Katernberger Schulweg: Anwohner contra Raser

Katernberger Schulweg: Anwohner contra Raser

Initiative ärgert sich über den Durchgangsverkehr — und vermisst Engagement der Stadt.

Katernberg. Die Verkehrssituation am Katernberger Schulweg ärgert die Anwohner schon lange. Immer mehr Autofahrer, so der Vorwurf, nutzten die Straße als Abkürzung, Raser sorgten immer wieder für brenzlige Situationen. Vor allem für Kinder sei es gefährlich. Durch die ohnehin beengten Gegebenheiten verschärfe sich die Situation, sagt Reinhold Weber von der Initiative Katernberger Schulweg. Bereits 2014 habe man sich an die zuständige Bezirksvertretung gewandt. Passiert sei aber seitdem nichts, so der Vorwurf.

Foto: Andreas Fischer

Damals, so Weber, sei man vertröstet worden. „Hinhaltetaktik der Bezirksvertretung“ nennen es die Anwohner. Es solle gewartet werden, „bis die Nevigeser Straße fertig ist“. Die sei jetzt aber schon länger fertig und trotzdem sei niemand tätig geworden, kritisieren die Anwohner, die unter anderem eine erneute Verkehrserhebung gefordert hatten, um die tatsächliche Verkehrsbelastung des Katernberger Schulwegs zu messen.

Da die Verwaltung das nicht tat, übernahmen die Nachbarn die Aufgabe im August 2017 schließlich selbst und zählten 16 Stunden lang den Verkehr. Das Ergebnis: „Mit einer Spitzenbelastung von 329 Kraftfahrzeugen pro Stunde (das sind fünf Fahrzeuge pro Minute) und insgesamt weit über 3000 Kraftfahrzeugen pro Tag, davon 17 Prozent Fahrzeuge ohne Wuppertaler Kennzeichen, wird der Katernberger Schulweg immer häufiger als Abkürzung und damit als Verbindungsstraße genutzt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative. Ein weiteres Problem: Gehwegparker. Für Fußgänger etwa mit Rollatoren gebe es oft kein Durchkommen, sagt Weber.

Eine Forderung der Initiative, formuliert in einem Bürgerantrag, sei deshalb auch, dass die Stadt mehr kontrolliert. Allerdings räumt Weber ein, dass unter den Gehwegparkern einige Anwohner seien. Schuld sei aber auch hier der Durchgangsverkehr. Viele Nachbarn würden sich gar nicht trauen, auf der Straße zu parken. Aus Angst, dass ihnen zum Beispiel der Außenspiegel abgefahren wird. Denn wie Weber selbst beobachtet hat, wird es im Begegnungsverkehr mitunter eng. Manchmal käme es sogar zu handfesten Streits zwischen Autofahrern, wer denn jetzt Vorrang habe.

Die Anwohner hatten sich auch an Oberbürgermeister Andreas Mucke gewandt — und sich vor allem über die Untätigkeit von Politik und Verwaltung geärgert. „Bürgerbeteiligung ist für die Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg ein Fremdwort und die Verkehrspolitik in Wuppertal hat trotz vieler Bemühungen aus der Bürgerschaft heraus nur einen Fixpunkt: Freie Fahrt für den Autoverkehr. Rückwärtsgewandter geht es nicht.“

In seiner Antwort erklärt der OB allerdings, dass sich die Bezirksvertretung sehr wohl noch einmal am 30. März 2017 mit dem Thema befasst und die Bitte an die Verwaltung formuliert hatte, „die Verkehrssituation im Katernberger Schulweg ,in absehbarer Zeit’ zu überprüfen.“ Das bestätigt auch Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert (SPD). „Wir haben das Problem weitergeleitet.“ Allerdings, räumt sie ein, habe die BV danach nicht mehr weiterverfolgt, ob und wie die Verwaltung der Bitte nachkommt. In Zukunft, so Ebert, wolle man da stärker nachhaken.

Am kommenden Donnerstag steht der Katernberger Schulweg auf jeden Fall wieder auf der Tagesordnung der BV. Weber hat allerdings wenig Hoffnung, dass sich für die Anwohner etwas zum Guten ändert. Zumal die Stadt in der Vergangenheit bereits den großen Wunsch der Initiative, den Durchgangsverkehr zu stoppen — etwa durch eine Einstufung als Anliegerstraße — abgelehnt hatte.

Mehr von Westdeutsche Zeitung