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Kinder in Tunesien festgehalten: Vater (37) auf der Anklagebank

Kinder in Tunesien festgehalten: Vater (37) auf der Anklagebank

An zwei Prozesstagen soll der Fall geklärt werden. Der Angeklagte ist geständig. Müssen die Kinder nicht aussagen?

Wuppertal. Am Freitag muss sich eine 37 Jahre alter Vater vor der Jugendkammer des Landgerichts verantworten. Der Vorwurf: Kindesentziehung. Der 37-jährige Vater soll im vergangenen Jahr nach einer Reise in seine tunesische Heimat,die Rückkehr nach Wuppertal verweigert, und seine beiden Kinder in Tunesien festgehalten haben. Ein Fall, der eine schwere Ehe-Krise offenbart.

Denn laut Anklage reiste die Ehefrau des Angeklagten bei jenem Mai-Urlaub mit. Das Ehepaar und die beiden Kinder - die Tochter (10) und der Sohn (8) - waren dabei, als die Mutter des Angeklagten besucht wurde. Offenbar lebte das Ehepaar da schon seit längerer Zeit getrennt. Ob die Frau sich vom gemeinsamen Urlaub eine Verbesserung ihrer Beziehung erhofft hat, oder ob sie trotz Ehestreites mitgefahren ist, wird sie vielleicht als Zeugin im Prozess darlegen.

Laut Verteidiger Klaus Sewald hätte die Frau wissen müssen, dass sie - mit einem Muslim verheiratet - in Tunesien nur mit Genehmigung ihres Ehemannes das Land verlassen darf. Laut Anklage konnte die Kindsmutter Mitte Juli 2007 nach Wuppertal zurück. Doch die beiden Kinder mussten beim Vater in Tunesien bleiben.

In der Folgezeit soll der Angeklagte Geld- und Sachforderungen an seine Ehefrau gestellt haben. Per Telefon habe er den Tod der Kinder angekündigt, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden, so die Anklage.

Die Ehefrau soll ihrem Mann dann mehrfach Geld überwiesen haben. Daraufhin durfte die Tochter ausreisen. Mittlerweile wurde der Vater mit internationalem Haftbefehl gesucht und im vergangenen Dezember in Frankreich festgenommen. Wie die WZ erfuhr, hatte er seinen Sohn dabei.

Seither sitzt der Vater in U-Haft, soll ein Geständnis abgelegt haben. Das wird sich wohl strafmildernd auswirken. Auf einen Großteil der Zeugen kann verzichtet werden. Und auch den Kindern wird der Gang in den Zeugenstand erspart.