Sprockhövel: Kaum Chancen für einen Bürgerbus

Sprockhövel : Kaum Chancen für einen Bürgerbus

Der Beschwerdeausschuss befasst sich heute mit dem Thema. Das hat eine Vorgeschichte.

Die alte Dame klingt genervt: „Die schlechte Verkehrsanbindung in den Randbezirken ärgert mich ungemein.“ Die 86-Jährige wohnt in der Hölteregge. Früher fuhr sie für Erledigungen und Termine mit dem Auto nach Sprockhövel oder Haßlinghausen. Insgesamt fühle sie sich „sauwohl“ in Sprockhövel. Aber nun fehle ihr die Möglichkeit, ohne fremde Hilfe zu Ärzten und Einzelhändlern zu kommen. Ihr Antrag auf Schaffung eines Bürgerbusses beschäftigt heute den Ausschuss für Anregungen und Beschwerden.

20 bis 30 Ehrenamtler braucht man für einen Bürgerbus

Neu ist das Thema nicht: Schon 2015 beschäftigte sich der Verkehrsausschuss in Sprockhövel auf Antrag der SPD intensiv mit der Frage, ob ein Bürgerbus eingerichtet werden könne. Damals wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, deren Ziel es war, einen Bürgerbus einzurichten. Zu einer Informationsveranstaltung mit Gästen anderer Bürgerbus-Vereine kamen jedoch gerade einmal drei interessierte Sprockhöveler. „Das Problem ist, dass ein Bürgerbus mit einem Riesenaufwand verbunden ist“, warnt Wolfgang Bammel (SPD), der sowohl im Verkehrs- als auch im Beschwerdeausschuss sitzt und sich intensiv mit dem Nahverkehr in Sprockhövel auseinandersetzt. 20 bis 30 Ehrenamtler sind nötig, um den Betrieb eines Bürgerbusses zu gewährleisten. Da heute wenig Menschen bereit sind, sich auf lange Zeit zu verpflichten, besteht darin das größte Problem.

Die Bürgerbusse in Wuppertal etwa haben trotz langjährigem Fahrtbetrieb immer wieder Nöte, genügend Ehrenamtler zu finden. „Außerdem sind es immer nur einzelne Straßen, die nicht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind. Eine wirklich sinnvolle Strecke für einen Bürgerbus sehe ich nicht“, sagt Bammel. Oft gehe es nur um rund zwei Kilometer bis zur nächsten Bushaltestelle – die jedoch für alte oder kranke Menschen eine unüberwindbare Hürde darstellen können.

Die Sprockhöveler Stadtverwaltung sieht ebenso wenig Chancen für einen Bürgerbus: „Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass es ein nur sehr geringes Interesse an einem Bürgerbus in Sprockhövel gibt. Das geringe Interesse ist auch recht allgemein, so fehlt es zum Beispiel an einer Idee, wo der Bürgerbus fahren könnte“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Seit der ernüchternden Veranstaltung 2015 habe auch außer der 86-Jährigen niemand mehr bei der Verwaltung nach der Einrichtung eines Bürgerbusses gefragt. Also werden sich entlegen wohnende Sprockhöveler auch weiterhin mit nachbarschaftlicher Hilfe fortbewegen müssen.

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