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Kirchen: Der Aderlass geht weiter

Kirchen: Der Aderlass geht weiter

Mit der Markuskirche in Sonnborn steht das nächste evangelische Gotteshaus im Tal vor der Schließung.

Sonnborn. Schwierige Zeiten kommen auf die evangelische Kirchengemeinde Sonnborn zu. Ein erhebliches finanzielles Defizit macht schmerzhafte Sparmaßnahmen notwendig. Bei der Gemeindeversammlung am vergangenen Sonntag kündigte das Presbyterium unter anderem den Verkauf des Geländes am Lüntenbecker Weg mit Markuskirche, Gemeindezentrum und Pfarrhaus an.

Zudem ist aus Kostengründen künftig nur noch eine Pfarrstelle in Sonnborn realisierbar. Bereits im vergangenen Jahr musste die Gemeinde die fast zeitgleiche Verabschiedung von Pfarrer Manfred Alberti in den Ruhestand und den Weggang von Pfarrerin Claudia Kiehn verkraften. Der damit verbundene Verlust des kompletten Seelsorgeteams wird derzeit mit einer Vakanzvertretung aufgefangen.

„Es fällt uns nicht leicht, hier eine Hiobsbotschaft nach der anderen zu verkünden“, betonte Presbyteriumsvorsitzender Frank Römpke in der Gemeindeversammlung.

Nach seiner Aussage gab es allein 2012 einen Fehlbetrag von 233 000 Euro, der nur durch Rücklagen aufgefangen werden konnte. Auch mit bereits getätigten Einsparungen bleibt ein strukturelles Defizit von 165 000 Euro pro Jahr. Diese Entwicklung hängt vor allem mit einer immer weiter schrumpfenden Gemeinde zusammen.

Römpke verwies darauf, dass sich die Zahl der evangelischen Mitglieder in Sonnborn in den vergangenen 30 Jahren um zwei Drittel auf nur noch 4000 Gläubige reduziert habe. Das Presbyterium muss jetzt schnell reagieren. Im Gemeindezentrum am Lüntenbecker Weg sind bereits die Lichter ausgegangen. Auch die Markuskirche soll bald nicht mehr genutzt werden. Ein Verkauf dürfte allerdings schwierig sein, da sich das Gelände direkt an der Autobahn befindet. Zudem steht eine Fusion mit der der Evangelischen Kirchengemeinde Vohwinkel im Raum.

„Das ist für uns kein Schreckgespenst mehr“, erklärt Frank Römpke. Angesichts der düsteren Zukunftsaussichten schlugen die Emotionen bei der Gemeindeversammlung in der Markuskirche hohe Wellen. Die ehemalige Presbyterin Christa Altreuther kritisierte etwa die ihrer Meinung nach zu hohen Verwaltungskosten in Sonnborn. „Das kann ich nicht akzeptieren“, betonte sie. Einige Gemeindemitglieder warfen dem Presbyterium zudem vor, die finanziell schwierige Lage zu spät erkannt zu haben. Das Gremium wird jetzt bei einer Klausurtagung Anfang März über das weitere Vorgehen beraten.