Kaugummi-Tafeln sollen für saubereres Pflaster sorgen

Sauberkeit : Kaugummi-Tafeln sollen für saubereres Pflaster sorgen

ESW und AWG gehen mit farbigen Tafeln gegen Verschmutzung der Innenstadt vor. Start der Aktion war am Döppersberg.

Wie groß die Nachfrage nach den neuen Kaugummi-Wänden in Elberfeld auch ausfällt, für eine ästhetische Aufwertung sorgen die DIN-A3 großen Tafeln auf jeden Fall: Sie bringen Farbe in die Innenstadt, erinnern zwei der drei Motive doch in ihrer comic-artigen Buntheit an Werke von Roy Lichtenstein. Sie zeigen einen Superman, der den Passanten zuruft: „Echt super, wenn das Kaugummi im Mülleimer landet!“, oder eine an Marilyn Monroe erinnernde Frau, die rät: „Bleib sauber. Das Kaugummi gehört in den Mülleimer!“ Die Ausrufezeichen in beiden Fällen sind dabei durchaus als dezenter Hinweis zu werten.

Zwischen dem Hauptbahnhof am Döppersberg und der Elberfelder Innenstadt montierten Mitarbeiter des Eigenbetriebs Straßenreinigung Wuppertal (ESW) und der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) am Donnerstag die ersten Tafeln, mit denen die Stadt einem penetranten und ekligen Phänomen zu Leibe rücken: der Verdreckung des Asphalts in den Fußgängerzonen durch plattgetretenen und sich ins Pflaster fressende Kaugummis. In den kommenden Tagen sollten „40 bis 50 Tafeln“ aufgestellt werden, sagte der Sprecher von ESW/AWG, Andreas Spiegelhauer, bei der Montage der ersten Tafeln. Die Tafeln sind an einer Metallstange befestigt, an der wiederum ein Abfalleimer installiert ist. Die benutzten Kaugummis können von den Konsumenten direkt auf die Tafel geklebt oder am besten einfach direkt in den darunter befindlichen Mülleimer geworfen werden. „Hauptsache, die Kaugummis kommen nicht auf den Boden“, betonte der Teamleiter Straßenreinigung beim ESW, Carsten Melech. Auf den Tafeln befinden sich die bunten Folien, die nach einer bestimmten Zeit abzogen und erneuert werden können. Die alten Folien mitsamt Kaugummis werden dann thermisch entsorgt.

Die ersten Reaktionen
fallen verhalten aus

Dass die Aufbauarbeiten nun auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof starteten, hatte einen einfachen Grund: Das Areal wird täglich von mehreren zehntausend Menschen frequentiert, am Döppersberg müssen die Reinigungskräfte des ESW pro Schicht an die 100 festgepappte Kaugummis entfernen. Das sei sehr aufwendig und arbeitsintensiv, sagte Melech. Zudem sei die Arbeit nicht sehr angenehm. Mit einem Hochdruckreiniger könne man den zerkauten Überresten zwar zu Leibe rücken. Aufgrund der offenen Fugen im Pflaster sei der Einsatz von Hochdruckreinigern etwa am Döppersberg aber nicht möglich, Kehrmaschinen könnten das Problem auch nicht beseitigen. Und die Verwendung von beschichtetem Pflaster, auf dem die Rückstände nicht so stark haften bleiben, sei aus Kostengründen nicht erfolgt, bedauerte Melech.

Etwa 50 Euro kostet die Anschaffung eines Ensembles aus Kaugummi-Wand, Metallpfosten und Mülleimer. In einigen Fällen werden die Tafeln auch an schon bestehende Pfosten angeschraubt. Nach dem Auftakt in Elberfeld solle nun auch bald die Barmer Innenstadt folgen, sagte Sprecher Spiegelhauer. Hier suche man noch das Gespräch mit den Geschäftsleuten, um ein Datum zu finden. „Sinnvolle Stellen für eine Kaugummi-Wand gibt es genug in der Stadt“, betonte Melech.

Mit der Aktion wolle man auf das Problem der verdreckten Innenstädte aufmerksam machen, sagte er. Neben den Kaugummis gibt es ja schließlich auch noch „Problemfälle“ wie Plastikbecher, Hundehaufen oder Zigarettenkippen, mit denen sich die ESW-Mitarbeiter rumschlagen müssen. „Viele Leute regen sich auf, wie das aussieht“, berichtete Melech.

Die ersten Reaktionen auf die neuen Kaugummi-Wände fielen freilich eher skeptisch aus. Ein älterer Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte, hatte wenig Hoffnung, dass Appelle an Sauberkeit vor allem bei jungen Leuten fruchten: „Das nützt alles nichts, wenn sich niemand drum kümmert.“ Die Stadt müsse härter gegen Passanten vorgehen, die die Innenstadt verschmutzten. Ein anderer Mann, der gerade auf den Weg zum Busbahnhof war, hielt den pädagogischen Nutzen der Aktion für eher begrenzt: „Wenn Sie Jugendliche auf so etwas ansprechen, werden Sie doch beschimpft oder bedroht.“

Der Andrang auf die Kaugummi-Wände hielt sich am ersten Tag auf jeden Fall in Grenzen, die meisten Bürger gingen achtlos an den Tafeln vorbei. Kaugummi-kauende Menschen sah man zudem sehr selten, meistens wurden die Mülleimer zum Abwerfen von Kippen oder Alltagsmüll genutzt. Und auch bei den Jugendlichen muss die Aktion noch Überzeugungsarbeit leisten: „Ich glaube nicht, dass viele das nutzen werden, um ihren Kaugummi dort abzuschmeißen“, sagte die 16-jährige Sonja, die mit Schulkameraden auf der Treppe am Döppersberg saß. Es sei eben einfacher, das Kaugummi mal schnell aufs Pflaster zu spucken.

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