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Jugendliche fordern: Hört uns häufiger zu

Jugendliche fordern: Hört uns häufiger zu

Weniger Kandidaten, weniger Delegierte – aber viel Engagement bei der Wahlparty der Bezirksjugendräte.

Wuppertal. Schrumpfende Stadt, sinkende Geburtenrate, Politikverdrossenheit - drei schlechte Voraussetzungen für die Wahl von Bezirksjugendräten. 100 Kandidaten aus allen Stadtteilen hätten sich aufstellen können, nur 68 traten in der Woche vom 10. bis zum 14. November zur Wahl an. Ergebnis ist, dass der Rat in den kommenden Jahren nur noch 49 Delegierte umfassen wird.

Hut ab umgekehrt vor denen, die trotzdem Verantwortung übernehmen. Warum tun sie das? "Einer muss es ja machen", sagt die 17 Jahre alte Canan Celik, die in Elberfeld 115 Stimmen kassierte und im Stadtteil mehr Möglichkeiten zur Förderung der Kreativität anstrebt.

Nun ist Elberfeld, wo am Wochenende in der Alten Feuerwache die Wahlparty gefeiert wurde, gewiss nicht das Schlusslicht in der Stadt der stark begrenzten Möglichkeiten. Dennoch formuliert auch die 18 Jahre alte Tlaytmas Chaghou aus Oberbarmen ähnliche Ziele für ihren Stadtteil. Freilich wünscht sie sich zugleich ein schöneres Erscheinungsbild der Straßenzüge.

In dem Punkt können Bezirksjugendräte durchaus kreativ tätig werden, während ein anderes Anliegen der Gymnasiastin Tlaytmas nicht so recht in die Zuständigkeit der Kommunen fällt: Schülermitbestimmung bei der Gestaltung des Lernstoffs.

In dem Punkt offenbart sich ein Bruch, denn was die Erwachsenen so schön in Statuten niedergelegt haben, etwa die Zuständigkeiten von Gremien, interessiert Jugendliche nun mal nicht. Sie wünschen sich, dass ihnen häufiger zugehört wird. Jad Madani, der mit seinen 14 Jahren gerade mal wahlberechtigt ist, hat da schon seine Erfahrungen gesammelt: Sein Brief an den Oberbürgermeister zur Verbesserung von Bolzplätzen hatte keinen durchschlagenden Erfolg.

Dabei sind die Ziele der Jugendlichen keineswegs durchweg egoistischer Natur. Bianca Völlink aus Elberfeld erkennt das Problem der Obdachlosen in Wuppertal und würde sich gerne für sie engagieren. Gewählt wurde Bianca letztlich nicht, doch darf sie ihr Anliegen bei dem ebenso motivierten Maurizio Paciello in guten Händen wissen. Was der Rat erreicht, wird sich in den kommenden zwei Jahren zeigen. Doch erst einmal wurde die Party gefeiert.