Kita sucht Eltern: Nur wenige wollen noch mit anpacken

Kindergärten : Kita sucht Eltern: Nur wenige wollen noch mit anpacken

Keinen Platz fürs Kind? Elterninitiativen wie der Verein „Bauklötze“ haben noch Kapazitäten – doch viele Familien keine Zeit.

Lena Schneider-Ott hat 15 Kinder. So sieht sie es zumindest. Einmal die Woche betreut die 36-Jährige die Jungen und Mädchen der Gruppe „Bauklötze“. Beim Spielen, Basteln und Toben wachsen nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern zusammen. „Die Kinder werden zu einem Teil der eigenen Familie“, sagt die 36-Jährige, die selbst schon als kleines Mädchen die Vorzüge der Elterninitiative genossen hat. Das Prinzip an der Eltern-Kita an der Nützenberger Straße ist einfach: Wer sein Kind hier abgibt, leistet jede Woche von 9 bis 16.30 Uhr einen Elterndienst und unterstützt damit die vier Erzieher. So kommt die Einrichtung mit drei bezahlten Stellen aus. Auch die Verwaltungsaufgaben der Einrichtung übernehmen die Eltern selbst.

Das Prinzip funktioniert seit der Gründung 1978, als sich aus einem ungezwungenen Kaffeeklatsch mit Kindern eine Elterninitiative gründete, die von einer Kita träumte, die sich wie eine Familie anfühlt und bei der die Mitbestimmung im Vordergrund steht.

Heute scheint das nicht mehr ganz in die Zeit zu passen. Lena Schneider-Ott, deren Eltern zu den Gründungsmitgliedern gehörten, berichtet: „Wir suchen noch Eltern, die bei uns mitmachen.“ Eine bemerkenswerte Aussage in einer Stadt, in der chronisch rund 1000 Kitaplätze fehlen. Schneider-Ott sagt: „Bei den meisten Eltern scheitert es an der Zeit.“ Bei den mageren zwei bis fünf Bewerbungen im Jahr zeige sich oft, dass beide Eltern arbeiten und keine Zeit für die Kinderbetreuung übrig ist. Schneider-Ott selbst ist selbstständige Psychologin und hat – wie viele andere Eltern der Initiative auch – ihre Arbeitszeit reduziert, um die neue Aufgabe zwischen Sandkasten und Maltisch meistern zu können. „Aber ich habe den Eindruck, dass viele Frauen nicht den Mut haben, bei der Arbeit kürzer zu treten. Andere sind auch einfach auf das Geld angewiesen“, berichtet Schneider-Ott.

„Viele Eltern wollen sich
mit allen Mitteln drücken“

Die „Bauklötze“ haben nicht als einzige die Beobachtung gemacht, dass die Bereitschaft abgenommen hat, in der Kita mit anzupacken. „Die Eltern wollen ihre Kinder einfach bei uns abgeben“, berichtet Leiterin Lena Bayraktar von der Elterninitiative „Kleine Strolche“. Mütter und Väter würden mit hohen Ansprüchen kommen, seien aber nicht bereit, sich einzubringen. Obwohl der Kindergarten nur 26 jährliche Pflichtstunden von den Eltern für Aufgaben wie Reinigungsdienste oder Ausflüge verlange, gebe es Probleme. „Viele Eltern wollen sich mit allen Mitteln drücken“, sagt die Leiterin. In der 21-köpfigen Gruppe sind im kommenden Kindergartenjahr noch zwei Plätze frei.

Von Problemen mit dem Engagement berichtet auch die Elterninitiative „Köttelsladen“. Wie Erzieherin Saskia Felek erzählt, stehen hier zwar die Eltern mit Anfragen Schlange, doch Zusatzaufgaben schrecken viele ab. Eigentlich sind nur zwölf Elternstunden im Jahr zu leisten – trotzdem berichtet Felek: „Jedes Jahr bekommen wir die Eltern nur mit enormen Druck dazu, die Stunden abzuleisten.“

Für Lena Schneider-Ott ist die Arbeit mit den 15 Kindern und den dazugehörigen 13 Familien bei den Bauklötzen eher ein Privileg als eine lästige Aufgabe. Gerade vor dem Gesichtspunkt, dass der Nachwuchs mittlerweile in vielen Familien schon mit einem Jahr die Kita-Karriere beginnt. Auch in der kleinen Gruppe ist der Trend zur immer früheren Betreuung angekommen - weil Fördermittel daran hängen. Bei den Bauklötzen müssen stets sieben Kinder unter drei Jahren betreut werden. Da freue sich Schneider-Ott darüber, im Alltag – im Wechsel mit ihrem Partner – einen zusätzlichen Wochentag mit ihren Kindern Jakob (4) und Lotta (1) verbringen zu dürfen.

Doch Schneider-Ott ist mit der Eltern-Initiative aufgewachsen. Für viele andere Familien ist die Arbeit in der Kita nicht vorstellbar. 1978 war das anders. Aus einem frühen Zeitungsbericht über die Bauklötze geht hervor, dass damals die Finanzen die meisten Sorgen bereiteten. Nur an einem mangelte es nicht: am Einsatz.