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Kinder werden immer später getauft

Kinder werden immer später getauft

Viele Eltern überlassen heute ihren Söhnen und Töchtern die Entscheidung. So gehört die Taufe bei vielen Konfirmationen dazu.

In den Nachkriegsjahren wurden Säuglinge oft direkt im Krankenhaus getauft — damit sie sicher in den Himmel kommen, falls sie sterben sollten. Heute laufen manche Kinder selbst zum Taufbecken. Der gesellschaftliche Druck, das Kind sofort in die Kirche aufnehmen zu lassen, ist geringer geworden. Die Johanniskirche auf den Südhöhen bietet am Samstag, 7. Juli, eine Themenstunde für Eltern zur Taufe an. „Wir wollen die erreichen, die nicht so in der Kirche verwurzelt sind“, erklärt Vikar Jonathan Hong. Er bietet die Themenstunde als Praxisprojekt im Rahmen seiner Ausbildung an.

Gemeinsam mit zwei Ehrenamtlern möchte er alle Fragen der Eltern beantworten und ihnen erklären, was die Taufe eigentlich genau bedeutet. „Manche sind unsicher über ihren eigenen Glauben“, hat er beobachtet. Die beiden Ehrenamtler haben selbst Kinder und berichten, wie sie ihre Kinder im christlichen Glauben erzogen haben und wie diese auf Kirche reagiert haben. Dabei diskutiert Jonathan Hong ganz offen mit den Teilnehmern auch die Frage, ob eine Taufe im Babyalter besser sei oder später, wenn die Kinder selbst entscheiden können über ihren Glauben. Auch die Rolle der Paten sei für viele Eltern eine wichtige Frage. „Paten müssen Mitglied einer christlichen Kirche aus dem ACK sein — die Konfession spielt dabei keine Rolle“, erklärt Hong.

„Aber sie müssen bereit sein, das Kind im christlichen Glauben zu erziehen.“ Hong betont auch die Bedeutung von Kirche als Gemeinschaft: „Für die Eltern ist es auch eine Chance, sich als Teil der Gemeinschaft zu fühlen.“ Bei seiner Themenstunde sind alle Menschen willkommen, unabhängig von ihrer Religion.

Die Taufzahlen der Kirchengemeinde Elberfeld-Südstadt seien über die Jahre zurückgegangen. Gleichzeitig gebe es jedes Jahr Jugendliche, die sich erst bei der Konfirmation taufen lassen — oder, um einen Platz an einer kirchlichen Schule zu ergattern. Auch Erwachsene treten regelmäßig in die Kirche ein. Insgesamt wurden 2017 in Wuppertal 532 Kinder evangelisch getauft, etwas mehr als 2016. Gleichzeitig wurden 500 Jugendliche konfirmiert. „Vielen Eltern ist der Segen wichtig, der Schutz für das Kind“, hat Martin Göbler vom Kirchenkreis Wuppertal immer wieder beobachtet. Und immer wieder erlebt er, dass auch konfessionslose Kinder von ihren Eltern in den evangelischen Religionsunterricht geschickt werden. Dass auch kirchlich gebundene Eltern manchmal die Entscheidung für die Taufe aufschieben, betont Werner Jacken vom Kirchenkreis: „Auch Jesus hat ja keine Kleinkinder getauft, sondern Erwachsene.“ Er hat seine Kinder ganz bewusst nicht als Babys taufen lassen: „Wir wollten, dass sich die Kinder an ihre Taufe erinnern.“