Kommunalwahlkampf : Kevin Kühnert sieht die SPD auf korrigiertem Kurs
Wuppertal. Kevin Kühnert war zu Besuch in Wuppertal. Auf der Nordbahntrasse half er den Jusos beim Wahlkampf. Dabei sprach er über Olaf Scholz, den Kurs der SPD und Lebensläufe.
Kevin Kühnert gibt die Faust zur Begrüßung als er am Donnerstagnachmittag auf die Nordbahntrasse in Wuppertal kommt. Liegt es an der Pandemie, am Alter? Egal, er lässt es ganz selbstverständlich wirken, dass ein Spitzenpolitiker – Kühnert ist Juso-Vorsitzender und stellvertretender SPD-Vorsitzender – Jusos und Journalisten per „Fist-Bump“ Hallo sagt.
Kühnert wirkt entspannt. Dabei ist Wahlkampf. Kommunalwahlkampf in NRW, wo am 13. September gewählt wird, weswegen er tourt. Und seit Montag auch auf Bundesebene. Denn seitdem steht fest, dass die SPD Olaf Scholz ins Rennen um die Kanzlerschaft schickt. 2021.
Kevin Kühnert, seit 2017 Vorsitzender der Jusos, trägt Scholz als Kandidaten mit. Kühnert ist Teil des linken Spektrums der SPD. In einer Partei, die „sozial“ im Namen trägt, die früher klassisch von Arbeitern gewählt wurde, sich um den „kleinen Mann“ kümmern soll. Nach der Agenda 2010 oder der Mehrwertsteuererhöhung, nach der wiederholten Großen Koalition in Berlin, gibt es Zweifel am Markenkern. Die Wahlergebnisse zeigten das deutlich.
Kühnert hatte mit den Jusos dafür gesorgt, Scholz Ende 2019 als Parteivorsitzenden zu verhindern. Er hat Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans unterstützt und durchgesetzt. Weil er sich gegen ein „Weiter so“ in der Partei einsetzen wollte. Den Kurs nach links verschieben.
Dass Kühnert jetzt Scholz als Kanzlerkandidaten mitträgt, verwundert viele. Gilt mithin als Schwächung der Parteilinken. Der eigenen Linie. Kühnert sieht das anders. „Natürlich wollen wir jemanden als Kanzlerkandidaten, der große Regierungserfahrung hat“, sagt er auf der Nordbahntrasse. Zumal Scholz als Finanzminister einen ziemlich guten Job gemacht habe. Wichtig sei gewesen, Partei und Regierung zu trennen. Mit der Wahl der Parteiführung habe man sichergestellt, dass die Partei „nicht die ganze Zeit in den Kompromissen der Regierung gefangen ist“.