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Kein Attest? Bahn verweigert Aufzug-Nutzung im Hauptbahnhof Wuppertal

Wuppertaler Nahverkehr : Kein Attest? Bahn-Personal verweigert Aufzug-Nutzung im Hauptbahnhof

Im Wuppertaler Hauptbahnhof ist Gleis 4/5 derzeit nur über den Südsteig erreichbar. Mobilitätseingeschränkte Menschen werden damit vor Probleme gestellt. Es gibt erst Beschwerden.

Fahrstühle sollen Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist, helfen, Barrieren zu überwinden. Am Wuppertaler Hauptbahnhof war das in den vergangenen Tagen nicht immer möglich. Dort verweigerte das Sicherheitspersonal Reisenden den Zutritt zum Fahrstuhl, der zu Gleis 4/5 führt. Einer der Leidtragenden ist Andreas Krüger (53), der täglich in Wuppertal mit der Bahn unterwegs ist und seit der Sanierung der Unterführung im Hauptbahnhof vor großen Problemen steht.

Die Deutsche Bahn hatte im Zuge der Modernisierungsarbeiten bereits Einschränkungen angekündigt, erklärt, dass der Bahnsteig zu Gleis 4/5 während der ersten Bauphase nur über den Südsteig erreichbar sei. Das Unternehmen wollte zusätzliches Personal einsetzen, das die Pendler entsprechend durch die Baustelle leitet. Ein Teil des Personals steht jetzt vor den Aufzügen und reguliert deren Nutzung.

Beim WZ-Besuch vor Ort versichern die Mitarbeiter, dass „es klare Vorgaben gibt und diese besagen, dass nur ältere Menschen und Kranke, die sichtbare Beeinträchtigungen haben, durchgelassen werden dürfen“. Jeder, der sonst den Fahrstuhl nutzen möchte, benötige ein medizinisches Attest von seinem Hausarzt.

In der Pressestelle der Bahn zeigt man sich auf WZ-Anfrage von solchen Aussagen überrascht und stellt klar: „Grundsätzlich kann jeder Reisende weiterhin den Fahrstuhl nutzen, es gibt keinerlei Nutzungsbeschränkung. Wir wollten die Fahrstühle lediglich den mobilitätseingeschränkten Reisenden zur Verfügung stellen und darauf achten, dass gesunde Menschen, die die Fahrstühle nicht benötigen, diese nicht unnötigerweise blockieren. Leider sind da einige Mitarbeiter über das Ziel hinausgeschossen.“ Man wolle das Personal vor Ort nochmals sensibilisieren und es darauf hinweisen, dass das Vorzeigen eines Attests beziehungsweise einer ärztlichen Bescheinigung für die Nutzung des Lifts nicht notwendig ist.

Angekommen war diese Vorgabe am Donnerstag offenbar noch nicht bei allen Mitarbeitern. Die Folge: Andreas Krüger wird erneut daran gehindert, den Fahrstuhl zu nutzen. Der 53-jährige Pendler diskutiert mit dem Sicherheitspersonal, das ihn anschließend sogar festhält. „Man hat mir damit gedroht, die Polizei zu rufen und das nur, weil ich wegen meiner Meniskuserkrankung den Aufzug nutzen wollte“, erklärt Krüger. Erst als eine weitere Bahn-Mitarbeiterin die Situation bemerkt und einschreitet, wird Krüger die Erlaubnis zur Nutzung erteilt. Krüger kann das Verhalten nicht verstehen: „Es kann doch nicht sein, dass ich ein Attest benötige, nur um den Fahrstuhl zu benutzen.“

Er verweist auf den beschwerlichen Weg zu den Gleisen über den Südsteig, wenn der Aufzug nicht genutzt werden kann. Rauf geht es zum Teil über eine Rolltreppe, doch danach müssten noch weitere Stufen überwunden werden. Danach geht es weitere Treppenstufen hinab, was für Krüger sehr unangenehm wird: „Besonders das Hinabsteigen von Stufen ist schmerzhaft.“

Die Bahn wiederholte auf erneute Anfrage, dass man das Personal informieren will. „Unsere Mitarbeiter sollen sich in Zukunft deeskalierend verhalten, damit es nicht noch einmal zu so einem Vorfall wie am Donnerstag kommt“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Außerdem wolle man „Schilder anbringen, die darauf hinweisen, dass die Fahrstühle vorrangig für mobilitätseingeschränkte Menschen zur Verfügung stehen – natürlich ohne Attest“.

 Axel Sindram, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, zeigt sich wenig erstaunt über die Situation vor Ort und bezeichnet die fußläufige Erschließung des Wuppertaler Hauptbahnhofes als „defizitär.“ Er schlägt der Bahn vor, einen Blick nach Münster zu werfen. Dort wurde der Fahrgasttunnel am Hauptbahnhof verbreitert und den höheren Fahrgastzahlen angepasst.