Jugendfilmtage: Ernstes Thema, wenig Wirkung

Jugendfilmtage: Ernstes Thema, wenig Wirkung

1600 Wuppertaler Jugendliche sollen per Leinwand vom Rauchen und Trinken abgehalten werden. Dass das funktioniert, bezweifeln die Angesprochenen allerdings.

Wuppertal. "Jargo", "Elefantenherz" oder "Thank you for smoking" heißen die Filme, die sich über 1600 Schüler derzeit im Cinemaxx ansehen. Mit den zweiten Jugendfilmtagen legt Wuppertal vor - zwölf andere Städte in Deutschland werden nachziehen. An der Veranstaltungsreihe der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sollen die Jugendlichen im Alter von zwölf bis 19 Jahren natürlich Spaß haben, aber vor einem ernsten Hintergrund: Unter dem Motto "Nikotin und Alkohol - Alltagsdrogen im Visier" wird über die Folgen von Alkohol- und Zigarettenkonsum aufgeklärt.

Die Problemlage bei den Alltagsdrogen hat sich in den vergangenen Jahren allerdings verändert: "Beim Thema Rauchen können wir in den letzten Jahren etwas entspannen", erklärt Peter Lang von der BZgA. Die Zahl der Raucher im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren hat sich seit 2001 fast halbiert - und sank damit auf einen historischen Tiefstand. Kritisch sehen Jugendschützer allerdings den steigenden Konsum von Tabak auf Wasserpfeifen.

Dramatischer stellt sich die Lage beim Alkoholkonsum dar - hier ist Prävention wichtiger denn je: Besonders das schnelle Trinken in einem kurzen Zeitraum, das sogenannte "Komasaufen", liegt bei Jugendlichen voll im Trend. Jeder fünfte Jugendliche gibt an, in den vergangenen 30 Tagen das so genannte "Binge-Trinken", also das Trinken von mehr als fünf alkoholischen Getränken hintereinander praktiziert zu haben.

Solche Besorgnis erregenden Zahlen sind es, die Projekte wie die Jugendfilmtage nötig machen. Aber kommen die Präventionsmaßnahmen bei den Jugendlichen überhaupt an? Pia Sperl ist da skeptisch. Die 15-Jährige hat gerade "Elefantenherz" gesehen. Dass dieser Film Gleichaltrige vom Zigaretten- oder Alkoholkonsum abhält, glaubt sie nicht: "Wir haben viele Leute in der Klasse, die rauchen. Die interessiert das überhaupt nicht", sagt die Realschülerin. Auch die Teilnehmer des HipHop-Wettbewerbs der Landesinitiative "Leben ohne Qualm" befürworten die Aktion zwar, glauben nicht wirklich an einen Erfolg. Der 20-jährige David Schumann von der Formation "Bootycamp" raucht selbst: "Das fing mit 15 Jahren auf Partys an. Damals hätten mich sicherlich keine Anti-Rauch-Songs davon abgehalten."

Auch Robin Formanski, der selbst das Lied "Folgen" für den Wettbewerb geschrieben hat, ist skeptisch. Der 15-Jährige, der selbst viel Sport macht und nicht raucht, meint: "Trotzdem mache ich das nur aus Spaß an der Musik. An meinen Mitschülern geht das völlig vorbei."

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