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Klassische Klänge im Christlichen Hospiz Wuppertal

Sinfonieorchester spielt Reihe „Nur für Sie“ : Klassische Klänge im Christlichen Hospiz

Sinfonieorchester bietet den Bewohnern mit der Reihe „Nur für Sie“ etwas Abwechslung in der Corona-Zeit.

„Die Halle des Lichts“ nennen die Mitarbeiter den durch seine Glasfassade lichtdurchfluteten Raum. Ein kleiner Brunnen, der darin platziert ist, plätschert angenehm im Hintergrund. Ein Tannenbaum und Sterndekorationen an den Fenstern untermalen die besinnliche Stimmung. Im Foyer des Christlichen Hospizes Wuppertal musizierte am vergangenen Dienstag ein Streichquartett des Sinfonieorchesters Wuppertal. Neben Werken von Schubert, Mozart und Liszt spielten die Musiker Weihnachtslieder – die sich die Bewohner des Hospizes zuvor wünschten. „Macht hoch die Tür“, „Alle Jahre wieder“ oder „Engel auf den Feldern singen“ erklangen.

„Ich bin durch jedes Zimmer gegangen und habe unsere Gäste gefragt, welche Lieder sie hören möchten und letzten Endes sind sie alle gespielt worden“, freute sich Silvia Rabe, die das kulturelle Programm im Hospiz betreut. „Ich freue mich immer, wenn ich so etwas einbringen kann, um zu zeigen, dass es hier noch einmal ums Leben geht. Es geht um Lebensqualität, nicht nur um Sterben, Tod und Trauer“, ergänzte die Hospizleitung, Jennifer Thielen.

Im Frühjahr ist die Reihe „Nur für Sie“ gestartet, die Vivienne Chiata als Projekt in ihrem freiwilligen kulturellen Jahr beim Sinfonieorchester Wuppertal ab August übernahm. Sie hat gezielt Einrichtungen wie Krankenhäuser, Altenheime oder Hospize kontaktiert, um Patienten und Bewohnern „den Zugang zu klassischer Musik zu ermöglichen und sie aufzumuntern – gerade in dieser schwierigen Zeit“, sagte sie.

Zugang zu klassischer Musik
und Aufmunterung zugleich

Für die Konzerte im kleinen Rahmen haben sich unterschiedliche Ensembles aus dem Sinfonieorchester gebildet. „Die Musiker suchen sich ihre Mitspieler selbst“, erklärte Chiata. Das können Geigen- oder Cello-Duos, Blechblasquartette oder in diesem Fall das eingespielte Johannisbergquartett sein – mit Christine Altmann am Cello, Jens Brockmann an der Viola, Dagmar Engel und Martin Roth jeweils an der Violine.

„Unsere Gäste können teilweise schon seit Jahren nicht in Konzerte gehen. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir durch dieses Angebot etwas richtig Tolles in unser Haus holen können“, erzählte Silvia Rabe. Dass das Konzert trotz Corona-Beschränkungen stattfinden konnte, lag an den räumlichen Rahmenbedingungen. „Es gibt kein direktes Publikum“, sagte Chiata.

Teils wurden Türen geöffnet, teils Stühle und Betten vor die Zimmer geschoben: „Man kann zuhören und einfach genießen, sowohl außerhalb der Räumlichkeiten – im Normalfall – als auch in den Zimmern“, hob Rabe den Vorteil des musikalischen Programms hervor. Und wenn es jemandem zu viel ist, können Türen kurzerhand geschlossen werden. Diese sind schalldicht und ermöglichen damit Ruhe.

Normalerweise nehmen auch die Angehörigen an den Veranstaltungen teil, coronabedingt ist das derzeit nicht möglich. Besucher dürfen aber nach wie vor kommen. „In der Sterbephase möchten wir es aufrechterhalten, dass die Menschen ­ihre Angehörigen um sich haben – weil das nicht nachzuholen ist“, erläuterte die Hospizleitung.

„Es ist eine große Wertschätzung unseren Gästen gegenüber. Sie haben das ganze Haus mit Ihrer Musik bereichert“, bedankte sich Silvia Rabe bei den Musikern. Bisher habe es keine Corona-Fälle im Hospiz gegeben – weder bei den Bewohnern beziehungsweise Gästen noch bei den Mitarbeitern.