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Kein Platz mehr im Hörsaal

Kein Platz mehr im Hörsaal

Das Gedränge in den Räumen der Bergischen Universität Wuppertal will kein Ende nehmen. Studenten reagieren zunehmend sauer.

Wuppertal. Der Hörsaal 13 der Bergischen Uni ist rappelvoll. Einige Studenten haben auf den Treppenstufen Platz genommen und balancieren ihren Schreibblock auf dem Schoß. Die Situation ist nicht neu für sie - und nicht mehr länger hinzunehmen.

"Wir studieren unter katastrophalen Bedingungen", sagt Franziska Hüschen verärgert. "In Vorlesungen bekommt man keinen Sitzplatz, und in die Seminare kommt man gar nicht erst rein", ergänzt die 21-Jährige. Dass die Lehramts-Studentin seit Beginn ihres Studiums 650 Euro im Semester zahlt (Studiengebühr plus Semesterticket), empfindet sie daher als eine Zumutung. Auf 50 Seminarplätze kommen bis zu 150 Anmeldungen. In diesem Semester hat Franziska von sieben Seminaranmeldungen sieben Absagen erhalten. Die Veranstaltungen nach persönlichen Interessen zu belegen, sei unmöglich geworden. "Man muss froh sein, wenn man im Nachrückverfahren überhaupt noch irgendwo unter kommt", sagt die gebürtige Duisburgerin.

Mittlerweile macht sich unter den Studenten der Verdacht breit, die Seminarplätze würden nach der Anzahl der Studiensemester vergeben und Studenten aus höheren Semestern bevorzugt. "Den Leuten aus dem Grundstudium sagen die Dozenten, es mache keinen Sinn, auf einen Seminarplatz zu warten", sagt Hüschen. So könne man sich auch künstlich Langzeit-Studenten heranzüchten.

Auch unter den Dozenten der Bergischen Uni macht sich Unmut breit. Seit mehreren Semestern müssen sie in überfüllten Hörsälen gegen eine Masse von Studenten anreden und kommen mit Prüfungskorrekturen kaum noch nach. Mit der Aufhebung des Numerus Clausus (NC) seit Herbst 2007 hat sich die Studiensituation für den Fachbereich A, Geistes- und Kulturwissenschaften, deutlich verändert. "Keiner hatte sich Gedanken gemacht, wie wir mit derselben Mannschaft an Lehrenden der doppelten Anzahl an Studenten gerecht werden sollen", sagt Astrid Erll, Professorin für Anglistik und Amerikanistik.

Der zuständige Dekan Hans J. Lietzmann weiß, wie schwer die aktuelle Studiensituation für alle Beteiligten ist. "Jedes Jahr schrumpft unser Etat weiter", bedauert er. Mit den Einnahmen aus den Studienbeiträgen könnten auch keine wesentlichen Veränderungen geschaffen werden. Ab Herbst 2008 würde sich allerdings die Studentenanzahl durch Wiedereinführung des Numerus Clausus nicht weiter erhöhen.

Die Hoffnung, dass dies zur Verbesserung der Rahmenbedingungen führt, ist jedoch nicht allzu groß: "Der NC berechnet, was unsere Uni theoretisch bewältigen könnte. Nicht berücksichtigt wird, dass wir zurzeit schon ausgelastet sind", schränkt Lietzmann ein. Seit April dieses Jahres sind bereits zwei neue Professuren installiert und sechs neue Lehrkräfte eingestellt worden.

Franziska und ihren Kommilitonen rät der Dekan, bei Problemen mit Seminaranmeldungen das Gespräch mit dem entsprechenden Dozenten zu suchen. "Wenn jemand das Seminar benötigt, um mit seinem Studium weitermachen zu können, wird er immer einen Platz bekommen", verspricht Lietzmann.