Kinderpflege: Viel zu tun, kein Personal

Kinderpflege: Viel zu tun, kein Personal

In Wuppertal gibt es zwei Dienste, die sich um Kinder wie den kranken Felix kümmern. Es fehlt vor allem an geeignetem Personal.

Wuppertal. Kinderkrankenschwester Birgit Budnick erneuert bei Felix die Magensonde, während die Eltern zumindest für einen kurzen Moment abschalten können. Der kleine Junge hat bereits einen schweren Weg hinter sich, ist jedoch auch nach fünf Lebensmonaten noch auf professionelle Pflegeunterstützung angewiesen.

Dass Felix zumindest in seinen eigenen vier Wänden versorgt werden kann, ist nicht selbstverständlich. Schließlich ist das hiesige Angebot an Kinderkrankendiensten rar gesät. Während Pflegedienste für Senioren im Zuge des demografischen Wandels wie Pilze aus dem Boden schießen, gehen viele Eltern leer aus.

So auch Felix´ Eltern Sandra und Christian Hackländer, die zwar morgendlich für eine Stunde unterstützt werden und sich die allermeisten Pflegevorgänge selbst angeeignet haben, jedoch weitaus größeren Bedarf hätten. So liegt auf dem Esszimmertisch zwar eine ärztliche Verordnung mit täglich sieben Pflegestunden, doch findet sich seit Monaten niemand, der die ableisten kann. „Das ist schon frustrierend. Hier fühlt man ganz schön allein gelassen vom Gesundheitssystem“, sagt Christian Hackländer.

„Wir wollen natürlich so viel wie möglich selbst machen und brauchen sicher keine siebenstündige Unterstützung, doch wäre grade in der Nacht ab und zu eine Entlastung gut“, ergänzt seine Ehefrau Sandra und gibt zu bedenken, dass bei ihrem nierenkranken Sohn Sondenversorgungen im Drei-Stunden-Takt nötig sind.

Da die umfangreichen Verpflegungen mindestens eine Stunde dauern, bleibt der Familie kaum Zeit zum Schlafen. „Zumal die psychische Belastung, ein Kind zu haben, das nie wieder gesund wird, hinzukommt“, erklärt die Mutter. Dass Eltern oder Freunde einspringen, sei ebenfalls problematisch, weil das Sondieren einer entsprechenden Schulung bedarf.

Das Problem, dass Pflegeverordnungen personell nicht erfüllt werden können, kennt Unternehmerin Claudia Spittmann vom Wuppertaler Kinderkrankendienst Jakim nur zu gut. „Wir haben aktuell jede Menge Anfragen, die wir nicht erfüllen können. Vor allem für die Nächte ist der Bedarf viel zu groß“, erklärt sie. Nur zu gerne würde sie ihr 40-köpfiges Team erweitern, findet jedoch schlichtweg kein geeignetes Personal.

Während der Kinderpflegemangel NRW-weit ein grundsätzliches Problem darstellt, ist er in Wuppertal besonders ausgeprägt. So gibt es in der ganzen Stadt grade mal zwei Pflegedienste. Dass es so wenige auf Kinder spezialisierte Einrichtungen gibt und auch der Beruf an sich so unattraktiv ist, liege an den schlechten gesetzlichen Voraussetzungen. „Wir müssen bei den Krankenkassen immer wieder um unser Geld kämpfen“, spricht Spittmann von einer „fehlenden Lobby“ und „mühseligen Bürokratieabläufen“.

Dass der Bereich der Kinderpflege von Seiten der Kassen so stiefmütterlich behandelt wird, liege vor allem an voranschreitenden Sparkursen, aber auch am fehlenden Fachwissen der Entscheidungsträger.

Davon, dass die Unterstützung kranker Kinder immer wieder unter den Tisch fällt, kann auch Christian Hackländer ein Lied singen. „Jeder Erstattungsantrag wird erst mal abgelehnt, weil immer nur pauschalisiert und nicht geguckt wird, was wirklich alles an der Erkrankung dranhängt“, berichtet Hackländer und weiß, dass sich die Kassen oftmals sogar nach Vorlage von ärztlichen Verordnungen nicht davon abhalten ließen, Ablehnungsbescheide zu verschicken.

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