Kein Internet: Wuppertaler Hightech-Firma wird vom Netz genommen

Wirtschaft : Kein Internet: Ronsdorfer Firma wird vom Netz genommen

Seit Jahren muss der Hightech-Hersteller Cryoelectra mit einem ISDN-Anschluss vorlieb nehmen. Jetzt stellt die Telekom die 40 Jahre alte Technik ab.

Cryoelectra ist ein international tätiges Hightech-Unternehmen – und hat bald keinen Internetanschluss mehr. Die Ronsdorfer, die sich 2002 an der Linde 72 niedergelassen haben, stellen Teile für Partikelbeschleuniger her, die unter anderem in der schweizer Großforschungseinrichtung Cern verwendet werden. Es gibt nur ein Problem: In Sachen digitale Infrastruktur hinkt der Standort an der Linde ein paar Jahrzehnte zurück. Cryoelectra und die Nachbarn im Mischgebiet nördlich der Autobahnauffahrt Ronsdorf haben noch einen ISDN-Anschluss. Die Technik ist 40 Jahre alt und wurde vor 30 Jahren in Deutschland etabliert. Kein Wunder, dass die Telekom ISDN nun abschaltet.

Doch für Cryoelectra ist das ein Problem. Geschäftsführer Nico Pupeter sagt: „Wir telefonieren ja noch über diese Leitungen.“ Wenn die Telekom auf das Telefonieren auf IP-Technik – also übers Internet – umstellt, ist Cryoelectra abgehängt, denn ein Glasfaserkabel liegt an der Linde 72 nicht im Boden.

Die WZ fragte bei Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney nach, ob so eine Situation wie in Ronsdorf ein Einzelfall sei. „Das kann eigentlich nur sein, wenn sich ein Gasthof alleine im Wald befindet“, sagte er und gab sich zuversichtlich: „Wir haben für alle eine Lösung.“

Doch Nico Pupeter war mit der Alternative zur toten Leitung nicht einverstanden. Über eine alte DSL-Leitung sei es möglich, über zwei Kanäle zu telefonieren, wie die Telekom mitgeteilt habe. Aktuell benötigt das Unternehmen mit seinen 40 Mitarbeitern allerdings sechs Leitungen. „Das ist keine Option für uns“, sagt Cryoelectra-Techniker Mirko Nedos.

„Uns ist von der Telekom angeboten worden, dass wir die Verlegung des Glasfaserkabels für 70 000 Euro selber bezahlen“, erzählt Geschäftsführer Pupeter. „Das ist doch ein Witz.“ Die Telekom habe den Vertrag zum September gekündigt. Das erste Mal wurde Cryoelectra vor zwei Jahren darüber informiert. Damals sei aber nicht klar gewesen, dass es dadurch zu dem Telefon-Problem kommen wird, so Pupeter. Der Geschäftsführer habe schon überlegt, einen Anwalt einzuschalten und dann den potenziellen Verdienstausfall geltend zu machen.

In Sachen Internet hat sich Pupeter bereits vor Jahren mit einer Funkantenne selbst beholfen, so dass das Unternehmen nun zumindest mit LTE-Geschwindigkeit ins Internet gehen kann. Nur sei auch das keine Lösung, die einem modernen Unternehmen gerecht wird: „Das ist im Alltag eine reine Qual.“ Wenn es regnet, fahre die Geschwindigkeit nochmal deutlich runter.

Der Bund stellt Mittel für den Ausbau im Gebiet bereit

Das Nachbar-Unternehmen, Lumbeck & Wolter GmbH & CO. KG, Produzent von Schneidewerkzeugen, ist in der gleichen Situation. Auch dort arbeitet man mit Funk-Internet. „LTE ist keine gute Lösung“, sagte Sprecher Panagiotis Goritsas der WZ. Betroffen sind ringsum noch einige weitere Unternehmen. Laut Flächennutzungsplan ist die Gegend kein Gewerbe-, sondern ein Mischgebiet.

Die Stadt hat den weißen Fleck auf der digitalen Wuppertal-Karte im Blick. Breitbandkoordinator Guido Gallenkamp von der Wirtschaftsförderung sagt: „Das ist ein Fördergebiet.“ Das bedeutet, dass die Stadt Fördergelder für den Glasfaser-Ausbau bereits vom Bund zugesichert bekommen hat, weil keiner der Anbieter derzeit von sich aus plant, dort Kabel zu verlegen. „Wir haben diese Problemlagen auf dem Schirm“, sagt Gallenkamp. Jedoch gehe der Breitbandausbau nur sehr zäh voran. Einen Zeitplan, wann welche Standorte eine schnellere Leitung bekommen, gebe es noch nicht. 21,2 Millionen Euro werden für schnelleres Internet nach Wuppertal fließen. Bis 2021 soll der Ausbau abgeschlossen sein.

Bis dahin versucht Cryoelectra, mit einem anderen Anbieter eine Lösung zu finden, der die Telefonie weiter über die Kupferleitung ermöglichen möchte. Pupeter hofft, dass das auch wirklich funktioniert. Er sagt: „Wenn wir hier nicht mehr telefonieren können, müssten wir über einen neuen Standort nachdenken.“

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