Europameisterschaft Kein Public Viewing beim Langen Tisch in Wuppertal

Wuppertal · EM-Achtelfinale der deutschen Fußballnationalmannschaft wird nicht auf die Leinwand übertragen.

Beim Langen Tisch am Samstag wird es kein gemeinsames Fußballgucken geben.

Beim Langen Tisch am Samstag wird es kein gemeinsames Fußballgucken geben.

Foto: dpa/Andreas Arnold

Von 16 Uhr am Samstagnachmittag bis 4 Uhr morgens am Sonntag feiert Wuppertal am Wochenende den Langen Tisch – auf der drei Kilometer langen Strecke zwischen dem Berufskolleg Haspel und dem Alten Markt. Das sind zwölf Stunden, in die auch das Achtelfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft fällt – dann am Samstagabend ab 21 Uhr mit dem Spiel aus Dortmund. Jetzt ist trotz vieler Anfragen klar: Ein Public Viewing bei der Großveranstaltung zum deutschen Spiel wird es nicht geben. Dies sei kontraproduktiv und passe nicht zum Konzept des Langen Tisches, sagt Martin Bang, Geschäftsführer der Wuppertal Marketing GmbH, die für das Event verantwortlich zeichnet.

„Ich möchte gerne das bunte Wuppertal“

Bang will mit dem Fest, das alle fünf Jahre zum Geburtstag der Stadt steigt (Wuppertal wird 95), eben genau das Gegenteil erreichen, als es ein starres Event mit großer Leinwand schaffen könnte. „Unser Konzept ist ein total buntes und vielfältiges Programm, das von den Wuppertalern selbst gestaltet wird“, sagt Bang der WZ. „Und eben keine Hauptbühne mit nur einem echten Highlight.“ Das böten genug andere Städte, die sich jedes Jahr mit der Qualität bekannter Bands übertreffen müssten. „Eigentlich“, sagt Bang, „werden wir für unser Konzept von anderen Städten bewundert.“

Die Wuppertaler sollten sich an jenem Samstag treiben lassen, die Menschen der Stadt und ihre Besonderheiten wahrnehmen. Kulturschaffende präsentieren sich auf 13 Bühnen, 250 Standbetreiber werden die Gäste in Beschlag nehmen. Die gesamte Ehrenamtsbandbreite Wuppertals sei vor Ort, sagt Bang: Bürgervereine, Geschichtsvereine, Religionsgemeinschaften, Institutionen und Bürgerämter. „Wir organisieren nur das bunte Treiben – und bieten den Raum an. Wir nehmen bewusst keinen Einfluss auf das Bühnenprogramm.“

Und noch einen Grund gibt es, dass Fußball keine große Rolle spielen soll, abgesehen von „TV-Geräten, die vielleicht mancher an seinem Tisch aufstellt“, wie Bang vermutet. Öffentliches Public Viewing sei mit intensiven Sicherheitsvorkehrungen zu organisieren. Und auch mit Zugangsbeschränkungen. Das widerspreche dem Geist des Festes. „Es heißt ein Fest für alle, und dann ist es auch ein Fest für alle.“ So auch für jene, wie Bang sagt, die sich „gar nicht für Fußball interessieren“. Fußballfans seien eingeladen, vor und nach dem Spiel beim Langen Tisch zu feiern, ob mit oder ohne deutschen Sieg.

2019, beim jüngsten Langen Tisch, waren über den Tag rund 250 000 Menschen dabei auf der gesperrten Friedrich-Engels-Allee, der Bundesstraße B7. Bis 2 Uhr nachts darf das Programm durch die Straßen klingen, dann wird alles ausgeschaltet, was technisch lauter geregelt werden kann. „Das ist die Sondergenehmigung, die wir alle fünf Jahre haben“, sagt Bang, dessen Highlight eben nicht der Fußball, sondern der Gehörlosenverein ist, der nachts mit „Leuchthandschuhen Gebärdensprache auch im Dunkeln“ präsentieren wird. „Ich möchte gerne das bunte Wuppertal.“ Der erste Lange Tisch wurde 1989 zum 60-jährigen Bestehen der Stadt Wuppertal veranstaltet und war als einmaliges Event geplant. Seither findet er aber regelmäßig statt.

Wer Fußball in größerer Runde sehen will, hat dazu stattdessen die Gelegenheit am Bahnhof Varresbeck an der Nordbahntrasse mit rund 450 Interessierten. Oder auch im Wuppertaler Brauhaus.