1. NRW
  2. Wuppertal

Kaugummiautomaten aus Wuppertal prägen das Stadtbild

Wirtschaft : Kaugummiautomaten aus Wuppertal prägen das Stadtbild

Vor Jahrzehnten waren sie Magneten auf Schulwegen, aber auch jetzt gibt es sie noch zahlreich in der City.

Einst begehrter Anlaufpunkt der Kinder, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, doch heute weitestgehend ohne große Beachtung. Irgendwie zwar da, aber doch mehr Relikt denn aktiver Zeitgenosse. Die Rede ist vom Kaugummiautomaten. Es ist eine Gattung, die auf den ersten Blick im Begriff zu sein scheint, von der Bildfläche zu verschwinden

Doch allzu „lebendig“ sind Kaugummiautomaten mindestens deshalb, weil sie nach wie vor das Stadtbild prägen. Erstmals tauchten sie hierzulande nach dem zweiten Weltkrieg auf und erreichten den Zenit ihrer Anziehungskraft in den 50er- und 60er-Jahren. In Wuppertal sind sie mitnichten verschwunden. So reicht beispielsweise in Elberfeld ein kurzer Streifzug durch die Wohnviertel aus, um einige Exemplare zu entdecken. Sie zieren Hauswände, Spielplätze oder Einkaufspassagen. Doch trotzdem geraten die besonderen Geräte in Vergessenheit. An der Gathe etwa steht ein solcher Automat, einer der stattlichen Sorte, mit drei verschiedenen Fächern. Ein ortsansässiger Lebensmittelhändler gibt Auskunft, während er Kisten sortiert: „Der ist alt und schon lange kaputt.“ Es komme niemand mehr vorbei, um etwas zu ziehen: „Hier sind drei Läden und ein Kiosk.“ Kaugummis gibt es schon lange überall, wozu also zum Automaten. Viele von ihnen sind von der Zeit gezeichnet. Sie rosten, ihre kleinen Fenster sind verblichen, und der Lack blättert ab.

Michael Macheroux sorgt sich bereits in zweiter Generation um seine Kaugummiautomaten. Sein Vater betrieb sie mit seiner Wuppertaler Firma 50 Jahre lang, bevor Macheroux vor nunmehr 16 Jahren übernahm. Er tauscht – mittlerweile nebentätig – regelmäßig den Inhalt aus, in Wuppertal wie auch weit darüber hinaus. Die Branche liegt noch lange nicht im Sterben, ist er überzeugt: „Man spricht von 800 Aktiven.“ Gerade die Historie der Kästen sorgt heute für den Reiz: „Viele erinnern sich daran, als Relikt der Kindheit, und schicken heute selbst ihre Kinder hin“, erklärt er. Heutzutage ist das Fach mit Spielzeug beliebter als das der Kaugummis, „das hat jetzt auch Hygienegründe“, glaubt Macheroux.

Der einstige Klassiker lebt also weiter, wenn auch nicht ewig, meint der Automatenbetreiber: „Irgendwann werden sie natürlich aussterben.“ Doch bis dahin umweht sie ein stetig wachsender Retro-Hauch. Nicht ohne Grund widmen sich im Netz zahlreiche Blog-Autoren diesen blechernen Zeitzeugen, und stoßen dabei auf Wuppertaler Fabrikate.

Sind die antiken Kästen aus Sicht der Stadt ein Teil der Straßenzüge? „Wir kümmern uns weniger um Alter und Ästhetik“, sagt Ulrike Schmidt-Keßler vom städtischen Presseamt. Es wird, auch bei alten Modellen, pragmatisch vorgegangen. Wer einen Automaten im öffentlichen Raum betreiben will, braucht eine Genehmigung. „Wenn wir merken, dass wir keine Zahlungen mehr erhalten, würden wir sie abbauen“, heißt das laut Schmidt-Keßler im Umkehrschluss. So würden also viele Automaten schlicht nicht mehr gepflegt.

Sie sorgen für niemandes Unterhalt mehr, ihre Strahlkraft ist eine andere, doch die Wuppertaler Kaugummiautomaten bleiben vorerst – hier und anderswo.