Kinder- und Wiegenlieder verbinden über alle Sprachbarrieren hinweg

Gut für Wuppertal : Kinder- und Wiegenlieder verbinden über Sprachbarrieren hinweg

Das Programm „Kiwi“ lädt Eltern und Kinder zum Singen in verschiedenen Sprachen ein.

. In Wuppertal leben viele Menschen aus anderen Ländern. Ein Ort, an dem Migranten zeigen können, was sie mitbringen, sind Veranstaltungen mit dem Titel „Kiwi – Kinder- und Wiegenlieder aus aller Welt“. Das Angebot der Bergischen Musikschule und des Ressorts Integration und Zuwanderung der Stadt richtet sich seit 2015 an Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen.

Die Treffen finden in Vierteln mit vielen Zuwanderern statt wie in Oberbarmen oder an der Alten Feuerwache. „Früher ist man in die Musikschule gegangenen, heute geht die Musikschule an den Rand“, sagt Hayat Chaoui. Sie ist die Fachbetreuerin Gesang an der Bergischen Musikschule. Der Gedanke hinter dem Angebot: Die Menschen in ihrer Sprache abzuholen. „Selbst, wenn jemand keine Deutschkenntnisse hat, kommt keiner ohne Sprache nach Deutschland“, betont Chaoui.

In Wuppertal existieren etwa 300 Sprachen, weil viele Menschen mehrsprachig aufwachsen. „In vielen Ländern spricht man mehr als eine Sprache“, sagt Chaoui und nennt Nigeria als Beispiel. Dort gibt es drei Hauptsprachen und mehr als 500 einheimische Sprachen sowie Englisch als Amtssprache. Dies ist ein kultureller Schatz, der bei Kiwi zum Tragen kommt. „Wir singen Kinder- und Wiegenlieder in der Original-Sprache und wiederholen sie so lange, bis alle sie auswendig können“, erklärt Hayat Chaoui. Die Texte werden ins Deutsche übersetzt und dann gemeinsam auch auf Deutsch gesungen.

Kinder- und Wiegenlieder haben noch einen weiteren Vorteil: Sie sind meist positiv besetzt und legen Emotionen frei. „Alle Mütter singen ihren Kindern etwas vor“, ist Chaoui überzeugt. Das spannende sei, dass es überall Gesang gibt. Sie erzählt von drei Mongolinnen, die sich erst bei einem Treffen wieder an ein Wiegenlied aus ihrer Heimat erinnert haben. „Da hörte man sie, da waren die Sprachkompetenzen anders verteilt“, sagt Chaoui.

Ziel der Treffen ist es, den Eltern in kurzer Zeit ein breites Repertoire an Liedern an die Hand zu geben, die sie zu Hause mit und für ihre Kinder singen können. „Das stärkt die Bindung zwischen den Eltern und ihren Kindern“, sagt Chaoui.

Und nicht nur das: Die Treffen haben auch einen stärkenden Effekt für die Eltern. Menschen, die aus anderen Ländern kommen, werden dabei nicht danach bewertet, dass sie kein oder fast kein Deutsch sprechen, sondern sie können zeigen, welche Sprachen sie mitbringen. „Es wird plötzlich etwas wertgeschätzt, was ich kann“, sagt Hayat Chaoui über die Erfahrung der Teilnehmer. „Kiwi - Kinder- und Wiegenlieder aus aller Welt“ ist ein kostenfreies Angebot, zu dem Geschwisterkinder herzlich willkommen sind. Der Einstieg ist jederzeit möglich.