Junger Wuppertaler auf Expedition im Silicon Valley

Wirtschaft : Auf Expedition im Silicon Valley

Flynn Fremgen (14) besuchte als junger Forschungsreisender das Herz der IT-Szene in den USA.

Die Dokumentation über die knapp zweiwöchige „Wirtschaftsexpedition“ durch Silicon Valley ist beinahe so dick wie eine Doktorarbeit. Flynn Fremgen und seine 28 Mitreisenden haben darin Ablauf, Stationen und Erkenntnisse ihrer „Forschungsreise“ in das Herz der US-amerikanischen IT-Szene akribisch zusammengefasst und mit wissenschaftlichem Ansatz aufgearbeitet. Vom 26. Mai bis 8. Juni hatten sich die Teilnehmer auf Spurensuche in dem nordkalifornischen Forschungs- und Wirtschaftszentrum nahe San Francisco gemacht, namhafte Firmen wie Apple, Google oder SAP besucht. Auch die Campus von weltbekannten Unis wie Stanford oder Berkeley schauten sich die Teilnehmer an und führten dort Umfragen unter den Studenten durch. Mit seinen 14 Jahren war Flynn einer der jüngsten „Forschungsreisenden“.

Organisiert wurde die Reise von der IJM-Stiftung aus Heidelberg. IJM steht für „Institut für Jugendmanagement“. Über seinen Vater hatte Flynn von der Fahrt erfahren: „Die Schulleitung hatte die E-Mail vor den letzten Herbstferien an meinen Vater geschickt“, erzählt er. Arbeitsauftrag der Reise war es, zu erforschen, welches „Flair“ im Silicon Valley herrscht, wie die dortige Wirtschaft und das Bildungssystem organisiert sind.

Da Flynn, der mittlerweile die 9 c des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums besucht, eine Vorliebe für Mathematik und naturwissenschaftliche Themen hat, war sein Interesse schnell geweckt. Nach Rücksprache mit seinen Eltern sandte er im November vergangenen Jahres die Bewerbung nach Heidelberg. „Das war ganz schön aufwendig“, erinnert sich Mutter Christine. So musste er etwa ein Motivationsschreiben einreichen, zudem Zeugnisse und Zertifikate vorlegen, dass er schon an Forschungsprojekten teilgenommen hat. Als nach etwa drei Wochen das Institut die Bewerbung annahm, waren Freude und Überraschung groß. „Wir hatten gar nicht damit gerechnet, weil er noch so jung ist“, sagt Christine Fremgen.

Sponsoren übernahmen die
Kosten in Höhe von 3000 Euro

Doch mit der erfolgreichen Bewerbung für die „Wirtschaftsexpedition“ war die Arbeit noch lange nicht erledigt. Für die Teilnahme musste der 14-Jährige auch noch Kenntnisse für die Anwendungen Word, Excel und Power Point auf dem Niveau des europäischen Computer-Führerscheins nachweisen. Auch „solide Englisch-Kenntnisse“ wurden erwartet, zudem musste ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert werden. Außerdem musste Flynn zur Finanzierung der Reise - immerhin knapp 3000 Euro - Sponsoren suchen, die die Kosten zu einem guten Teil übernahmen. Bei Flynn waren das die Barmenia-Versicherungen und der Unternehmer Jörg Heynkes sowie zwei weiteren Sponsoren, die nicht genannt werden möchten.

Für Flynn war es die erste große Flugreise, der Besuch in den USA eine Premiere. „Ein wenig Bammel hatte ich schon“, verrät er. Einen Tag bevor es mit dem Flieger nach San Francisco ging, traf sich die Gruppe in Heidelberg zu Vorbesprechungen. „Im Silicon Valley haben wir dann fast jeden Tag ein Unternehmen besucht“, berichtet er. Die Liste der Firmen liest sich wie ein „Who is who“ der Internetbranche: Google, SAP, Apple und Intel. Auch Besuche und Recherchen auf den Campus der Universitäten in Stanford und Berkeley standen auf dem Programm. Vor allem die Größe der Hochschulen hat Flynn beeindruckt.

Auch der Unternehmensgeist und die Start-up-Mentalität haben nachhaltigen Eindruck auf ihn gemacht. In Vorträgen mussten die Reisenden ihre Erkenntnisse noch vor Ort präsentieren. „Die Unis dort beschäftigen sich viel mit Start-ups“, fasst Flynn ein Untersuchungsergebnis zusammen. Auch die Risikobereitschaft bei den Unternehmen sei größer, die Gründung derselben leichter als in Deutschland. Das Programm und die Anforderungen an die jungen Leute waren auf jeden Fall sehr ambitioniert. „Oft ging es bis in den späten Abend“, gesteht er, hin und wieder konnte ein Mitreisender die Notizen zu den Ausflügen nicht mehr bearbeiten, weil er einfach zu müde war. „Urlaub war das auf jeden Fall nicht!“, ergänzt Christine Fremgen.

Fremgen könnte sich vorstellen,
einmal in den USA zu studieren

Und auch nach der Rückkehr in Deutschland bleibt das Thema für Flynn aktuell. In der Schule hat er von seiner Reise bereits im Englisch-Unterricht berichtet, zudem hat die Gruppe zwei Stellwände erstellt, die die Reise und deren Stationen zusammenfassen - mitsamt QR-Codes zur multimedialen Erweiterung. Die Stellwände sollen jetzt in seiner Schule aufgestellt werden, zudem wird Flynn noch in Vorträgen von seiner Reise berichten. Der 14-Jährige scheint auf jeden Fall Spaß an seiner Exkursion ins Herz der weltweit führenden IT-Szene gefunden zu haben. Er könne sich gut vorstellen, an einer der dortigen Unis zu studieren, verrät er. Die ersten Kontakte hat er ja jetzt schon geknüpft.

Mehr von Westdeutsche Zeitung