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Kind positiv auf Corona getestet: Wuppertaler Grundschule geschlossen

Schulbetrieb wieder beendet : Kind positiv auf Corona getestet: Wuppertaler Grundschule geschlossen

Für Schüler und Lehrer der Grundschule Peterstraße war der reguläre Schulbetrieb schon am Dienstag wieder zu Ende: Ein Schüler, der zuletzt am 8. Juni zum Unterricht erschienen war, wurde laut Stadt positiv getestet.

Zuvor hatten seine Eltern mit Symptomen das Krankenhaus aufgesucht und dort einen positiven Corona-Befund erhalten. Der Junge sei am Montag getestet worden, am Dienstag kam das positive Ergebnis.

Da Infektionsketten innerhalb der gesamten Schule nicht ausgeschlossen werden können, wurden alle 350 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer am Dienstag noch in der Schule in einem Reihen-Screening auf das Virus getestet. Die Testaktion dauerte bis in den späten Nachmittag.

Nach WZ-Informationen begann das Prozedere um 11 Uhr. Vor der Container-Schule, die wegen des Umbaus der Schule Peterstraße seit Ostern 2018 provisorisch am Schulzentrum Am Kothen eingerichtet worden ist, warteten Eltern in Einzelfällen stundenlang auf ihre Kinder. „Ich stehe hier seit kurz vor 12 Uhr. Erfahren habe ich davon durch einen Anruf von anderen Eltern“, sagte eine Mutter, die namentlich nicht genannt werden wollte. Der Vater eines Kindes empörte sich darüber, dass der Regelbetrieb in den Grundschulen überhaupt noch einmal vor den Sommerferien aufgenommen wurde: „Für mein Kind ist das Schuljahr damit definitiv beendet. Man könnte glauben, dass beabsichtigt war, dass sich die Kinder in diesen zwei Wochen anstecken sollen.“

Gesundheitsdezernent Stefan Kühn (SPD) erklärte, dass die Tests vorgenommen werden mussten, weil trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht ausgeschlossen werden könne, dass es Infektionsketten gegeben hat – etwa in der Offenen Ganztagsbetreuung oder über Lehrer, wenn diese doch mehrere Klassen unterrichtet hätten.

Förderverein übt Kritik an der Informationspolitik der Stadt

Der Vorsitzende des Fördervereins, Christoph Krey, übte Kritik am Vorgehen der Stadt. Weder seien die Eltern ausreichend informiert worden, noch werde Rücksicht auf die Schüler genommen. Seine Frau habe seit 12 Uhr vor dem Tor gewartet, um ihre Tochter abzuholen: Die sei aber nicht gekommen. Erst um kurz vor 14 Uhr sei sie dann informiert worden, was überhaupt passiert sei.

Das Gesundheitsamt sei zunächst mit einem Team aus drei Personen in Schutzkleidung gekommen, um alle Kinder zu testen. Krey befürchtet, dass die Kinder durch diese Aktion verängstigt würden. Der Tochter von Ndoikia Libabe sei es genau so ergangen. Libabe berichtet davon, dass ihre acht Jahre alte Tochter weinend aus der Schule gekommen sei und Angst gehabt habe. „Ich bin so wütend“, sagt Libabe. Die Kinder seien seit dem Morgen in der Schule, hätten teilweise nicht genug zu Essen für die lange Zeit dabei gehabt.

Die Lage entspannte sich ein wenig gegen 15 Uhr, als zwei weitere Teams von Feuerwehr und Gesundheitsamt anrückten, um Tests vorzunehmen. Kurz nach 15 Uhr fuhr dann ein Logistik-Fahrzeug der Feuerwehr vor – vermutlich um Essen anzuliefern. Während zuvor nur vereinzelt bereits getestete Kinder die Schule verlassen hatten, wurden sie nun zügiger in die Arme ihrer wartenden Väter und Mütter entlassen. Die meisten Kinder wirkten dabei sehr gefasst und ruhig. Während die Kleinsten zunächst untersucht wurden, mussten die höheren Klassenstufen am längsten ausharren. Das taten sie sehr tapfer und winkten aus den Klassenzimmern hinunter zur Straße, wo sie Blickkontakt mit den Eltern hatten. Am Tor versuchte derweil die Schulleitung die drängendsten Fragen zu beantworten, zu medizinischen Details wurden die Eltern an das Gesundheitsamt verwiesen.

Kühn sagte, dass am Nachmittag ein Elternbrief verteilt und per E-Mail verschickt werden sollte.

Für die Schüler als mögliche Kontaktpersonen gelte eine zweiwöchige Quarantäne – für die Eltern als Kontaktperson zweiten Grades werde das auf freiwilliger Basis empfohlen, so Dezernent Stefan Kühn. Der Schulbetrieb der Grundschule Peterstraße ist eingestellt. Für andere Schulen in Wuppertal gelte das nicht.

Rüdiger Bein, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, hatte schon vor dem Start des Regelbetriebs der Grundschulen gewarnt, dass der Schulstart so kurz vor den Ferien ein Risiko sei und von vielen als Experiment wahrgenommen werde. Er sieht die Einschätzung am Dienstag bestätigt. Der Grundschulbetrieb sieht weder die Masken- noch die Abstandspflicht vor.