Jugendliche begegnen der Kunst

Jugendliche begegnen der Kunst

Ausstellung zeigt Ergebnisse der Kooperation von Schulen und Neuem Kunstverein.

Andrea Raak behält den Überblick in all dem Trubel. Rappelvoll ist es zur Ausstellungseröffnung im Raum des Neuen Kunstvereins im Kolkmannhaus an der Hofaue. „Track 17“ nennt sich das Ausstellungsprojekt mit Schülern der Kooperationspartnerschaft von Wuppertaler Schulen und Kunstverein. Vier Schulen sind vertreten und zeigen ihre Werke. Raak ist Mitbegründerin des Kunstvereins. Ihr ist die Kunstvermittlung ein besonderes Anliegen.

Daher initiierte sie, zusammen mit Cordula Sauer, das Kooperationsprojekt. „Wir zeigen hier zeitgenössische Kunst. Während der Zusammenarbeit mit den Schulen besuchen diese unsere Ausstellungen und erhalten so Inspirationen für ihren individuellen Umgang mit der Kunst. Sie haben dadurch die Freiheit, eine andere Art von Kunst zu machen.“

Die Ergebnisse sind in Material und Ergebnis vielfältig und individuell. Ronja (8) ist Teilnehmerin der Kunstakademie der OGS Am Nocken. „Wir haben Spuren aus Ton gemacht und darin Abdrücke“, erklärt sie den Besuchern. Inspiriert durch die Laniakea Ausstellung von Heike Pallanca modellierten die Kinder dreidimensionale Plastiken und formten sie zu einer Bodeninstallation.

„Auch für die Organisation, Aufsicht und Repräsentation ihrer Kunstwerke sind die jungen Künstler selber verantwortlich“, erzählt Erik Schönenberg vom Kunstverein. Für ihn ist es wichtig, dass die Kinder die Hemmungen vor der Kunst verlieren und so einen Zugang zu ihr finden.

Tatsächlich sind einige der Schüler zum ersten Mal in einer Kunstausstellung. Benedikt und Lukas aus der 6 E der Else Lasker-Schüler Gesamtschule haben am Thema „Ordentlich mal anders“ mitgewirkt. „Wir haben Kacheln in der Erde vergraben, sie im Tornister mitgetragen oder mit Verpackungspapier beklebt“ erzählen sie. An einer Wand hängen zahlreiche Ergebnisse. Cool ist es für sie, an der Ausstellung beteiligt zu sein.

Melissa Demir war mit menschlichen Haaren kreativ: „Ich habe sie bei Friseuren gesammelt und mit ihnen gearbeitet“, erklärt sie. Ein Haarpinsel hängt an der Wand, eine Shampooflasche ist mit Haaren beklebt.

Ins Auge fallen die Drahtfiguren der Jahrgangsstufe 12 am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium. Zum Thema „Begegnungen“ formten die Schüler Körper, allein oder zu zweit.

„Wir wollten figürliche Darstellungen“, erzählt Kunstlehrerin Manuela Weber. Die Drahtskulpturen wurden anschließend durch Feuer geschwärzt. So entstanden zum Teil grotesk aussehende Figuren, die menschliche Stimmungen ausdrücken. „Es ist eine kritische Darstellung der Gesellschaft“, erklären die Schülerinnen Cara Schmidt und Kristine Brockhaus.

Anna Severin ist Kunstlehrerin an der Else Lasker-Schüler Gesamtschule. Zum Thema „Ist das Kunst oder kann das weg?“ arbeitete sie mit der Jahrgangsstufe 9: „Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, wie der Alltag zur Kunst werden kann“, erklärt sie.

Ihre Kollegin Sabine Prüss verweist auf die Videoinstallationen des Kurses Darstellen und Gestalten der Jahrgangsstufe 8. Die Teilnehmer fügten Aufnahmen von bewusstem Begehen von Orten und Wegen zu Kurzfilmen zusammen, um Gefühle von Nähe und Distanz zu verdeutlichen.

Das Thema Natur liegt der Gesamtschule Barmen am Herzen. Sie zeigt kleine Objekte zum Bewahren und Beschützen kostbarer Güter aus der Natur. Dabei setzten sie sich mit der wachsenden Bedrohung und Zerstörung der Natur auseinander und verwendeten Materialien wie Ton, Pappmache, Steine oder Pflanzen.

Auch Fundstücke wie Verpackungsmüll oder Styropor wurden verarbeitet, Zeichen der wachsenden Vermüllung unserer Umwelt.

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