Nächstebreck: Kirche Hottenstein feiert Jahr der Jubiläen

Nächstebreck : Kirche Hottenstein feiert Jahr der Jubiläen

1879 wurde die Kirche eingeweiht, seit 30 Jahren steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

. Gleich zwei Jubiläen gilt es in diesem Jahr in der Kirche Hottenstein in Nächstebreck zu feiern. 1879 – also vor 140 Jahren – wurde das Gotteshaus eingeweiht, vor 30 Jahren wurde die evangelische Kirche unter Denkmalschutz gestellt. In der ersten Juliwoche soll das 140-jährige Jubiläum der Hottensteiner Kirche mit einem vielfältigen Programm gefeiert werden. In der Vorbereitung auf das Kirchenjubiläum spendierte der Förderverein Hottenstein Kirche dem ehrwürdigen Gebäude einen neuen Innenanstrich, wobei die Arbeiten der Handwerker mit der Unteren Denkmalbehörde und dem evangelischen Verwaltungsamt abgestimmt werden mussten.

Die Kirche Hottenstein ist keine Kirche wie jede andere, das liegt allein schon in ihrer Architektur begründet.Die Kirche bietet im ersten Stock Platz für 300 Besucher, während im Erdgeschoss die Küsterwohnung und Gemeinderäume liegen. Bereits 1789 gab es in der alten Schule am Hottenstein Gottesdienste. Dorflehrer kümmerten sich um Gemeindemitglieder, die nicht die Kirche in Schwelm besuchen konnten. Am 29. März 1877 lösten sich die Nächstebrecker dann von ihrer westfälischen Muttergemeinde und wurden selbstständig.

Am 12. Mai 1879 erteilten Pfarrer Wilhelm Pake und das Presbyterium dem Wichlinghauser Unternehmen Carl Krahden den Bauauftrag für die Hottensteiner Kirche. Unter Leitung von Architekt Heinrich Bramesfeld gingen die Arbeiten im Verlauf des Jahres zügig voran, so konnte schon am 17. Dezember 1879 die Kirche eingeweiht werden.

2004 wurde der
Förderverein gegründet

„Kirche und Turm sind ein besonders gelungenes Beispiel für die Bergische Sakralarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts“, erklärte der damalige Pfarrer Manfred Rekowski aus Anlass des 125. Jahrestags der Kircheneinweihung. Rekowski ist inzwischen als Präses der rheinischen Landeskirche oberster Repräsentant der evangelischen Kirche im Rheinland. Unvergessen ist Rekowski in Nächstebreck aber auch, weil er im Jubiläumsjahr 2004 den Anstoß für die Gründung des Fördervereins Hottenstein Kirche gegeben hat. Wohlwissend, dass die evangelische Kirche bei wachsenden Kosten in Zukunft immer weniger Geld in die Kirchenkassen bekommen würde, wies er schon früh auf den Wert eines Fördervereins für den Erhalt des Baudenkmals hin. Seitdem tragen viele ehrenamtliche Mitglieder zum Erhalt des Gebäudes durch Spenden und Veranstaltungen bei, von denen auch im Jubiläumsjahr zum Beispiel von der Kreativen Gruppe, Frauen im Alter von 23 bis 81 Jahren, wieder eine ganze Reihe geplant sind.

Die WZ-Redaktion hatte die Kirche zum 125. Jubiläum im Jahr 2004 besucht. In dem Bericht hieß es damals: „Wenn Pfarrer und Küster vom Turm des evangelischen Gotteshauses an der Wittener Straße schauen möchten, müssen sie nach den 41 Holzstufen im geräumigen Treppenhaus der Kirche noch 25 Leitersprossen im engen Glockenturm erklimmen. In 22 Metern Höhe hängen die Stahlglocken Friede („c“) und Freude („f“), die 1949 für die Evangelische Kirchengemeinde Nächstebreck gefertigt wurden und am 19. September 1949 zum ersten Mal erklangen.“ Damals gehörten die Westfalen aus Nächstebreck schon seit 20 Jahren der Stadt Wuppertal an.

An einem Tag in ihrer Geschichte stand die kleine Kirche am Rande der bergischen Metropole im Mittelpunkt. Es war der 2. Juli 1988, als Jörg Thomas Sommerlath de Toledo und Susanne Händeler sich in der Kirche Hottenstein das Ja-Wort gaben. Trauzeugin des Bräutigams war Königin Silvia von Schweden, die zusammen mit ihrem Ehemann König Carl XVI. Gustav und ihren Kindern, darunter die Thronfolgerin Victoria, zur Trauung an die Wittener Straße gekommen waren.

Die schwedische Königsfamilie war nicht unnahbar

Kamerateams und Fotografen umlagerten die Kirche, aber im Vergleich zur heutigen Zeit hielt sich der Rummel um die königlichen Gäste noch in Grenzen. Jedenfalls konnten viele Wuppertaler die Gäste aus Schweden ohne Absperrgitter beim Verlassen der Kirche aus der Nähe erleben, was heute auch aus Sicherheitsgründen wohl undenkbar wäre. Und der Gottesdienst - bei dem die Brautleute trotz der gekrönten Häupter die Hauptpersonen waren - geriet nicht zum reinen Medienereignis.

Damals wurde extra eine Treppe umgebaut, womit das Fotografieren der Hochzeitsgesellschaft erleichtert wurde. Die Kosten für den Umbau übernahm übrigens die schwedische Königsfamilie.

Seit 1989 steht die Kirche unter Denkmalschutz

Die kleine Fachwerkkirche und ihr Turm stehen seit November 1989 unter Denkmalschutz. Anfang des 20. Jahrhunderts sollte das Gotteshaus noch einem Neubau weichen. Der damalige langjährige Pfarrer Philipp Nell und die evangelische Gemeinde Nächstebreck wollten einen Steindom mit 800 Sitzplätzen und einem hoch aufragenden Turm bauen. Der Erste Weltkrieg und die folgende Inflationszeit beendeten das Bauprojekt bereits in der Planungsphase.

In den Wirtschaftswunderzeiten, als Wuppertal mit weit mehr als 400 000 Einwohnern plante, sollte Nächstebreck zur Wohnstadt mit Zentralfriedhof und Schwebebahnanschluss ausgebaut werden. Auch diese Pläne haben sich zerschlagen.

Die Kirche Hottenstein hat als architektonisches Juwel die Zeiten unbeschadet überdauert - und gerade das wird für die Evangelische Kirchengemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck, Pfarrer Dirk Bangert und den Förderverein Hottenstein Kirche ein guter Grund sein, um das Jubiläum mit besonderer Freude zu feiern.

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