Kindergartenkinder werden zu Mathe-Forschern

Kindergartenkinder werden zu Mathe-Forschern

Auf spielerische Art lernten künftige Schüler in der Grundschule Friedhofstraße, dass Mathematik Spaß macht.

Womit beschäftigen sich Mathe-Forscher? In zwei Klassenräumen der Grundschule Friedhofstraße herrscht jedenfalls eifriger Betrieb. 20 Kinder aus der Kita an der Westkotter Straße sind zum ersten Mathe-Forschertag gekommen. Eine Stunde lang sind sie an verschiedenen Stationen unterwegs. Als sogenannte Maxis werden sie bald von der Kita in eine Grundschule wechseln. Schüler aus den ersten Klassen helfen ihnen, auch einige Erstklässler-Paten, die in die vierte Klasse gehen, sind dabei. Sie zeigen den Gästen, dass Mathematik Spaß machen kann. Und die Mathe-Forscher? Die beschäftigen sich unter anderem mit Strummi-Kunde.

Die Strummis an Station sechs werden aus drei Legosteinen gebaut. Zwei Achter direkt aufeinander, der obere dann nur auf vier Punkte gesteckt — sieht fast wie ein Hund aus. Luisa (6) aus der Kita Westkotter Straße steckt gerade einen schwarzen Kopf auf einen rein weißen Körper und stellt ihn neben den komplett schwarzen Strummi. Das sind schon mal zwei. Wie viel verschiedene Strummis kann es überhaupt geben, heißt die Frage hier. Jana greift in die Tüte mit dem Lego-Nachschub und macht noch mehr. „Gut ist es hier“, sagt sie. „Weil ich hier was machen kann und weil hier ganz viele Kinder sind.“ Ein Strummi mit schwarzem Bauch, weißem Kopf und weißem Unterbau gesellt sich zu den ersten beiden. „Und alle Kinder sind nett.“

An einen Hund erinnert sie ein Strummi aber eher nicht so. Jana lässt sich mehr von den Farben leiten: „Das ist ein Pinguin.“ Was sagt der Lehrer Carsten Funke dazu? Er lacht. „Strummi leitet sich von ,strukturiertes Material’ her.“

Eine Station weiter kann mann Osterhasen aus großen bunten Tangramm-Platten legen. Oder noch schwieriger: ein Osterei. Gut, dass Lösungsblätter vorhanden sind, die einem helfen können.

Einige Schüler sind fest einer der neun Stationen zugeteilt. Andere begleiten ein Kita-Kind, wenn es nicht alleine unterwegs ist, von Station zu Station. So etwa Valton (11) aus der 4a, der mit Niklas (6) loszieht. An Station drei muss mann Erbsen — nein, nicht zählen. Schätzen. Niklas schaut sich sechs gleiche Gläser an, die mit jeweils verschieden vielen Erbsen gefüllt sind. Dann tippt er an das, wo die meisten drin sind. Das kommt schon mal zur Seite. Welches kommt dann? Niklas tippt an das nächste. Schließlich sind alle sechs Gläser geordnet. Die Erstklässler an diesem Tisch heben die letzten beiden noch einmal kritisch in die Höhe — alles richtig. Niklas bekommt einen Haken auf seinen Laufzettel und zieht mit Valton weiter. An der Wage wird Mathe-Forscher Niklas herausfinden, wie viel Nudeln es braucht, um den großen Sektkorken aufzuwiegen.

Inzwischen ist Rektorin Petra Riesenberg dazugekommen. „Wir machen im Rahmen der Kooperation mit den Kitas ja schon so einiges. Schnupperstunden, Schulrallyes, Vorlesen. Wir besuchen die Maxis in den Kitas, wenn die ihr Schwarzlichttheater aufführen.“ Aber so eine Aktion aus dem Bereich Lernen, das sei Neuland. Das Konzept für den Mathe-Forschertag sei in der Mathe-Konzeptgruppe der Schule entwickelt worden, in Zusammenarbeit mit den Kitas. Die brachten eigene Vorschläge ein und einen Großteil der Materialien mit. „Wir wollen damit den Übergang von der Kita zur Schule auffangen“, sagt Riesenberg. „Und die Kinder aus den ersten Klassen können als Profis auftreten.“ Sie schaut sich um. „Alle sind beschäftigt, Arbeitsatmosphäre.“ Trotz aller Vorüberlegungen sei es aufregend, zu sehen, ob die Aufgaben vielleicht doch zu schwer oder zu leicht ausgefallen sind. Auf jeden Fall wird es zusammen mit den Kitas eine Nachbereitung geben. Was gut gelaufen ist, was man noch besser machen könnte. Riesenberg: „Wenn wir erfolgreich waren, dann kann man den Mathe-Forschertag ins Schulprogramm aufnehmen. Dann könnte es ihn auch öfter als einmal im Jahr geben.“

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