort lebenden, wandernden, brütenden Tiere, die Biotope, Pflanzen und Quellen und die Frischluftschneise – es geht auch um ganz subjektive Empfindungen.

Die Kleine Höhe begeistert
die, die sie nutzen

Es geht auch um die Schönheit der Fläche und des Ausblicks. Die wissen die Mitglieder der Bürgerinitiative Kleine Höhe zu schätzen, die sich zu einem Spaziergang mit der WZ getroffen haben, ebenso wie die Anlieger, die die Kleine Höhe zum Spazieren, Walken, Joggen und Radfahren nutzen. „Mein kleines Österreich“, nennt Helene Hentschke, Joggerin, die Fläche. Sie faltet dabei die Hände vor das Gesicht und sinkt ein bisschen in die Knie, als wäre sie überwältigt von dem Anblick, der ihr lange bekannt ist. Ihre Tochter wohne in Österreich, erklärt sie den Vergleich. Erntet dafür aber viel Zustimmung bei der Gruppe.

Uwe Teubner aus dem Vorstand der Initiative ist hier groß geworden und hat schon als Kind hier nach Eulen Ausschau gehalten, erinnert er sich. Bis heute sei die Kleine Höhe ein Treffpunkt für diejenigen, die einen guten Punkt für einen schönen Sonnenuntergang suchen. Beim Blutmond im August sei wieder viel los gewesen.

Die Sonne steht schon relativ tief, als die Gruppe ein Stück spaziert. Von der Kreuzung Kleine Höhe am Schanzenweg hoch zum Schild zur Nevigeser Straße 504/502/500 und der Bank am Wegesrand. So schön der Sonnenuntergang hier werden kann – wer sich auf die Bank setzt, guckt in die andere Richtung. „Der Dönberger liebt den Dönberg“, erklärt Teubner die Ausrichtung scherzhaft.

In die anderen Richtungen kann man bis nach Velbert gucken, am nordwestlichen Ende der kleinen Höhe liegt direkt die S-Bahn-Station Velbert Rosenhügel. „Da hinter dem Hügel ist Essen“, zeigt Teubner in die eine Richtung, dort das Windrather Tal und dort könne man bis nach Düsseldorf blicken, zeigt er in die andere.

Die Kleine Höhe wirkt nicht so klein, wie ihr Name vermuten lässt, wenn man sich den weiten Blick in alle Richtungen zu Gemüte führt. Und auch Gisela Krischnak von der BI weiß ein Lied davon zu singen. Denn sie läuft jeden Donnerstag zum Markt in Neviges – eine halbe bis dreiviertel Stunde, quer über die Kleine Höhe. Sie läuft dann an Feldern vorbei, die aktuell mit Gerste, Weizen, Dinkel bepflanzt sind, aber im Frühjahr gelb vom Raps leuchten, an Obstbäumen und Sonnenblumen, die vom Bauern am Wegesrand gepflanzt wurden – daneben das Schild „Ihr Landwirt schafft Landschaft“.

Gabriele Schnabel von der BI und selbst aus Neviges sagt, das solle auch zeigen, was hier sonst möglich ist, was alternativ passieren kann mit der Kleinen Höhe. Die Bürgerinitiative arbeitet deswegen an einem Zukunftspapier und sucht noch Ideen für eine Nutzung der Kleinen Höhe (die WZ berichtete). „Was nicht bewertet wird, ist was man machen könnte“, sagt Teubner. Die Kleine Höhe könnte Positives für Wuppertal bringen – wenn sie nicht bebaut würde.

Die Kleine Höhe ist ein Gegenangebot zum Stadtleben

Für Kai Schmidt von der Bürgerinitiative, der an der Kleinen Höhe wohnt, ist sie jetzt schon ein wichtiger, positiver Teil der Stadt. „Der Ölberg mit Kneipen und Kultur“ habe auch seinen Charme. Aber hier würden andere Bedürfnisse befriedigt, die es genauso gebe. Ruhe, Natur, Weite. Die Chance zum Durchatmen. Es sei das ländliche Gegenstück zur nahegelegenen bebauten Stadt.

Darüber hinaus hat das Gebiet auch Vorteile für viele, die die Höhe suchen – mit technischer Unterstützung. Ein Anwohner, der nicht mit Namen in der Zeitung stehen will, ist mit seinem Sohn und einer Drohne vor Ort – weil hier so wenig Bebauung ist. Hier eine Forensik oder gar Gewerbe anzusiedeln sei „katastrophal“ findet er. „Das darf doch nicht kaputt gemacht werden.“

Uwe Teubner meint, die Kleine Höhe sei eigentlich zu unbekannt, viele Wuppertal würden das Gelände gar nicht kennen, vermutet er. Sonst würde man die Diskussion nicht führen. Wenn man das Gelpetal bebauen wollte, würde sie ganz anders geführt werden, ist er sich sicher.

Ob das so ist, kann keiner sicher sagen. Aber wer auf der Kleinen Höhe steht, den Blick genießt, die Sonne spürt, kann nicht behaupten, dass der Zankapfel an der Stadtgrenze nicht einfach nur schön ist. Politik hin oder her.

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