Jugendliche mit Waffen auf Raubzug in Wuppertal

Raubserie in Wuppertal : Jugendliche mit Waffen auf Raubzug

In Wuppertal gab es sieben Überfalle auf Kioske binnen vier Wochen, und die Täter sind immer jünger. Die Polizei bündelt deswegen ihre Kräfte, eine Sondereinheit gibt es aber noch nicht.

Sieben Überfälle auf Kioske hat es seit Anfang November in Wuppertal gegeben. Die Polizei hat Ermittlungskräfte gebündelt, um den Fällen nachzugehen. Es gebe noch keine Sondereinheit, aber die Polizisten arbeiteten im gleichen Kommissariat, heißt es von der Polizei. Die Sache wird sehr ernst genommen. Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert spricht von einer Serie.

Angefangen hat die aktuelle Kette von Überfällen in Elberfeld. Am 4. November wurde ein Kiosk an der Arrenberger Straße von vier maskierten Männern überfallen – alle schwarz gekleidet, mit Sturmhauben, einer mit Schusswaffe. Am 7. November überfielen zwei Täter mit einer Waffe einen Kiosk an der Ludwigstraße. Am 15. November wurde ein Kioskbesitzer an der Nützenberger Straße von zwei vermutlich jugendlichen Tätern mit einer Waffe bedroht. Am 16. wieder ein Kiosk an der Arrenberger Straße. Später wurden zwei Verdächtige nach diesem versuchten Überfall an der Arrenberger Straße festgenommen. Ein 15- und ein 16-Jähriger. Einer der beiden sitzt in Untersuchungshaft.

Trotz der Festnahme ging es danach weiter. Aber dann in Barmen und Wichlinghausen. Am 16. November wurde ein Kiosk an der Schönebecker Straße überfallen – zwei Täter mit Waffe. Am 17. November war es ein Kiosk an der Liegnitzer Straße – der nochmal am 2. Dezember heimgesucht wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Die Häufung der Delikte wird als außergewöhnlich angesehen. Die Schwere der Taten auch. Baumert sagt unmissverständlich, dass ein Raub mit vorgehaltener Waffe zu mehreren Jahren Haft führen „wird, nicht kann“. Bei Erwachsenen führe selbst der Raub mit einer Spielzeugpistole, die ungefährlich ist, aber echt aussieht, zu drei bis fünfzehn Jahren Haft. Bei einer echten Waffe oder sogar einer geladenen Schreckschusspistole beginne das Strafmaß bei fünf Jahren. Auch bei Jugendlichen werde selten von einer Haftstrafe abgesehen, weil man von einer besonderen Schwere der Straftat und „schädlichen Neigungen“ ausgehe.

Zudem sei auch der Überfall an sich gefährlich. „Stellen sie sich vor, die Täter kommen bewaffnet aus dem Kiosk und begegnen der Polizei. Wie soll die reagieren?“, fragt er und nimmt Bezug auf den Mann (25), der am Samstag mit einem Hammer auf Polizisten losgegangen sein soll und erschossen worden ist. Die Täter begäben sich in eine „extrem gefährliche Situation“. Zumal auch Kioskbesitzer womöglich aufrüsteten.

Kioskbetreiber ist jetzt gewappnet

Shahan Asif betreibt den Kiosk an der Liegnitzer Straße. Der 24-Jährige war im Urlaub beim ersten Überfall am 19. November, beim zweiten am 2. Dezember aber gewappnet – er Vertrieb die Täter, sei ihnen hinterhergejagt, erzählt er selbst.

Er glaube nicht, dass die Täter wiederkommen, aber wenn, dann werde er sie stellen.

Dass er gleich zweimal überfallen werden sollte, überrascht ihn. Er habe den Laden drei Jahre, nie sei etwas passiert. Und dann sei er das erste Mal in Urlaub gewesen und sofort ausgeraubt worden. Er wolle nicht, dass Kriminelle ihn als leichte Einnahmequelle wahrnähmen. „Das hier ist meine Existenz“, sagt er.

Stefan Weiand, Sprecher der Polizei, meint aber, dass gerade das relativ schnelle Vorgehen und die relativ einfache Möglichkeit an Geld zu kommen, Täter animieren könne. Dass es weitere Überfälle auf Kioske gebe, könne man nicht ausschließen. Ob die beiden gefassten Täter in weitere Überfälle verwickelt seien, werde sich im Laufe der Ermittlungen zeigen.