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Kein klares Votum der Einzelhändler im Luisenviertel über Sperrungen

Verkehr : IHK-Umfrage: Knappe Mehrheit für Sperrung am Laurentiusplatz

IHK und IG Friedrich-Ebert-Straße hoffen auf das Einlenken der Politik auf eine Kompromisslösung.

Die Bergische Industrie- und Handelskammer hatte 370 Gewerbetreibende im Luisenviertel angeschrieben und um ihre Meinung zu einer möglichen Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße am Laurentiusplatz zwischen Laurentiusstraße und Auer Schulstraße gebeten. 137 Betriebe beantworteten die Fragen. Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent befürwortetet eine Sperrung, die im Sommer von der Verwaltung geprüft werden soll und bereits im Herbst umgesetzt werden könnte. Knapp ein Drittel sprach sich dagegen aus, 15 Prozent haben sich nicht festgelegt.

Der Beschluss der Bezirksvertretung Elberfeld, die Verwaltung den Vorschlag prüfen zu lassen, hatte heftige Diskussionen ausgelöst. Auch der Stadtrat beschäftigte sich mit dem Thema, wobei sich in der Ratsdebatte allerdings herausstellte, dass es sich um eine rein bezirkliche Angelegenheit handelt. Einen Beschluss der BV Elberfeld für eine Teilsperrung der Straße gibt es noch nicht, wie Bezirksbürgermeister Thomas Kring (SPD) mehrfach betonte.

Zahlreiche Argumente für
und gegen die Sperrung

Die Gewerbetreibenden rund um den Laurentiusplatz und im Luisenviertel fühlen sich dennoch von der Politik vor vollendete Tatsachen gestellt. „Vorher hat niemand mit uns darüber gesprochen, was für uns die beste Lösung sein könnte. Ich danke daher der IHK, dass sie diese Umfrage vorgenommen hat“, sagt Michael Kozinowski, Vorsitzender der IG Friedrich-Ebert-Straße. IHK-Geschäftsführer Thomas Wängler zeigte sich positiv überrascht von der Beteiligung an der Umfrage. „Immerhin 37 Prozent der Befragten erwarten negative Auswirkungen, wie Porbleme für den Lieferverkehr, weniger Kundenparkplätze, Verkehrschaos und den Verlust von Kunden. Von positiven Auswirkungen, weniger Lärm, angenehme Atmosphäre, höhere Kundenfrequenz gehen 26 Prozent aus. 36 Prozent glauben, dass die Sperrung keinerlei Auswirkungen hätte.“, so Wängler.

Die Bergische IHK und die Interessengemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße schlagen eine Kompromisslösung vor, wie sie auch von einigen Händlern in der Befragung angeregt wird. Der Kompromiss sieht vor, dass es zu der Teilsperrung zunächst einmal nur an Werktagen ab 17 Uhr und an Wochenenden kommen sollte.

Michael Kozinowski nannte einen weiteren Punkt, bei dem nach seiner Meinung umgedacht werden müsse. „Eine Umsetzung im Herbst würde das anlaufende Weihnachtsgeschäft beeinträchtigen. Die Geschäfte im Viertel sind bisher recht gut durch die Krise gekommen, wir wollen erst einmal in den Trott kommen, bevor wir uns schon wieder mit Veränderungen herumschlagen müssen“, sagt Kozinowski. Die BV Elberfeld hatte von der Verwaltung eine schnelle Prüfung gefordert, damit zum Beispiel die Außengastronomie am Laurentiusplatz im Herbst noch von den möglichen Veränderungen profitieren könne.

Nach Einschätzung von Thomas Wängler dürften nicht allein 85 Meter Straße betrachtet werden, sondern auch die mögliche Verlagerung des Verkehrs auf andere enge Straßen. Da seit Jahren ohne Ergebnis zum Beispiel über neue Regelungen für die Neumarkstraße ohne Ergebnis und Konsequenzen diskutiert werde, verwundere ihn jetzt beim Laurentiusplatz das angeschlagene Tempo, so Michael Kozinowski.

Etwa acht Parkplätze direkt am Laurentiusplatz würden wegfallen, wenn das Teilstück gesperrt würde. Als weitere Alternative brachten IHK und IG Friedrich-Ebert-Straße eine sogenannte Gemeinschaftsstraße ins Spiel, auf der Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichberechtigt seien und aufeinander Rücksicht nehmen sollen. Die Parkgebühren im Luisenviertel zu erlassen, wie es Teilnehmer der Umfrage gefordert haben, lehnen IG und IHK ab. Sie wünschen sich vielmehr, dass es verstärkte Kontrollen des Ordnungsamtes ab 17 Uhr gebe. „Es treffen sich zunehmend junge Leute im Viertel, die den Alkohol in großen Taschen mitbringen. Das ist ein größeres Problem als die Autoposer“, sagt Michael Kozinowski. Das Luisenviertel als Marke weiter zu entwickeln, sei ein lohnenswertes Ziel, wobei den Worten von Michael Kozinowski, Buchhändler am Laurentiusplatz, anzumerken, dass es Gefahren mit sich bringt, mit einem funktionierenden System Experimente zu machen.

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind wird am Donnerstag, 1. Juli, mit Bezirksbürgermeister Thomas Kring zur Bürger-Sprechstunde auf dem Laurentiusplatz stehen. Die Sprechstunde findet von 16 bis 18 Uhr statt, von 16.30 bis 17.30 Uhr ist der Oberbürgermeister vor Ort. Anwohner, Einzelhändler, Gastronomen und Passanten sollen dann die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu sagen.